Grosse Umfrage: Junge glauben nicht mehr an die AHV-Rente
Aktualisiert

Grosse UmfrageJunge glauben nicht mehr an die AHV-Rente

Die grosse 20-Minuten-Umfrage zeigt: Eine Erhöhung des Pensionsalters und Rentenkürzungen sind sehr unpopulär. Bei der U-35-Generation ist Pessimismus weit verbreitet.

von
Simon Hehli
Ob die heute Jungen in 30, 40 Jahren auch noch in die saftigen AHV-Äpfel beissen dürfen? Viele glauben nicht daran.

Ob die heute Jungen in 30, 40 Jahren auch noch in die saftigen AHV-Äpfel beissen dürfen? Viele glauben nicht daran.

Innenminister Alain Berset hat grosse Pläne für die Altersvorsorge: Da aufgrund der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung Handlungsbedarf besteht, will er AHV und Pensionskassen in einem umfassenden Paket reformieren. Eine Mehrheit von 58 Prozent der 20-Minuten-Leser findet jedoch, es wäre sinnvoller, die beiden Säulen der staatlichen Altersvorsorge separat umzubauen: Sie halten die Absturzgefahr eines Gesamtpakets für zu gross. Nur Wähler von Grünen und Grünliberalen plädieren mehrheitlich für den «grossen Wurf». Das ergab eine nicht repräsentative Leser-Umfrage mit gut 3700 Teilnehmern.

Wirtschaftsverbände, FDP und SVP wollen das AHV-Alter auf 67 Jahre heraufsetzen. Damit stossen sie bei den Lesern auf wenig Begeisterung – obwohl unter den Teilnehmern Wähler der beiden Parteien stark vertreten sind. Bei den SVP-Anhängern sind nur 19 Prozent mit einer Erhöhung des AHV-Alters – auf 66, 67, oder mehr als 67 Jahre – einverstanden, bei der FDP sind es immerhin 47 Prozent.

Auch Linke wollen höheres AHV-Alter für Frauen

Ein Blick auf das Total der Befragten zeigt: 54 Prozent finden, das normale Rentenalter solle bei 65 Jahren bleiben, 20 Prozent sprechen sich sogar für eine frühere Pensionierung aus. Die beiden Geschlechter sollen dabei gleich behandelt werden: 76 Prozent fordern, dass Frauen nicht früher in Pension dürfen als Männer, wie das heute noch der Fall ist. Die linken Wähler gehen in dieser Frage weitgehend mit den Bürgerlichen einig – und auch Berset ist für gleich lange Spiesse.

Der Gesundheitsminister kann zudem bei einem weiteren Kernpunkt seines Reformprojekts auf breite Unterstützung zählen. Der SP-Bundesrat möchte das AHV-Alter weitgehend flexibilisieren: Jeder soll selber entscheiden können, wann zwischen dem 62. und 70. Altersjahr er in Pension gehen will – wobei vor dem 65. Geburtstag Rentenkürzungen vorgesehen sind. 72 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten das für eine gute Stossrichtung. Grösser ist der Widerstand gegen Bersets Plan, Frühpensionierungen vor 62 praktisch zu verunmöglichen: Befürworter und Gegner dieser Massnahme liegen fast gleichauf.

Die Jungen sind pessimistisch

Auf Anklang stösst die Idee einer Lebensarbeitszeit: Wer früher zu arbeiten anfängt, soll auch früher in den Ruhestand dürfen – etwa nach 40 Jahren. 52 Prozent sprechen sich für dieses Modell aus, 42 Prozent sind dagegen. Unter den Jungen ist die Lebensarbeitszeit allerdings deutlich weniger populär als unter den 35- bis 65-Jährigen.

Je jünger die Umfrage-Teilnehmer sind, umso kleiner ist auch ihr Optimismus, dass sie überhaupt noch eine Rente bekommen. 56 Prozent der 18- bis 34-Jährigen gehen sicher oder eher von diesem Schreckensszenario aus. Bei den 35- bis 49-Jährigen sind es 35 Prozent, bei den 50- bis 65-Jährigen sind es nur 8 Prozent.

Die Rente kürzen will fast niemand

Die Umfrage zeigt zudem, dass Kürzungen bei den Renten enorm unbeliebt sind. Selbst bürgerliche Wähler wollen nichts davon wissen, dass bei der Pensionskasse jährlich ein tieferer Prozentsatz des angesparten Kapitals ausbezahlt wird. Nur 9 Prozent möchten steigenden Ausgaben bei der AHV mit Rentenkürzungen vorbeugen.

Weitaus populärer sind drei andere vorgeschlagene Massnahmen, um Mehreinnahmen zu generieren: eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 2 Prozent (31 Prozent), höhere AHV-Beiträge für die Arbeitenden (29 Prozent) oder die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer (20 Prozent).

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