Ansturm auf Armee: Junge Franzosen werden patriotisch
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Ansturm auf ArmeeJunge Franzosen werden patriotisch

Nach den Anschlägen auf Paris wollen Tausende Franzosen ihr Land und dessen Werte verteidigen. Sie melden sich in Scharen zum freiwilligen Militärdienst.

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cfr

Nach den Anschlägen in Paris vom 13. November, zu denen sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte, entdecken viele Franzosen den Patriotismus für sich. Tausende melden sich jeden Tag beim Militär — sie wollen für ihr Land und ihre Werte kämpfen.

Die französische Armee verzeichnet derzeit rund 1500 Neuanmeldungen pro Tag, wie «Le Monde» berichtet. Auch bei den lokalen und nationalen Polizeibehörden gingen täglich 4500 statt 1500 Bewerbungen ein, so die «New York Times». Der Militärdienst ist in Frankreich freiwillig, die allgemeine Wehrpflicht wurde 1996 abgeschafft.

«Die Angriffe richteten sich gegen die Jungen»

«Scharen von Menschen kommen zu uns oder kontaktieren uns auf Social Media», sagte Colonel Eric de Lapresle, Sprecher der Rekrutierungsabteilung beim französischen Militär. «Ich habe so etwas noch nie gesehen. Sie alle wollen unsere Freiheit, unsere Werte verteidigen und sprechen vom Kampf gegen den Terror.»

Vor allem junge Leute identifizierten sich mit dem, was in Paris geschehen sei, sagt Lapresle: «Die Angriffe in Paris, etwa im Bataclan, richteten sich gegen die Jungen. Und sie sagen jetzt, dass sie etwas tun wollen.»

«Ich bin bereit, in den Krieg zu ziehen»

Jeremy Moulin (23), vormals Praktikant in einer Anwaltskanzlei, schrieb sich nahe Paris in der Kaserne Fort Neuf ein. «Die Angriffe haben mich motiviert, mein Land zu verteidigen», erzählt er. «Die Terroristen haben das Herz von Paris getroffen. Wenn wir sie nicht stoppen, werden sie es wieder tun.» Auch ein 17-Jähriger aus einem Pariser Vorort will sich beim Fort Neuf registrieren lassen. Er sagt: «Ich bin bereit, in den Krieg zu ziehen.»

Für Ercan Celic, ein Franzose mit türkischen Wurzeln, liegt die Motivation noch tiefer. Er möchte Feuerwehrmann werden, um in künftigen Notfällen eingreifen zu können. «Ich möchte beweisen, dass Menschen wie ich französisch sein können, trotz unterschiedlicher Herkunft. Wir teilen alle das Bedürfnis, das Land vor diesen Menschen zu verteidigen», sagt der junge Mann, der als Autoverkäufer arbeitet, zur «New York Times». Auch er wird dafür eine Sicherheitsprüfung bei der französischen Armee über sich ergehen lassen müssen.

Das französische Heer will in diesem Jahr 15'000 Rekruten anheuern, wie «Le Temps» berichtet. Sie sollen insbesondere die innere Sicherheit stärken. Dafür will der Staat zusätzlich 600 Millionen Euro ausgeben. Einen ähnlichen Hype ums Militär gab es bereits nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar oder etwa nach den Anschlägen von 9/11 in den USA.

Trikolore und Marseillaise

Neben dem Ansturm beim Militär hat auch die französische Flagge Hochkonjunktur (siehe Bildstrecke). Die Fahnenverkäufe hätten seit den Attacken von Paris um 400 Prozent zugenommen, sagte Hervé Burg, Präsident des Flaggenherstellers Paris Drapeux, der «New York Times». «Zuvor kauften Menschen Flaggen gelegentlich für Sportveranstaltungen. Jetzt hängen sie diese von ihren Balkonen und zeigen sie öffentlich. Das Verhalten ist sehr patriotisch.»

Der Patriotismus zeigt sich auch auf Social Media. Tausende Franzosen und Menschen auf der ganzen Welt schmückten ihr Facebook-Profilbild mit der französischen Trikolore. Bei Sportevents, Arbeitsmeetings oder auf den Strassen singen die Menschen spontan die Marseillaise.

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