Risiko um Faktor 5 bis 25 höher - Junge Männer erleiden nach Impfung eher Herzmuskelentzündungen
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Risiko um Faktor 5 bis 25 höherJunge Männer erleiden nach Impfung häufiger Herzmuskelentzündungen

Junge Männer in Israel sind nach der zweiten Corona-Impfung von Pfizer/Biontech häufiger an einer Herzmuskelentzündung erkrankt als solche, die keine Impfung hatten.

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Nach der zweiten Impfung von Biontech/Pfizer wurden bei jungen Männern in Israel häufiger Herzmuskelentzündungen erkannt. 

Nach der zweiten Impfung von Biontech/Pfizer wurden bei jungen Männern in Israel häufiger Herzmuskelentzündungen erkannt.

20min/Marco Zangger
Bei jungen Männern sei das Risiko an einer Myokarditis nach einer Covid-Impfung zu erkranken um den Faktor 5 bis 25 höher, als ohne Impfung. 

Bei jungen Männern sei das Risiko an einer Myokarditis nach einer Covid-Impfung zu erkranken um den Faktor 5 bis 25 höher, als ohne Impfung.

20min/Simon Glauser
Eine Herzmuskelentzündung könne auch bei einer schweren Corona-Erkrankung auftreten. 

Eine Herzmuskelentzündung könne auch bei einer schweren Corona-Erkrankung auftreten.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • In Israel gab es zahlreiche Fälle, bei denen junge Männer nach der zweiten Pfizer/Biontech-Impfung eine Herzmuskelentzündung erlitten.

  • Eine Analyse bestätigte, dass die Herzmuskelentzündung nach der Covid-Impfung häufiger vorkam, als wenn man keine Impfung bekam.

  • Das Risiko sei für junge Männer um den Faktor 5 bis 25 erhöht.

Ende April wurden in Israel erstmals Fälle bekannt, bei denen junge Männer nach der zweiten Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff von Pfizer/Biontech an einer Herzmuskelentzündung – einer sogenannten Myokarditis – erkrankten. Unklar war, ob die Myokarditis mit dem Impfstoff in Zusammenhang steht. So kann eine Herzmuskelentzündung auch durch Infektionskrankheiten ausgelöst werden.

Eine Analyse des Gesundheitsministeriums von Israel ergab, dass eine Myokarditis-Erkrankung häufiger nach den Impfungen auftrat, als es durchschnittlich in der Bevölkerungsgruppe der Fall ist. Das Risiko für junge Männer sei um den Faktor 5 bis 25 erhöht, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Universitäten und des israelischen Center for Disease Control in ihrem Bericht festhalten. Dies berichtet der «Tages-Anzeiger».

Das grösste Risiko bestehe für die Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen. Laut Bericht sind die meisten Herzmuskelerkrankungen verheilt. Die Krankheit könne aber auch langfristige Folgen für das Herz haben und auch Herzrhythmusstörungen verursachen.

Bislang wurden in der Schweiz nur zwei konkrete Fälle einer Myokarditis nach der Impfung festgestellt.

Auch USA untersuchen Fälle von Nebenwirkungen

Die US-Behörden untersuchen eigenen Angaben zufolge mehrere Fälle von Herzmuskelentzündungen bei jungen Menschen in Verbindung mit einer Corona-Impfung. Es handle sich um 14 Fälle bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit mRNA-Vakzinen der Hersteller Pfizer und Biontech oder Moderna geimpft wurden, erklärte die US-Gesundheitsbehörde CDC. «Die meisten Fälle scheinen mild zu verlaufen, eine Nachverfolgung der Fälle ist im Gange», wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

In Deutschland haben sich bislang solche Fälle nicht gehäuft. In Europa wurden 107 Fälle von Herzmuskelentzündungen gemeldet (ein Fall auf 175’000 Impfungen). Zu beachten sei aber, dass in Europa hauptsächlich ältere Menschen geimpft wurden. Auch in der Schweiz wurden erst knapp ein Prozent der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen vollständig geimpft.

Am Freitag erteilte die schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte Swissmedic die Zulassung der Impfung für Kinder ab zwölf Jahren. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (Ekif) muss aber noch eine Empfehlung abgeben, bis es zur Impfung der Jugendlichen kommt.

Impfempfehlung für Zwölf- bis 15-Jährige nicht vor Ende Juni

Was bedeuten die Nebenwirkungen der Myokarditis nun für die Jugendlichen? Christoph Aebi, Kinder-Infektiologe am Inselspital Bern sagt: «Für eine abschliessende Beurteilung ist es noch zu früh.»

«Wir arbeiten im Moment an dieser Empfehlung», so Christoph Berger, Kinder-Infektiologe am Universitäts-Kinderspital Zürich und Präsident der Ekif. «Dass der Impfstoff jetzt auch für Zwölf- bis 15-Jährige zugelassen ist, sind gute Nachrichten, aber wir werden die Daten zu den Myokarditis-Fällen genau studieren für unsere Empfehlung.» Vor Ende Juni werde es die Empfehlung wohl kaum geben.

Warum die Pfizer/Biontech-Impfung bei jungen Männern Herzprobleme verursacht, ist unklar. Biontech sagte auf Anfrage vom «Tages-Anzeiger», dass es immer noch ein extrem positives Nutzen-Risiko-Profil gebe. Die Nebenwirkungen würden untersucht werden und es gebe bereits Hinweise darauf, warum der Impfstoff eine Myokarditis auslöse.

Löst die überschiessende Immunantwort Myokarditis aus?

«Die mRNA-Impfstoffe sorgen für eine sehr starke Immunantwort vor allem bei jungen Menschen», sagt Kinder-Infektiologe Aebi. Deshalb könne es sein, dass eine überschiessende Immunantwort die Myokarditis auslöse, da Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren und Primarschulkinder allgemein eine sehr starke Immunantwort hätten. «Vielleicht gibt es auch eine genetische Komponente, die wir noch nicht kennen», sagt Berger vom Ekif.

Der Impfentscheid für diese Altersgruppe sei darum schwieriger. Junge würden sich aktuell meist nicht aus medizinischen Gründen impfen lassen, sondern weil sie wieder reisen oder an Grossveranstaltungen teilnehmen wollen.

«Das kennen wir zwar aus der Reisemedizin», so Aebi. «Neu ist aber, dass man das nun sogar wegen Reisen innerhalb Europas oder wegen eines Open Airs tut, eigentlich sollte man einen Impfentscheid aus medizinischen Gründen fällen.»

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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