Anschlag Weihnachtsmarkt: Junge Polizisten – Europas Helden im Terrordrama
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Anschlag WeihnachtsmarktJunge Polizisten – Europas Helden im Terrordrama

Italien feiert die beiden Polizisten, die den europaweit gesuchten Tunesier zur Strecke brachten. Er soll den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verübt haben.

von
ij
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Christian Movio wurde bei der Schiesserei an der Schulter verletzt.

Christian Movio wurde bei der Schiesserei an der Schulter verletzt.

Twitter/La Repubblica
Der Polizist muss operiert werden.

Der Polizist muss operiert werden.

AFP/Handout
Der 36-Jährige stellte mit seinem Kollegen Luca Scatà den gesuchten Verdächtigen Anis Amri in einem Vorort von Mailand. Bei einer Routinekontrolle hatte dieser plötzlich eine Waffe gezogen.

Der 36-Jährige stellte mit seinem Kollegen Luca Scatà den gesuchten Verdächtigen Anis Amri in einem Vorort von Mailand. Bei einer Routinekontrolle hatte dieser plötzlich eine Waffe gezogen.

Twitter/La Repubblica

Ein Steckbrief mit seinem Foto: überall. Die Sicherheitsbehörden in höchster Alarmbereitschaft. Trotzdem gelangt der Terrorverdächtige Anis Amri bis nach Italien. Dort endet seine Flucht - ganz ohne die höchste Garde der Fahnder.

Es ist mitten in der Nacht in Sesto San Giovanni. 25 Minuten braucht man von hier aus mit der Metro nach Mailand. Zwei junge Polizisten schieben in der Nähe des Bahnhofs der 80'000-Einwohner-Stadt Wache. Da fällt Luca Scatà und Christian Movio ein Mann auf. Sie fragen ihn nach seinen Papieren. Dann geht alles ganz schnell: Statt eines Ausweises zieht der Mann eine Pistole, schiesst, die Polizisten feuern zurück. Und töten: den mutmasslichen Attentäter von Berlin.

Dashcam hält Moment des Anschlags fest

Ein Autofahrer filmte das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt.

Anis Amri ist tot. In Italien endet das Drama vom Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, bei dem Amri einen Lastwagen in eine Menschenmenge gelenkt haben soll. Mindestens 12 Menschen starben dabei. Amri setzte sich unbehelligt mit dem Zug ab, erst nach Frankreich, dann nach Italien. Gestoppt haben ihn die 29 und 36 Jahre alten Polizisten, die nun nicht nur in Italien wie Helden gefeiert werden.

Lob von höchster Stelle

Italiens Präsident lässt Grüsse ausrichten, der Premierminister dankt, der Innenminister ruft die beiden an, der Mailänder Polizeipräsident lobt. Vorbildlich, professionell, pflichtbewusst, mutig hätten sich die beiden verhalten.

Scatà, der den entscheidenden Schuss abgibt und Amri in den Brustkorb trifft. Movio, der dem Verdächtigen aufgrund seines Akzents nicht abnimmt, dass dieser aus dem süditalienischen Reggio Calabria kommt, auf die Papiere beharrt und schliesslich von dem extrem gefährlichen Amri angeschossen wird.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dankt den Sicherheitsbehörden, Innenminister Thomas de Maizière zeigt sich erleichtert nach der Ausschaltung Amris durch die beiden Polizisten. Die Berliner Polizei schreibt auf Twitter «Grazie» an die beiden Poliziotti.

Die italienische Polizei veröffentlichte ein Bild seiner zerschossenen Uniform auf Twitter.

«Ein besonderer Dank geht an die jungen Beamten Christian Movio, der verletzt wurde, und an seinen Kollegen Luca Scatà, sie haben Mut und Professionalität gezeigt», sagte der italienische Premierminister Paolo Gentiloni.

«Wir betrachten diese beiden Männer als ausserordentliche Personen», lobte auch Innenminister Marco Minniti.

«Mutiger Junge»

«Als wir ihn heute am frühen Morgen am Telefon gehört haben, wusste er noch gar nicht, dass der getötete Mann der Attentäter war», sagt der Vater des 29-Jährigen, Giuseppe Scatà, der Nachrichtenagentur Ansa. «Ich danke Gott, dass Luca am Leben ist. Er ist ein mutiger Junge und hat seine Pflicht getan.» Scatà ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge erst seit neun Monaten als Polizist auf Probe im Dienst.

Dass ihr Sohn Luca einen europaweit gesuchten Terrorverdächtigen getötet hat, bringt Scatàs Mutter zum Nachdenken. «Es berührt einen, wenn man darüber nachdenkt, dass zwei junge Leute so unterschiedliche Wege eingeschlagen haben», sagt sie über Luca und Anis Amri, die in einem ähnlichen Alter sind.

«Es tut mir leid, dass einer von ihnen tot ist, aber er wusste um das Risiko seines Handelns.» Sie sei immer noch aufgewühlt, habe aber noch nicht mit Luca sprechen können: Er müsse erst noch zu den Ereignissen befragt werden und das gehe vor. «Er war immer stark, erwachsen», sagt sie der Ansa.

Sein Kollege Christian ist auf dem Weg der Besserung. Ein Projektil aus Amris 22-Kaliber-Pistole traf ihn an der Schulter. Er musste operiert werden, schwebte aber nicht in Lebensgefahr. Fotos zeigen ihn im Spital in Monza nördlich von Mailand mit dem Handy am Ohr.

«Zu Dank verpflichtet»

Laut Mailands Polizeipräsident Antonio de Iesu hätte Amri vermutlich erneut zugeschlagen. Dass das nicht passiert ist, ist den beiden Polizisten zu verdanken. «Italien ist ihnen zu Dank verpflichtet», fasst Innenminister Marco Minniti zusammen. (ij/sda)

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