Schlägerei in Liestal: Junge Frau mit Zivilcourage verfolgt Täter
Aktualisiert

Schlägerei in LiestalJunge Frau mit Zivilcourage verfolgt Täter

Am Sonntagabend wurde eine junge Frau Zeuge einer Schlägerei zwischen zwei Männern. Dank ihrem mutigen Einsatz konnte die Polizei den Täter verhaften.

von
Dominique Artacho
Melanie Schmitt (20) verfolgte den Täter bis vor die Pizzeria Gleis 1, wo er von der Polizei festgenommen wurde.

Melanie Schmitt (20) verfolgte den Täter bis vor die Pizzeria Gleis 1, wo er von der Polizei festgenommen wurde.

Gegen 18 Uhr kriegten sich gestern zwei Männer im Bahnhof Liestal in die Haare. Melanie Schmitt (20) und ihre Freundin Stefanie Zmoos (17) wurden Zeuginnen, wie einer der Männer sein Gegenüber brutal mit Faustschlägen niederstreckte.

«Als wir in Liestal ausstiegen, hörten wir, wie sich die beiden Männer in der Schalterhalle anschrien», sagt Schmitt. Anschliessend kam es zu einem Handgemenge. «Der Schläger hat sein am Boden liegendes Opfer in den Rücken und ins Gesicht getreten», erzählt die 20-Jährige am Tag danach noch immer fassungslos.

Verfolgung aufgenommen

Der Täter floh zu Fuss Richtung Wasserturmplatz. «Als wir uns sicher sein konnten, dass jemand beim Opfer blieb, nahmen meine Freundin und ich die Verfolgung auf und informierten die Polizei», sagt Schmitt. Als der Mann seine Verfolger bemerkte, schrie er die jungen Frauen an und drohte ihnen. «So leicht liessen wir uns aber nicht einschüchtern», so Schmitt. Bei der Pizzeria Gleis 1 wartete dann auch schon eine Polizeipatrouille und nahm den Täter fest.

«Der 35-jährige Schweizer ist der Polizei bereits bekannt», sagt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Er sei mittlerweile wieder entlassen worden. Beim Opfer handelt es sich um einen 49-jährigen Schweizer. «Der Hergang und die Entstehung der Tätlichkeiten sind offen und Gegenstand von laufenden Abklärungen», so Stöcklin.

«Niemand hat eingegriffen»

Am meisten belastet die Zeugin, dass niemand der anwesenden Passanten interveniert hat. «Ich bin schockiert und finde es feige, dass die schaulustigen Männer vor Ort nichts gemacht haben», so Schmitt empört. Deshalb musste sie als Frau reagieren: «Wenn es sein muss, setze ich mich gerne für andere ein.»

Das Verhalten wird von Stöcklin gerühmt: «Die zwei jungen Frauen bewiesen Zivilcourage, sahen nicht weg und handelten verantwortungsvoll – das ist grundsätzlich gut und lobenswert.» Trotzdem gehe die eigene Sicherheit stets vor. Von direkten Konfrontationen rät Stöcklin explizit ab. «Es gilt der Grundsatz: beobachten und melden ja, direktes Eingreifen bitte nicht, dies sollte der Polizei überlassen werden», so Stöcklin.

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