Folgen der Pandemie auf die Psyche: Junge Frauen leiden am meisten
Viele Schweizer Frauen unter 30 bezeichnen das eigene psychische Befinden als «durchzogen» oder noch schlechter.

Viele Schweizer Frauen unter 30 bezeichnen das eigene psychische Befinden als «durchzogen» oder noch schlechter.

Ivan Obolenin / Pexels
Publiziert

Neue Schweizer StudieJungen Frauen hat die Corona-Pandemie am meisten zugesetzt

Gewichtszunahme, Depression, Einsamkeit: Gemäss einer neuen Schweizer Studie hatten die letzten Monate schwerwiegende Folgen für die Psyche der Bevölkerung – speziell für eine Gruppe.

von
Geraldine Bidermann

Das Forschungsinstitut Sotomo hat im Auftrag der Krankenversicherung CSS eine grosse Gesundheitsstudie durchgeführt. Die Resultate zeigen, welchen Einfluss die Pandemie auf unser Befinden hat. Wir haben die wichtigsten Befunde zusammengefasst.

Jede vierte Person stuft sich als krank ein

27 Prozent der Erwachsenen empfinden sich gemäss den Ergebnissen heute als nicht vollständig gesund oder gar krank, das sind zehn Prozent mehr als noch bei der letztjährigen Befragung vom März 2020. Insbesondere jüngere Personen unter 30 Jahren, und davon wiederum viele Frauen, gaben an, dass die Pandemie zu einer direkten oder indirekten Belastung ihrer Gesundheit geführt habe.

Wie wirkt sich die Pandemie auf deine Psyche aus? Erzähle uns davon im Kommentarfeld.

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Cottonbro / Pexels

Jungen Frauen geht es psychisch schlechter

15 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen immer gut gehe, 59 Prozent sind der Ansicht, dass ihr psychisches Wohlbefinden meistens gut sei. Damit bleibt rund ein Viertel, das angibt, das eigene emotionale Befinden sei «durchzogen» oder «schlechter». Der Anteil mit einem beeinträchtigten psychischen Wohlbefinden liegt bei den Frauen bei 32 und bei den Männern bei 20 Prozent. Neben diesem Geschlechter- zeigt sich auch ein Altersunterschied. Ganze 38 Prozent der 18- bis 35-Jährigen geben an, dass es ihnen höchstens «durchzogen» geht. Besorgniserregend ist die Situation bei den jungen Frauen bis 30 Jahren. Die Hälfte von ihnen bezeichnet das eigene psychische Befinden als «durchzogen» oder noch schlechter.

Einsamkeit und Leistungsdruck nehmen zu

Diejenigen, denen es schlechter geht, verspüren depressive Verstimmungen oder auch Angstzustände. Die Corona-Pandemie habe die Einsamkeit verstärkt, gaben viele an. Und vor allem jüngere Personen gaben an, mit einer Krankheit auf mangelndes Verständnis zu stossen. Die Hälfte gab an, bereits eine Krankheit verschwiegen zu haben. Bei den 18- bis 35-Jährigen sagten drei Viertel der Befragten, sie fühlen sich unter Druck, immer gesund und leistungsfähig zu sein.

Es wird mehr Alkohol getrunken

Mehr Zeit daheim hiess für einige: Mehr Zeit zum Trinken und Rauchen. 

Mehr Zeit daheim hiess für einige: Mehr Zeit zum Trinken und Rauchen.

Maria Orlova / Pexels

Die Pandemie hat sich unterschiedlich auf die körperliche Situation von Jung und Alt ausgewirkt. Personen über 60 Jahre haben im Schnitt einen Kilo, Personen unter 50 Jahren dagegen 2,5 Kilo zugenommen. Die zusätzliche Zeit, die durch die Krise zu Hause verbracht wurde, führte auch dazu, dass leicht mehr Alkohol getrunken wurde als vor der Krise. Auch das Rauchen nahm zu.

Robustere Menschen fühlen sich stärker

Nicht alle hat die Pandemie geschwächt: Bei 28 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz hat die Erfahrung der letzten 16 Monate laut eigenen Angaben die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisensituationen erhöht. Es handelt sich laut der Studie meist um Personen, die sich selbst als psychisch stabil einstufen.

Kurz gesagt: Die Kluft zwischen den Menschen, die bereits vor der Pandemie gestärkt und robust durchs Leben schritten und denjenigen, die vorher bereits Mühe hatten, ist nochmals grösser geworden.

Wie sind deine Erfahrungen zu Pandemie und Psyche? Erzähle uns in den Kommentaren davon.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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