10.12.2015 04:53

Online-ShopJunge Frauen kaufen sich neue Jungfernhäutchen

Musliminnen kaufen die begehrte Jungfräulichkeit mittlerweile im Internet. Auch die Bestellungen aus der Schweiz nehmen zu.

von
ann
Das Hymen der deutschen Firma Virginia Care. Es besteht aus zwei Zellulose-Häutchen, zwischen denen sich steriles gefriergetrocknetes Blutpulver befindet

Das Hymen der deutschen Firma Virginia Care. Es besteht aus zwei Zellulose-Häutchen, zwischen denen sich steriles gefriergetrocknetes Blutpulver befindet

«Wenn es euch nicht gegeben hätte, dann wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr hier!», schreibt Indira in ihrer Rückmeldung. Ähnlich geht es Betüls: «So eine grosse Hilfe braucht man bestimmt nicht nochmal im Leben wie Sie für mich waren! Der grösste Dank der Welt an Sie!» Der überschwängliche Dank der beiden jungen Frauen gilt der deutschen Firma Virginia Care, die sich auf die Herstellung künstlicher Jungfernhäutchen spezialisiert hat.

Die Dankbarkeit kommt wohl nicht von ungefähr: Im deutschen Darmstadt stehen dieser Tage die Eltern der 19-jährigen Lareeb vor Gericht. Im Januar 2015 hatte das pakistanische Ehepaar seine Tochter ermordet, weil diese mit ihrem Freund Sex hatte.

Naturgetreue Wirkung

Erhältlich ist das Jungfernhäutchen übers Internet. Wer sich darunter einen künstlichen hautartigen Ring zum Einsetzen vorstellt, liegt aber falsch. «Das Hymen besteht aus zwei dünnen Zellulose-Häutchen, zwischen denen sich steriles, gefriergetrocknetes Blutpulver befindet», sagt Geschäftsführerin Wannisa Srikanjanasuan.

Dieses Doppel-Häutchen führt die Frau etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Geschlechtsakt in die Vagina ein. Die Zellulose reagiere auf die Wärme und Feuchtigkeit im Innern der Vagina und bleibe dort sofort kleben. «Es kann nicht herausrutschen.» Durch die Reibung des Gliedes und die dadurch erzeugten Wärme beim Sexualverkehr lösten sich die Häutchen auf und das Pulver mische sich mit den Flüssigkeiten im Vaginalgang. «Sichtbar ist dann ein naturgetreues Ergebnis von Blutspuren, gemischt mit Körperflüssigkeiten», so Srikanjanasuan.

«Schmerzen und Naivität»

Virginia Care liefert ihre Hymen weltweit aus. Abnehmer sind ausschliesslich Frauen mit muslimischem Hintergrund. «Fünf bis zehn Bestellungen im Monat kommen aus der Schweiz, Tendenz steigend.» Nebst dem Jungfernhäutchen würden viele junge Frauen auch noch ein Straffungsgel für die Vagina bestellen. «Ein Teil der jungen Mädchen glaubt, dass ihre Vagina durch die paar Mal Geschlechtsverkehr ‹ausgeleiert› sei.»

Dem Päckchen mit dem Hymen liege ein Zettel mit Tipps bei, wie man sich beim Geschlechtsakt verhalten solle. Srikanjanasuan: «Die Mädchen sollen sich vollkommen unerfahren geben und Schmerzen vortäuschen. Das ist genau das, was ein Mann von einer Frau beim ersten Mal erwartet!»

«Wir sind die Notlösung»

Die Firma bietet zudem zwei Arten von Hymen an: Die eine Version heisst Virginia Care Original und hat einen rot-braunen Farbton. «Dieser Effekt von getrocknetem Blut ist vor allem dazu da, Eltern und Schwiegereltern zu beweisen, dass die Braut noch jungfräulich war.» Der zweite Farbton, Virginia Care Advanced, sei heller und wirke wie frisches Blut. «Der Frischbluteffekt beweist dem Bräutigam die Unberührtheit», so Srikanjanasuan.

Auf die Frage, ob man mit dem Angebot nicht eine patriarchalische Tradition unterstütze, verneint Srikanjanasuan. Es werde von Pädagogen und Beratungsstellen bereits viel wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet. Diese helfe aber Mädchen, die bei streng traditionellen Eltern aufwachsen würden, nicht viel. Sie litten in der Hochzeitsnacht unter Todesangst und müssten Sanktionen fürchten. «Wir sind die absolute Notlösung für jene, die unter dieser Tradition leiden.»

Jungfernhäutchen oder Hymen

Das Hymen ist eine Hautfalte zwischen zwischen äusserem und innerem weiblichen Geschlecht. Es umrandet die Scheidenöffnung ganz oder teilweise.

Bei Kindern umrandet das Hymen den Scheideneingang wie eine glatte, dünne und gespannte Haut. Mit Beginn der Pubertät verändert sich das Gewebe des Hymen, es wird weicher, kräftiger und dehnbarer. Grösse und Form des Hymen sind bei jedem Mädchen sehr unterschiedlich. Meistens ist es von rosaroter Farbe.

Das Hymen ist eine faltiger Hautring und kann nur durch etwas verletzt werden, das grösser und dicker ist als der Ring. Ein Finger oder ein Tampon schaffen das nicht, ein Penis schon. Beim ersten Geschlechtsverkehr kann der Hymen einreissen. Je nach dem wie gross der Riss ist, blutet es mehr oder weniger. Das tut in der Regel nicht sehr weh. Meist reisst er nur an einer Stelle ein.

Etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen bluten beim ersten Geschlechtsverkehr nicht, weil der Hymen bei ihnen gar nicht einreisst, sondern nur gedehnt wird.

Mädchen, die in der Hochzeitsnacht einen Blutfleck auf dem Bettlaken präsentieren müssen, um ihre Jungfräulichkeit zu beweisen, kommen deshalb oft in Schwierigkeiten, wenn es keinen Fleck gibt. Aber obwohl man heute weiss, dass nicht jede Jungfrau beim ersten Mal blutet, wird dieser Nachweis der Jungfräulichkeit in manchen Kulturkreisen immer noch erwartet.

Dabei ist ein Jungfernhäutchen immer vorhanden - mit oder ohne Sex. Eine sogenannte «Rekonstruktion» ist daher nicht nötig und der Begriff irreführend. Trotzdem haben vor allem Mädchen aus muslimischen Familien Angst, dass ihnen Geschlechtsverkehr vor der Ehe nachgewiesen werden kann.

Deshalb lassen einige junge Frauen vor der Hochzeit die Öffnung des Häutchens durch einen operativen Eingriff auf eine unnatürliche Größe verengen. So wird das Eindringen des Penis zwangsläufig zu blutenden Verletzungen beim ersten Mal führen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.