Geplatztes Aneurysma: Junge Frau stirbt nach Sex an Hirnblutung
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Geplatztes AneurysmaJunge Frau stirbt nach Sex an Hirnblutung

Kurz nach dem Sex war die junge Frau tot: Grund war eine Hirnblutung. Der Chefarzt des Berner Notfallzentrums erklärt, wie gefährlich Sex wirklich ist.

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Auf dem Bildschirm zu sehen: Ein Gehirnaneurysma. Wenn ein solches beim Sex platzt, kann die Sache gefährlich werden. (Symbolbild)

Auf dem Bildschirm zu sehen: Ein Gehirnaneurysma. Wenn ein solches beim Sex platzt, kann die Sache gefährlich werden. (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally

Eine junge Frau verstarb kürzlich in einem Schweizer Unispital an einer Hirnblutung. Kurz zuvor hatte sie Sex mit ihrem Partner gehabt. Die Ärzte vermuten, dass bei der Patientin während des Geschlechtsverkehrs ein Gefäss platzte. Der Zusammenhang zwischen Hirnblutungen und Sex wird in der medizinischen Fachpresse immer wieder aufgegriffen. Doch an Fakten mangelt es nach wie vor.

Das Inselspital Bern hat die bisher einzige Studie in Europa zum Thema veröffentlicht. Daran beteiligt war auch Aristomenis Exadaktylos, Direktor und Chefarzt des Notfallzentrums. «Dass man nach dem Sex an einer Hirnblutung stirbt, passiert wirklich extrem selten – doch es ist möglich.» Das zeigen auch die Zahlen: 10 Prozent der Patienten, die sich im Laufe von zehn Jahren nach Sex auf der Notfallstation meldeten, litten an einem neurologischen Problem.

«Im allerschlimmsten Fall stirbt man»

Die Symptome sind vielseitig: «Das können sehr starke Kopfschmerzen, Schwierigkeiten beim Sehen oder sogar vorübergehender Gedächtnisverlust sein», so Exadaktylos. Vor allem bei Frauen tauche Letzteres häufiger auf. Das sei sowohl für die Patientin und den Partner als auch für den Arzt extrem schwierig. «Wir können diese Amnesie nicht direkt behandeln. Wir müssen die nötigen Untersuchungen machen und die Patientin und deren Umfeld beruhigen, bis das Gedächtnis wieder zurückkommt.» Normalerweise sei dies bereits nach wenigen Stunden der Fall, es habe aber auch schon bis zu zwei Tage gedauert. «Das ist dann durchaus beängstigend.»

Die Ursache hinter diesen seltenen, aber einschneidenden Erlebnissen sind nicht restlos geklärt. Ärzte vermuten, dass der Sex den Körper ähnlich belastet wie Sport. Der Blutdruck steigt, das Herz rast, die Lungen pumpen, die Muskeln verspannen sich und der Atem geht rasch. «Das alles manchmal kürzer oder auch länger, es hört aber ziemlich abrupt auf.» Je nach Veranlagung und körperlichem Einsatz könne deshalb auch Sex gefährlich sein. Exadaktylos: «Und ja, im allerschlimmsten Fall, aber Gott sei dank sehr selten, stirbt man daran.»

Niemand muss auf Sex verzichten

Das Problem für die Ärzte sei vor allem das Tabu, das im Zusammenhang mit Problemen nach dem Sex noch immer bestehe, so der Chefarzt. «Wenn jeder Patient, der nach dem Geschlechtsverkehr stärkste Kopfschmerzen hat, sofort zum Arzt gehen und sagen würde: ‹Ich hatte Sex und jetzt habe ich Kopfweh›, könnten wir viel mehr Fälle aufklären.»

Doch viele Menschen, vor allem auch Junge, würden zunächst ein Aspirin nehmen und dann noch eins und erst, wenn sie es kaum mehr aushielten, gingen sie zum Arzt. Das sei riskant. «Hat jemand wirklich ein Aneurysma, das zu platzen droht, und lässt es nicht rechtzeitig untersuchen, kann der Sex tragisch enden.»

Dabei gebe es keinen Grund zur Angst. «Eine Behandlung bei solchen Problemen ist besser, als es darauf ankommen zu lassen. Wir geben den Patienten Medikamente und bitten sie danach, die Sache etwas entspannter anzugehen», so Exadaktylos. Aber niemand müsse deswegen auf Sex verzichten.

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