Dreiste Kunden: Junge Partygänger betrügen Taxifahrer

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Dreiste KundenJunge Partygänger betrügen Taxifahrer

Chauffeure kämpfen vermehrt mit Gästen, die sich vor den Fahrkosten drücken. Der Taxiverband fasst Videoüberwachungen ins Auge.

von
B. Zanni
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Vor allem am Wochenende kennen Kunden gegenüber Taxifahrern keine Skrupel.

Vor allem am Wochenende kennen Kunden gegenüber Taxifahrern keine Skrupel.

Keystone/Christian Beutler
Der Klassiker sei, kaum angekommen, sich aus dem Staub zu machen, sagt Markus Kunz, Geschäftsführer der Berner Nova Taxi AG und Mitglied des Dachverbands Taxi Suisse. «Andere steigen bei einem Rotlicht aus, wenn ihr Zuhause in der Nähe ist.»

Der Klassiker sei, kaum angekommen, sich aus dem Staub zu machen, sagt Markus Kunz, Geschäftsführer der Berner Nova Taxi AG und Mitglied des Dachverbands Taxi Suisse. «Andere steigen bei einem Rotlicht aus, wenn ihr Zuhause in der Nähe ist.»

zvg

Ohne zu bezahlen flüchtete ein Fahrgast aus Mailand kürzlich aus einem Zürcher Taxi. Taxi-Schmarotzer bringen Schweizer Chauffeure immer wieder an den Rand der Verzweiflung. «Jährlich muss das Berner Taxigewerbe wegen Gästen, die nicht bezahlen, eine Schadenssumme von 20'000 bis 25'000 Franken verkraften», sagt Markus Kunz, Geschäftsführer der Berner Nova Taxi AG und Mitglied des Dachverbands Astag-Taxi Suisse. Die Fahrer versuchten, den Kunden Lösungen zu bieten, könnten sie nicht gleich bezahlen. «Es ist tragisch, wie manche Gäste unsere Gutmütigkeit ausnutzen.»

Vor allem Freitag- und Samstagnacht haben die Gäste laut Kunz keine Skrupel. «Partygänger meist im Alter zwischen 25 und 40 prellen die Chauffeure mit etlichen Tricks.» Der Klassiker sei, kaum angekommen, sich aus dem Staub zu machen. «Andere steigen bei einem Rotlicht aus, wenn ihr Zuhause in der Nähe ist.» Beliebt sei auch zu versprechen, den fälligen Betrag am Bancomat abzuheben. «Dann rennen sie aber weg oder verstecken sich in einem Nachbarhaus.» Andere gäben vor, die Rechnung per Post zu begleichen, würden aber eine falsche Adresse hinterlassen.

Erfundene Geschichten

Chauffeure kämpfen auch mit Gästen, die Gründe suchen, um sich vor den Kosten zu drücken. Kunz: «Manche versuchen mit dem Fahrer einen Streit vom Zaun zu brechen, um ihm danach vorzuwerfen, er sei unfreundlich gewesen.» Andere weigerten sich zu bezahlen – wegen angeblich schmutziger Sitze. Sogar vor harten Anschuldigungen schrecken manche nicht zurück. «Eine junge Frau wollte 90 Franken zurückerstattet haben, weil ihr Chauffeur sie sexuell belästigt habe.» Abklärungen hätten jedoch ergeben, dass sie nur das Geld reute.

Auch Roberto Salerno, Verkaufsleiter bei der Zürcher Taxizentrale 7x7, sagt: «Vor allem junge Männer haben die Dreistigkeit, sich ohne zu bezahlen zum nächsten Club oder nach Hause chauffieren zu lassen.» Meist handle es sich um 20 bis 80 Franken. Sässen sie in Gruppen im Taxi, seien sie besonders dreist. «Wenn es ums Bezahlen geht, lenkt der Gast im Beifahrersitz den Chauffeur ab, sodass die beiden Kollegen hinten aussteigen können. Sobald sie draussen sind, haut auch er ab.» Bei Betrunkenen spitzt sich die Situation zu. «Manche drohen den Taxifahrern mit Prügeln, wenn sie sie nicht gratis mitnehmen.»

Gäste einschliessen?

Gegen die Taxi-Schmarotzer sind die Chauffeure oft machtlos. Die Anzeigen bei der Polizei seien im Verhältnis zu den geschuldeten Beträgen kostspielig und häufig wenig erfolgreich, berichten die Taxiunternehmen.

Nehme das Problem aber überhand, müssten Schweizer Taxis das «Worst-Case-Szenario» einführen, so Markus Kunz. Er fordert, dass Taxifahrer dann nur noch nach Vorauszahlung Gäste transportieren oder nach englischem Vorbild die Türen erst öffnen, wenn bezahlt wurde. Roberto Salerno fände nur noch per App buchbare Fahrten sinnvoll. «Dann hinterlässt der Kunde automatisch sämtliche Daten, die ihn identifizieren.»

Gäste filmen

Die Schmarotzer beschäftigen auch Taxi Suisse. «Wellenweise sind es vor allem junge Kunden im Ausgang, die Chauffeure nach einer Taxifahrt nicht bezahlen, was unter den Strafbestand Betrug fällt», sagt Christoph Wieland, Präsident des Dachverbands Astag-TaxiSuisse.

Um die Täter besser identifizieren zu können, werde der Verband demnächst im Vorstand prüfen, Videokameras für Taxiunternehmen als offizielle Empfehlung herauszugeben. Generelle Vorauszahlungen einzuführen, verstosse gegen die Kundenfreundlichkeit. «Die vielen ehrlichen Gäste würden dies als Affront betrachten.»

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