Parteien-Zulauf: «Junge haben keine Mühe, sich in Szene zu setzen»
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Parteien-Zulauf«Junge haben keine Mühe, sich in Szene zu setzen»

Nach der Abstimmung vom 28. Februar wird die Operation Libero von Neumitgliedern überrannt. Auch Jungparteien haben regen Zulauf.

von
R. Landolt
«Selbstbewusster und mediengewandter» würden die heute 18- bis 25-Jährigen auftreten, sagt Politologe Mark Balsiger.

«Selbstbewusster und mediengewandter» würden die heute 18- bis 25-Jährigen auftreten, sagt Politologe Mark Balsiger.

Keystone/Peter Schneider

Ein politisches Erweckungsmoment für die Jungen sei der 28. Februar gewesen, so der Tenor nach der Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative. Die Operation Libero aus dem Sieger-Lager ist seither tatsächlich gewachsen: Sie hat heute 610 Mitglieder, während es in der Woche vor der Abstimmung noch 120 waren. Im Abstimmungskampf war sie mit Aushängeschild Flavia Kleiner auf allen Kanälen präsent. «Wir verstehen uns als Bewegung. Je mehr Leute mitmachen, desto schlagkräftiger ist diese», freut sich Co-Präsident Dominik Elser.

Auch traditionelle Parteien sind im Aufwind: Die Jungfreisinnigen Schweiz haben im letzten Quartal sieben Prozent beziehungsweise 250 Mitglieder gewonnen. Im Vorjahresquartal waren es lediglich 3,9 Prozent. Der Juso traten allein in der heissen Phase fünf Wochen vor der Abstimmung 99 Personen bei.

Jungparteien wachsen kräftig

Damit setzt sich der Aufwärtstrend fort: Die Juso hat ihren Mitgliederbestand seit 2008 mehr als verdreifacht. Die Jungfreisinnigen haben laut Präsident Andri Silberschmidt «massiv zugelegt». Nun könnten auch die Posten leicht besetzt werden. «Die Vorstandsämter waren dieses Mal hart umkämpft.» Dies im Gegensatz zu früher, als man Leute oft regelrecht in den Vorstand «schicken musste».

Die Junge SVP vergrösserte ihren Bestand seit 2011 bis Ende 2014 um gut 300 Mitglieder. Kantonale Jugendparlamente gibt es heute neun mehr als vor fünf Jahren. Und bei den Jugendsessionen in St.Gallen, Schwyz und Wallis gab es 2015 eine «Rekordzahl an Teilnehmern», so Aurélia Buchs vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente.

«Sie sind selbstbewusster und mediengewandter»

Laut Politologe Mark Balsiger sind die Schweizer Jungparteien seit zehn Jahren «eine Erfolgsgeschichte». Sie träten «viel selbstbewusster und mediengewandter auf» als früher. Einerseits sei dies auf Schlüsselfiguren wie Mattea Meyer (Juso Kanton Zürich), Christian Wasserfallen (FDP) und Lukas Reimann (SVP) zurückzuführen. Andererseits aber auch darauf, dass die heute 18- bis 25-Jährigen generell keine Mühe hätten, vor Publikum zu reden. «Meine Generation hat damals alles getan, um nicht auftreten zu müssen, Vorträge etwa sorgten für schlaflose Nächte.» Sich in Szene zu setzen sei aber ein wichtiger Bestandteil in der Politik. «Die Jungparteien haben das verinnerlicht, und sie artikulieren sich keck, oft sogar forsch.»

Die Jungen seien Digital Natives und wüssten entsprechend, wie man Social Media geschickt bespielt. «Das verschafft ihnen eine enorme Reichweite.» Da in den Redaktionen der Medien immer mehr Junge sässen, seien diese empfänglicher für die Verlautbarungen der gleichaltrigen Jungpolitiker. So erhielten diese viel mediale Aufmerksamkeit.

«Hype um Operation Libero wird nachlassen»

Dass der Mitgliederzuwachs bei den Jungparteien lange anhält, glaubt Balsiger trotzdem nicht. «Es gibt seit jeher Wellenbewegungen. Daran ändert auch das Nein zur DSI nichts.» Junge seien eben sehr selektiv. «Wenn sie ein Thema stark interessiert oder persönlich betrifft, surfen sie mit.» Dann seien sie mit viel Enthusiasmus dabei und scheuten keinen Aufwand. «Wird der Wind aber flau, springen sie wieder ab.»

Event-artige Politisierungen, wie etwa während des Irak-Kriegs 2003 oder vor der Abstimmung zur Durchsetzungsinitiative, seien aber selten nachhaltig. «Deshalb wird auch der Hype um Operation Libero bald wieder nachlassen.» Durch Social Media könne zwar sehr viel Aufmerksamkeit generiert werden. Bei politischen Themen seien sie aber nicht die wichtigsten Kanäle: «Eine Studie zeigt auf, dass Jugendliche Politik am liebsten zusammen am Tisch diskutieren. Für mich ein überraschender Befund.»

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