23.10.2015 03:56

Klischees

Junge haben konservative Vorstellung vom Alter

Junge denken an Eigenheim, ältere Menschen an Weiterbildung. Vorstellung und Wirklichkeit vom Leben im Alter liegen laut einer neuen Studie oft auseinander.

von
F. Lindegger

Wie wird mein Leben im Alter aussehen? Eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Institutes (GDI) zeigt, dass sich junge Menschen meist relativ wenig mit dem Thema Alter auseinandersetzen. Trotzdem sind sie sich ziemlich sicher, dass sie im Alter gut leben werden. Die Untersuchung zeigt zudem: Junge stellen sich das Alter anders vor, als es von älteren Menschen tatsächlich wahrgenommen wird.

Die Jungen (20- bis 30-Jährige) sind dabei am skeptischsten, was das Erreichen des Ziels «gesund und körperlich fit sein» im Alter betrifft. Ältere Menschen (60- bis 80-Jährige) geben im Gegensatz dazu eher an, dass sie dieses Ziel erreicht haben. Die Befürchtungen der Jungen bezüglich schlechter Gesundheit und körperlicher Fitness im Alter scheint also übertrieben zu sein – jedenfalls wenn man den Einschätzungen der älteren Teilnehmer der Studie glaubt.

Dass die Gesundheit im Alter tendenziell zu pessimistisch eingeschätzt wird, zeigt sich auch bei der Lebenserwartung. Laut der Studie des GDI nimmt bis 60 die durchschnittlich geschätzte Wahrscheinlichkeit, 80 Jahre alt zu werden, laufend ab. Ab 60 Jahren nimmt diese Einschätzung wieder sprunghaft zu.

Pensionierte wollen aus Komfortzone ausbrechen

Die 20- bis 30-Jährigen stufen zudem Familie, Partner oder Eigenheim als deutlich wichtigere Ziele ein, als alle übrigen Alterskategorien und besonders als die 60- bis 80-Jährigen. Dafür nimmt im Alter anscheinend die Wichtigkeit von Freiwilligenarbeit oder Weiterbildung zu. Diese beiden Punkte werden laut der GDI-Studie von den älteren Befragen als deutlich wichtiger eingestuft als bei den Jungen. Die Autoren schliessen daraus, dass die jüngeren Menschen ein konservativeres Bild des Alters haben, als jene, die bereits pensioniert sind.

Ein Befund, den auch Jakub Samochowiec, einer der Autoren der Studie und Forscher am GDI, überrascht: «Es sind eher die älteren, bereits pensionierten Menschen, die sich mit dieser Rolle nicht abfinden und daraus ausbrechen. Sie wollen nochmals neue Erfahrungen sammeln und ihre Komfortzone verlassen.» Etwa durch Weiterbildungen oder Freiwilligenarbeit. Dies hänge auch damit zusammen, dass Pensionierte oft wieder mehr Zeit hätten und auch feststellten, dass sie sich im Alter gesundheitlich besser fühlen, als gedacht, so Samochowiec zu 20 Minuten.

Alte Männer fühlen sich jünger als sie sind

Die Klischees, wie das Leben im Alter sein wird, seien weiterhin stark verankert. «Mit 15 stellt man sich vor, dass man mit 25 erwachsen ist, einen Job und ein Auto hat. Mit 25 merkt man dann, dass das Leben ganz anders aussieht, als vorgestellt», sagt Samochowiec. Obwohl die Erwartungen nicht eintrafen, habe man wiederum klare Vorstellungen, wie das Leben mit 40 werde, doch auch diese würden oft nicht eintreten. «Wenn man dem Klischee nicht entspricht, fühlt man sich jung geblieben, anstatt das Klischee zu hinterfragen. So fühlen sich alle ab 30 etwa 20 Prozent jünger, als sie es wirklich sind», so Samochowiec.

Auch im Alter ist dieser Effekt deutlich sichtbar. Laut der GDI-Studie fühlen sich die 60- bis 70-Jährigen im Schnitt 12 Jahre jünger als ihr biologisches Alter, die Gruppe der 70- bis 80-Jährigen rund 16 Jahre. Wobei sich die Männer in dieser Alterskategorie gar um durchschnittlich 18,5 Jahre jünger fühlen.

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