Aktualisiert 05.07.2012 07:12

Hype vorbeiJunge kehren Facebook den Rücken

Zu viel Werbung und Überwachung: Immer mehr Jugendliche fühlen sich von Facebook gestresst und lassen das soziale Netzwerk links liegen.

von
Sandra Ruckstuhl

Das grösste soziale Netzwerk der Schweiz hat bei den Jugendlichen ein Nachwuchsproblem: Im letzten Quartal haben knapp 10 Prozent der 13- bis 15-Jährigen Facebook den Rücken gekehrt. 10 000 Kids hatten genug und löschten ihr Profil. Dies geht aus den Zahlen der PR-Agentur Bernet zur Schweizer Facebook-Aktivität hervor.

«Die Jungen fühlen sich von Facebook zunehmend bevormundet», sagt die ­renommierte Professorin Sherry Turkle vom Massachusetts Institute of Technology MIT zu 20 Minuten. Facebook sei zu weit gegangen und habe Bedenken über die Privatsphäre ausgelöst.

«Ich bin erfreut zu sehen, dass sich die Jungen nun mit Händen und Füssen wehren», sagt Professorin Turkle, die

der Meinung ist, 13- bis 15-­Jährige gehörten nicht auf Facebook. Dass die ­Bevormundung und Kommerzialisierung die Jungen vergrault, bestätigt auch Karin Frick, Forschungsleiterin des Gottlieb-Duttweiler-Instituts

(siehe Interview).

Kids fühlen sich beobachtet

Einen weiteren Grund für die Facebook-Flucht sieht David Schärer von Rod Kommunikation in der Überwachung. «Die 13- bis 15-Jährigen weichen auf andere Kanäle wie Whats­App aus. So können sie, ohne von Facebook beobachtet zu werden, mit ihren Freunden chatten.» Der grosse Hype um Facebook sei vorbei.

Franz ­Eidenbenz, Psychologe und Experte für Soziale Medien, bringt es auf den Punkt: «Wenn Eltern auf einen Jugendtrend aufspringen, ist er für die Teenager gestorben.»

«EIN TOLLES PROFIL IST ANSTRENGEND»

Karin Frick*, die 13- bis 15-jährigen Schweizer verlassen Facebook in grosser Zahl. Ist Facebook out?

Der Trend ist für die Jungen ­vorbei. Die Lust an Facebook ist ­gesunken, die Last gestiegen. Sich ständig mit einem tollen ­Profil anzupreisen, ist zu anstrengend und aufwendig geworden.

Kehren auch viele Facebook den Rücken, weil sie da gemobbt wurden?

Nein, eher weil immer mehr ­Firmen auf Facebook aktiv sind und mit Likejacking, also Spam, ­nerven und so den ursprüng­lichen Freiraum kommerzialisieren. Wenn die ersten relevanten Freunde der 13- bis 15-Jährigen abspringen, ist es für die übrigen Freunde auch nicht mehr lustig.

Wohin führt die neue Bewegung?

Die Facebook-Teens wechseln zu kleineren Netzen wie beispielsweise WhatsApp oder anderen Diensten wie SMS. Zurück zur Einfachheit ist die Devise.

*Karin Frick ist Forschungsleiterin im Gottlieb-Duttweiler-­Institut.

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