Aktualisiert 04.10.2019 06:10

Nationalratswahlen

Junge Politiker stecken bis zu 10'000 Fr in Wahlkampf

Wie viel Geld geben junge Nationalratskandidaten für Wahlwerbung aus? Wie halten sie es mit Spenden? Vier Politiker aus verschiedenen Kantonen und Parteien erzählen.

von
sul
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Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu: Am 20. Oktober wählt die Schweiz ein neues Parlament.

Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu: Am 20. Oktober wählt die Schweiz ein neues Parlament.

Keystone/Peter Schneider
Christian Werners Wahlkampf-Budget beträgt 10'000 Franken. «Rund die Hälfte stammt von privaten Spendern, vorwiegend Freunde und Bekannte», sagt der Solothurner SVP-Gemeinde- und Kantonsrat.

Christian Werners Wahlkampf-Budget beträgt 10'000 Franken. «Rund die Hälfte stammt von privaten Spendern, vorwiegend Freunde und Bekannte», sagt der Solothurner SVP-Gemeinde- und Kantonsrat.

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FDP-Nationalratskandidatin Laura Bircher führt ihren Wahlkampf zusammen mit einer Parteikollegin Simone Richner. Das gemeinsame Budget, das die beiden auf der Grundlage von Spenden aus dem Familien- und Freundeskreis erstellt haben, beträgt 5000 Franken.

FDP-Nationalratskandidatin Laura Bircher führt ihren Wahlkampf zusammen mit einer Parteikollegin Simone Richner. Das gemeinsame Budget, das die beiden auf der Grundlage von Spenden aus dem Familien- und Freundeskreis erstellt haben, beträgt 5000 Franken.

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In gut zweieinhalb Wochen wählt die Schweiz ein neues Parlament. Neben den bisherigen National- und Ständeräten, die erneut um die Gunst des Volkes buhlen, hoffen auch zahlreiche neue, junge Kandidatinnen und Kandidaten auf einen Sitz im Bundeshaus.

Was auffällt: Die Unterschiede ihrer Wahlkampf-Budgets sind beträchtlich. Während sich die einen allein auf die Kampagne der Kantonalpartei verlassen und kein Geld für einen privaten Wahlkampf aufwenden, investieren andere bis zu 10'000 Franken in Plakate, Anzeigen und gesponserte Facebook-Posts.

20 Minuten sprach mit vier jungen Nationalratskandidatinnen und -kandidaten aus verschiedenen Parteien und aus verschiedenen Kantonen über ihren Wahlkampf.

Christian Werners Wahlkampf-Budget beträgt 10'000 Franken. «Rund die Hälfte stammt von privaten Spendern, vorwiegend Freunde und Bekannte», sagt der 34-jährige Solothurner SVP-Gemeinde- und Kantonsrat. Zustupf aus der kantonalen oder nationalen Parteikasse gebe es keinen. «Im Gegenteil, die Kandidaten entrichten der Kantonalpartei einen Beitrag für ihre Kandidatur», betont der selbständige Rechtsanwalt aus Olten. Die Höhe sei abhängig davon, auf welcher Liste man kandidiere.

Daneben sei der grösste Teil des Budgets in die Plakate und Inserate geflossen. Vor vier Jahren, als Werner erstmals für den Nationalrat kandidierte, sei sein Budget grösser gewesen. Damals liess er Flyer direkt an die Haushalte verteilen. Darauf habe er dieses Mal verzichtet: «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis schien mir zu schlecht.»

Einen gewissen Betrag, sagt Werner, müsse man im Wahlkampf einfach aufbringen, um nicht in der Menge unterzugehen. Überschätzen dürfe man die Wirkung der Plakate, Inserate und gesponserten Posts auf Social Media aber auch nicht: «Es gibt genügend Beispiele von Kandidaten, die Unsummen investiert haben und doch nicht gewählt wurden.»

FDP-Nationalratskandidatin Laura Bircher (29) führt ihren Wahlkampf zusammen mit einer Parteikollegin. Das gemeinsame Budget, das die beiden auf der Grundlage von Spenden aus dem Familien- und Freundeskreis erstellt haben, beträgt 5000 Franken. «Dazu kommen zwischen 500 und 600 Franken aus dem eigenen Sack», sagt die Anwältin und Mitglied des Grossen Gemeinderates aus Gümligen. Das meiste Geld gab Bircher für gesponserte Posts und Plakate aus. Hinzu kommt ein Kandidierenden-Beitrag an die Partei in Höhe von 1500 Franken.

Auf Social Media, sagt Bircher, erzeuge man mit wenig Geld zwar eine grosse Reichweite. Andererseits erreiche man nur bestimmte Segmente. «Um überall im Kanton mit Plakaten und Anzeigen präsent zu sein, reicht ein bescheidenes Budget wie das unsrige bei Weitem nicht nicht aus.»

Die Grüne Olive Haymoz ist um ihr Wahlkampfbudget nicht zu beneiden: Es beträgt 0 Franken. «Zum einen habe ich als Studentin nur wenig Geld zur Verfügung, zum anderen will ich mit Inhalten statt mit Werbung überzeugen», sagt die Freiburger Generalrätin. Potenzielle Wähler versuche sie stattdessen über ihre Social-Media-Kanäle, Mund-Propaganda oder Strassenaktionen zu gewinnen.

Die Freiburger Kantonalpartei der Grünen wendet für den Wahlkampf 55'000 Franken auf. «Dieser Betrag setzt sich unter anderem aus Mitgliederbeiträgen und einem Beitrag der Grünen Schweiz zusammen», sagt Haymoz.

Die 23-Jährige stösst sich daran, dass manche Parteien grosse Summen in ihren Wahlkampf stecken. «Politik sollte nicht käuflich sein», sagt sie. Ebenso problematisch fände sie es, Spenden von Verbänden oder Organisationen anzunehmen. Das Geld, so die Grüne, investiere man besser in Wohltätigkeitsprojekte: «Die sind nachhaltiger als die Wahlkampagnen, die nur bis Oktober laufen.»

Zwischen 5000 und 10'000 Franken hat Franziska Biner, Präsidentin der CVP Oberwallis, für ihren persönlichen Wahlkampf ausgegeben. Den grössten Teil für die Gestaltung und den Druck von Flyern, die an die Haushalte verteilt wurden. Der Anteil an Spenden sei gering, sagt Biner: «Sie beschränken sich auf wenige Institutionen, die sämtliche Kandidaten unterstützen, die ihnen nahe stehen.»

Ursprünglich wollte die 33-Jährige lediglich 3000 Franken für den Wahlkampf aufwenden. «Als Partei-Präsidentin verspüre ich aber einen gewissen Druck, ein gutes Resultat zu erzielen», sagt Biner. «Am Schluss wurde es dann deutlich mehr.» Um ihren persönlichen Wahlkampf kümmert sich die ETH-Architektin erst seit August. Davor sei sie mit der Kampagne der Partei ausgelastet gewesen: «Die Parteileitung macht bei uns alles selber, ein professionelles Wahlkampfteam haben wir nicht.»

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