Coronavirus: Jugendliche konsumieren in der Pandemie mehr Alkohol und Drogen

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CoronavirusJugendliche konsumieren in der Pandemie mehr Alkohol und Drogen

Die psychische Belastung junger Menschen hat in Zeiten des Coronavirus zugenommen. Viele flüchten sich in Alkohol, Drogen und soziale Medien, statt sich professionelle Hilfe zu holen.

von
Lucas Orellano
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Die Coronavirus-Pandemie schlägt auf Gemüt, besonders bei Jugendlichen. Sie konsumieren mehr Alkohol und Drogen.

Die Coronavirus-Pandemie schlägt auf Gemüt, besonders bei Jugendlichen. Sie konsumieren mehr Alkohol und Drogen.

Keystone
«Die plötzliche reale Bedrohung des Coronavirus hat Ängste und Sorgen aufflammen lassen», sagt die Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Unispitals Zürich, Dagmar Pauli.

«Die plötzliche reale Bedrohung des Coronavirus hat Ängste und Sorgen aufflammen lassen», sagt die Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Unispitals Zürich, Dagmar Pauli.

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Riskanter Alkoholkonsum ist gerade unter denen, die eigentlich Hilfe benötigten, stark verbreitet.

Riskanter Alkoholkonsum ist gerade unter denen, die eigentlich Hilfe benötigten, stark verbreitet.

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Darum gehts

  • Seit dem Sommer hat sich die Lage an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Unispitals Zürich stark verschlimmert.
  • Dies, obwohl viele junge Menschen sich gar keine Hilfe holen und ins Suchtverhalten abdriften.
  • Es besteht die Gefahr, dass viele zu dauerhaften IV-Bezügerinnen und -Bezügern werden.

Die Coronavirus-Pandemie schlägt auf Gemüt, besonders bei jungen Menschen. Dies sagt die Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Unispitals Zürich, Dagmar Pauli, gegenüber der «SonntagsZeitung». Die Situation habe sich seit dem Sommer dramatisch verschlimmert, viele Junge seien psychisch am Anschlag.

«Die plötzliche reale Bedrohung des Coronavirus hat Ängste und Sorgen aufflammen lassen», sagt Pauli. Viele Junge hätten nach dem Lockdown Schwierigkeiten mit der Rückkehr in den Alltag gehabt. Verschärfend kommt hinzu, dass viele der Betroffenen sich erst nach einigen Monaten professionelle Hilfe holen. Stattdessen flüchten sie sich in soziale Netzwerke, konsumieren vermehrt Alkohol und Drogen. Auch Selbstverletzungen haben zugenommen.

Pandemie kann Suchtverhalten fördern

«Riskanter Alkoholkonsum ist gerade unter denen, die eigentlich Hilfe benötigten, stark verbreitet», sagt Pauli. Denn: «Gerade bei Angststörungen oder depressiven Verstimmungen können Alkohol und Drogen kurzfristig Gefühle betäuben und Ängste reduzieren.» Das Problem: Wer konsumiert, braucht bald immer höhere Dosen, um sich zu betäuben. Das kann, gerade bei Jugendlichen mit psychischen Störungen, zu einer Sucht führen. Die Wahrscheinlichkeit, IV beziehen zu müssen, steigt. In zehn Jahren ist die Anzahl junger IV-Bezüger um 20 Prozent gestiegen, grösstenteils wegen psychischer Krankheiten. Dabei könnten frühe Interventionen spätes Leid verhindern, sagt Meichun Mohler-Kuo, Professorin an der Universität Zürich,

Dennoch suchen immer mehr junge Menschen Hilfe. In der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsspitals hat sich die Lage seit dem Sommer so stark zugespitzt, dass zusätzliches Personal eingestellt wurde. Bis Ende Jahr, so rechnet Dagmar Pauli hoch, werden sie und ihr Team 2300 telefonische Notfälle und 900 Notfälle vor Ort betreut haben. «Für nicht akute Fälle haben wir bis zu sechs Monate Wartezeit», so Pauli. Und der Corona-Herbst hat erst begonnen.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)


Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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