«Umweltverantwortung» - Junge Grüne wollen Wirtschaft mit neuer Volksinitiative radikal umbauen
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«Umweltverantwortung»Junge Grüne wollen Wirtschaft mit neuer Volksinitiative radikal umbauen


Mit der «Umweltverantwortungs-Initiative» wollen die jungen Grünen einen grundlegenden Wandel der Wirtschaft. Sie hätte grosse Auswirkungen für Konsumentinnen und Konsumenten.

von
Leo Hurni
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An ihrer digitalen Mitgliederversammlung beschlossen die Jungen Grünen die Lancierung der Umweltverantwortungs-Initiative.

An ihrer digitalen Mitgliederversammlung beschlossen die Jungen Grünen die Lancierung der Umweltverantwortungs-Initiative.

20min / Marco Zangger
Darin fordern sie eine grundlegende Umgestaltung der Wirtschaft und Gesellschaft, erklärt Julia Küng, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz.

Darin fordern sie eine grundlegende Umgestaltung der Wirtschaft und Gesellschaft, erklärt Julia Küng, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz.

So soll etwa das CO2-Gesetz verschärft werden. «Hier gibt es in der Schweiz dringenden Nachholbedarf».

So soll etwa das CO2-Gesetz verschärft werden. «Hier gibt es in der Schweiz dringenden Nachholbedarf».

20min / Marco Zangger

Darum gehts

  • Am Sonntag lanciert die junge Grüne die «Umweltverantwortungs-Initiative».

  • Mittels weitreichender Massnahmen soll die Klimawende geschafft werden.

  • Grund für die Lancierung sei das schleppende Tempo der Politik. «Der Bund verfehlt die Umweltziele am laufenden Band», sagt Julia Küng, Co-Präsidentin der Junge Grünen.

Die Junge Grünen haben an ihrer digitalen Mitgliederversammlung am Samstag entschieden: Ab August wollen Sie mehr als 100’000 Unterschriften sammeln, um eine neue Initiative zum Schutze der Umwelt vors Volk zu bringen. Die «Umweltverantwortungs-Initiative» fordert, dass sämtliche wirtschaftliche Tätigkeiten der Schweiz nur noch innerhalb der sogenannten «planetaren Grenzen» stattfindet (siehe Box). Die jungen Grünen gehen davon aus, dass bei einer Überschreitung der Grenzen die Gefährdung der Lebensgrundlage des Menschen droht.

«Bund verfehlt die Ziele»

Die Jungpartei stützt sich dafür auf eine Schweizer Studie, die vom Bundesamt für Umwelt in den Auftrag gegeben wurde. Die Autoren der Studie gehen auf sechs zentrale Umwelt-Kriterien ein: Klima, Biodiversität, Wasserverbrauch, Landnutzung, Luftverschmutzung sowie Stickstoff- und Phosphoreintrag. Jedes dieser Kriterien knüpfen sie an Schwellenwerte, die nicht übertreten werden dürfen.


«Hier gibt es in der Schweiz dringenden Nachholbedarf», erklärt Julia Küng, Co-Präsidentin der Junge Grünen. Das sehe man bereits am Kriterium «Klima», welches das Parlament mit dem CO2-Gesetz zu adressieren versuchte. Nach der Annahme der Initiative müsse dieses dringend weiterverschärft werden. Das belege auch die Studie: Fünf der sechs Umwelt-Werte erfüllt die Schweiz derzeit nicht.



In ihrer Rechnung berücksichtigen die Jungen Grünen auch die Emissionen von Importprodukten, die im Ausland ausgestossen werden. «Die meisten Emissionen verursachen wir immer noch im Ausland durch Produkte, die wir importieren. Mit Auflagen für Importe müsste man also schauen, dass auch im Ausland produzierte Ware den Nachhaltigkeits-Standards entspricht.» Das bedeute zum Beispiel, dass Tropenholz nur dann importiert werden dürfte, wenn es strengen Auflagen unterläge, die die erlaubten Emissionen regelt. «Die arbeiten noch an einem detaillierten Massnahmenplan. Wir wollen jetzt erstmals eine Debatte auslösen», so Küng.

Zehn Jahre Frist

Hinter der Initiative steckt die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik, erklärt Küng. «Der Bund verfehlt die Umweltziele am laufenden Band. Deshalb müssen wir Junge jetzt einspringen». Die Klimawende will die Jungpartei mit Hilfe weitgehender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Massnahmen erreichen.

Die Jungen Grünen geben der Wirtschaft deshalb zehn Jahre Zeit, um die kritischen Schwellenwerte zu reduzieren. «Wir haben uns mit vielen Umweltwissenschaftler und Expertinnen ausgetauscht. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend für die Rettung unserer Umwelt. Deshalb haben wir uns für diese Frist entschieden», so Küng.

Die planetaren Grenzen

Die Wissenschaft definiert mit den planetaren Grenzen ökologische Grenzen, deren Überschreitung die Lebensgrundlage der Menschheit gefährden. International wird meistens über neun planetare Grenzen diskutiert, die einen sicheren Handlungsspielraum für die Menschheit festlegen sollen, von denen mehrere jedoch bereits überschritten sind.

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