Aktualisiert 26.09.2016 11:37

Krankenkassen-PrämienJunge mit hoher Franchise zahlen am meisten drauf

Plus 4,5 Prozent: Die Kostenexplosion bei den Krankenkassen-Prämien geht auch 2017 weiter. Das gaben der Bundesrat und das Bundesamt für Gesundheit bekannt.

von
daw

Die Krankenkassenprämien für Erwachsene steigen im nächsten Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent oder 19.15 Franken pro Monat. Das gilt für sogenannte Standardprämien: Die Grundversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Je nach Kanton variieren die Zahlen stark.

Am grössten ist der Anstieg bei den Kinderprämien mit 6,6 Prozent oder 6.55 Franken. Grund: Die Prämien konnten bei den Kindern in den letzten Jahren die Kosten nicht mehr decken. Das gab das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag bekannt.

Zwar müssen die Krankenkassen für Kinder tiefere Prämien festsetzen als für Erwachsene. Die Höhe des Rabatts ist aber nicht vorgeschrieben. Auch die jungen Erwachsenen werden 2017 stärker zur Kasse gebeten: Ihre Prämien steigen im Schnitt um 5,4 Prozent.

Wer hohe Franchise hat, zahlt mehr

Gesundheitsminister Alain Berset appellierte an der Medienkonferenz vom Montag an die Versicherten, es liege auch in ihrer Verantwortung, die eigene Prämie zu minimieren. Allerdings lohnt sich eine hohe Franchise weniger als auch schon: In diesem Bereich steigen die Prämien auf das kommende Jahr stärker als bei den tiefen Franchisen, wie BAG-Direktor Pascal Strupler sagte.

Die Krankenkassen müssen ihre Versicherten bis Ende Oktober über die Prämien für das kommende Jahr informieren. Ein Wechsel der Krankenkasse oder des Versicherungsmodells ist dann bis Ende November möglich.

Ende der Jagd auf gute Risiken

Einen Einfluss auf die Prämienanstiege 2017 hat auch der sogenannte verfeinerte Risikoausgleich. Kassen mit vielen gesunden Versicherten müssen ab dem kommenden Jahr mehr Geld in den Ausgleich einzahlen, ihre Prämien dürften stärker ansteigen. Krankenkassen mit Versicherten, die teure Medikamente benötigen, erhalten mehr Geld aus dem Ausgleichstopf. Diese Kassen dürften die Prämien moderater nach oben anpassen.

«Für Krankenkassen lohnt es sich immer weniger, Gesunde anzuwerben», sagte Strupler. Die Prämien der verschiedenen Kassen würden sich in der Folge immer mehr angleichen.

Prämien steigen jährlich

Die Krankenkassenprämien sind seit der Einführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahr 1996 jedes Jahr angestiegen, in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 3,6 Prozent. Lag die Durchschnittsprämie bei der Einführung noch bei 173 Franken pro Monat, sind es im nächsten Jahr bereits 447 Franken.

Ein Ende des Anstiegs sei nicht absehbar, so Gesundheitsminister Berset. Ein Grund sei die Demografie, «bis 2050 werden in der Schweiz doppelt so viele 80-Jährige leben wie heute». Dazu komme der medizinisch-technische Fortschritt. Dadurch würden zwar die Behandlungen immer besser, was gut für die Patienten sei. Dafür stiegen aber auch die Kosten. Das Ziel sei die «beste Behandlung zu bezahlbaren Preisen», so Berset.

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