Aktualisiert 26.02.2015 18:19

Homeschooling in der Schweiz

Junge Eltern unterrichten Kinder lieber zu Hause

Homeschooling gibt es nicht nur in religiösen Kreisen und bei Aussteigern: In der Schweiz werden über 500 Schüler von ihren Eltern unterrichtet.

von
vro
Homeschooling wird in der Schweiz zunehmend beliebter.

Homeschooling wird in der Schweiz zunehmend beliebter.

Keystone/Gaetan Bally

Lange Zeit galt Hausunterricht als beliebte Erziehungsmethode bei Aussteigern, Hippies und konservativen Christen. Doch mittlerweile werden zunehmend Kinder aus herkömmlichen Familien zu Hause unterrichtet. In der Schweiz gelten dafür in den einzelnen Kantonen jedoch strikte Vorgaben, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Über 500 Schweizer Kinder werden von ihren Eltern unterrichtet. Das ist auch erlaubt: Schulpflicht bedeutet nämlich nicht Schulbesuchspflicht. Die Gründe, weshalb Schweizer Eltern ihre Kinder nicht in Schulen schicken, sind vielfältig. Manche sind mit der Bildungsanstalt unzufrieden, religiös motiviert oder glauben, dass sie es schlicht besser können. Doch auch demografische Gründe können eine Rolle Spielen, etwa bei Expats, die nur kurz in der Schweiz leben oder Kindern, die einen zu langen Schulweg haben.

Strikte Auflagen

Laut Willi Villiger vom Verein Bildung zu Hause nimmt das Interesse für Hausunterricht kontinuierlich zu. Viele junge Familien hätten sich gemeldet, die «die natürliche Lernfreude ihrer Kinder unter allen Umständen erhalten wollen», sagt er zur Zeitung.

Damit Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten dürfen, brauchen sie in der Regel eine Bewilligung oder müssen sich an die Meldepflicht halten. Letzteres gilt etwa für Zürich, wie die Zeitung schreibt. Dort darf der Heimunterricht zudem nur von einer Personen mit Lehrerpatent erteilt werden, falls er länger als ein Jahr dauert. In diesem Fall wird die Einhaltung des Lehrplans und der Lernziele jährlich überprüft.

Auch andere Kantone setzen eine abgeschlossene Lehrerausbildung voraus. In Glarus und Luzern muss diese zudem der Altersstufe entsprechen. Obwalden und Thurgau erteilen nur bei triftigen Gründen und für eine befristete Zeit grünes Licht für Hausunterricht.

Sozialkompetenz leide nicht

Im Kanton St. Gallen ist Homeschooling zwar auch erlaubt, trotzdem hegt man offenbar Zweifel an der Methode. In einem Merkblatt wird die Sorge beschrieben, dass die Erziehung zu gemeinschaftsfähigen Menschen dadurch beeinflusst wird.

Der Verein Bildung zu Hause sieht das allerdings anders. «Dass die Sozialisation von Homeschool-Kindern überdurchschnittlich gelingt, belegen einschlägige Studien, welche diesen Jugendlichen ein hohes Mass an Sozialkompetenz attestieren», heisst es auf der Internetseite. Gestärkt würde diese unter anderem durch Mitgliedschaften in Sportvereinen, Austauschsemester, Beziehungen zu Nachbarskindern, Freunden oder Verwandten.

240 Schüler in Bern

Weniger kritisch gegenüber Homeschooling sind die Kantone Bern, Appenzell Ausserrhoden, Aargau und die Westschweiz. Im Kanton Aargau werden insgesamt 97 Kinder zu Hause unterrichtet. Erst kürzlich äusserte sich der Regierungsrat dort ablehnend zu einem Postulat, das strengere Kontrollen forderte. Im Kanton Bern sind fast die Hälfte aller derzeitigen Homeschooling-Schüler zu Hause, nämlich 240. Ihre Eltern müssen allerdings von einer pädagogisch ausgebildeten Person betreut werden.

Unterrichten Sie Ihr Kind zu Hause und möchten gerne Ihre Erfahrungen mit anderen teilen? Schreiben Sie uns ihre Geschichte mit Telefonnummer an feedback@20minuten.ch!

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