Aktualisiert 14.11.2016 18:30

Obwalden«Junge Luchse werden manchmal auch zurückgelassen»

In Alpnach tauchte am Sonntag ein junger Luchs vor dem Haus eines Lesers auf. Weil das Tier in einem schlechten Zustand war, musste es später getötet werden.

von
Noah Knüsel
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Dieser junge Luchs ist am Sonntag in Alpnach vor der Haustüre von Edward Burch gesessen.

Dieser junge Luchs ist am Sonntag in Alpnach vor der Haustüre von Edward Burch gesessen.

Leser-Reporter/Edward Burch
Der junge Luchs hat einen Vogel gerissen.

Der junge Luchs hat einen Vogel gerissen.

Leser-Reporter/Edward Burch

In Obwalden hat die Wildhut am Sonntag einen verwaisten und geschwächten jungen Luchs erlegt. Das Tier habe sich in schlechtem gesundheitlichen Zustand befunden, sei abgemagert und apathisch gewesen und habe kein Fluchtverhalten gezeigt, teilte das Amt für Wald und Landschaft am Montag mit.

Zuvor hatte Leser-Reporter Edward Burch in Alpnach Dorf vor seinem Haus einen jungen Luchs beobachtet, der einen Vogel frass. Das Raubtier liess sich von Burch nicht gross stören: «Ich konnte bis auf zwei Meter an ihn heran und Fotos schiessen», erzählt er. Das Tier sei nach ungefähr zehn Minuten von selbst wieder gegangen.

Es gibt keine Auffangstation für Luchse

Cyrill Kesseli, Leiter Wildtiere und Jagd des Kantons Obwalden, bestätigt, dass es sich beim erschossenen Luchs höchstwahrscheinlich um das selbe Tier handelt, welches Burch gesehen hat. Bereits zum zweiten Mal innert zwei Monaten musste ein geschwächter Jungluchs in Obwalden erlegt werden. Kesseli: «Wir wissen nicht, was mit der Mutter passiert ist. Junge Luchse werden manchmal auch zurückgelassen, wenn sie zu schwach sind, um ihrer Mutter auf ihren Streifzügen zu folgen.» Er steht aber hinter der Praxis des Abschiessens. Das Hauptproblem sei, dass schlicht keine Auffangstation für Luchse zur Verfügung stehe. Ausserdem wäre der Erfolg des Aufpäppelns und Auswilderns nicht gesichert. «Ein wild geborenes Tier in den Zoo oder eine ähnliche Einrichtung zu geben, kommt für uns nicht in Frage», so Kesseli weiter.

Laut Fridolin Zimmermann, Wildtierbiologe bei KORA - Raubtierökologie und Wildtiermanagement, verschlägt es Jungluchse selten in die Nähe des Menschen. Wenn sie jedoch die Mutter verlieren, sind sie auf sich alleine gestellt: «Da sie noch zu klein und unerfahren sind, um selber zu jagen, zieht sie der Hunger in die besiedelten Gebiete.» Ausgewachsene und gesunde Luchse kämen dagegen praktisch nie in Wohngebiete. Es sei nicht zu befürchten, dass der Luchs Siedlungsgebiete für sich entdecke: «Er ist spezialisiert auf Gämsen und Rehe», so Zimmermann. Dies im Unterschied zu Füchsen, die sich zum Grossteil von Essensresten ernähren. Laut Zimmermann ist der Luchsbestand leicht steigend. Insgesamt hat es in der Schweiz rund 170 Luchse, die älter als ein Jahr sind.

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