Aktualisiert 26.02.2010 16:06

Nachwuchstalent Kaitlyn McGregorJunge Schweizerin erobert den Eisschnelllauf

Die Zürcherin Kaitlyn McGregor ist pfeilschnell. Mit gerade einmal 15 Jahren hat sie bereits drei Schweizer Eisschnelllauf-Rekorde bei den Erwachsenen aufgestellt, in ihrem Alter gehört sie zu Europas Besten. Und: Für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi setzt McGregor alles auf eine Karte.

von
Monika Brand
Kaitlyn McGregor setzt künftig alles auf die Karte Eisschnelllauf. (Bild: Naomi Schläger/passion-for-skating.com)

Kaitlyn McGregor setzt künftig alles auf die Karte Eisschnelllauf. (Bild: Naomi Schläger/passion-for-skating.com)

Während in Holland, Japan, Kanada und anderen Ländern die Eisschnellläufer als Helden gefeiert werden, dreht Kaitlyn McGregor hier in der Schweiz abgeschottet von der ganzen Öffentlichkeit ihre Runden. Entweder frühmorgens oder spätabens auf dem Zürcher Dolder. Doch davon lässt sich die 15-Jährige mit bekanntem Nachnamen - ihr Vater ist der ehemalige NLA-Eishockeytrainer Mark McGregor (Herisau, Rapperswil-Jona) - nicht beirren. Eisern dreht sie Runde um Runde. Denn: Sie hat ein grosses Ziel vor Augen - die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi.

«Hätte ich schon diese Saison alles auf die Karte Eisschnelllauf gesetzt, hätte es wohl schon für Vancouver gereicht», sagt McGregor, die für ihr junges Alter erstaunlich abgeklärt und zielgerichtet wirkt. Stellt sich die Frage, warum sie das denn nicht getan hat? Das Nachwuchstalent winkt ab. «Ich bin noch zu jung.» Denn: Die Alterslimite für Olympische Spiele liegt bei 16 Jahren. Deshalb war für die Ebmatingerin schon immer klar, dass ihr Fokus auf den nächsten Winterspielen 2014 in Sotschi liegt. «Ich denke schon, dass es reicht», sagt sie voller Selbstvertrauen - und schiebt mit einem Lachen nach: «Auch weil ich die einzige Schweizerin bin.» Nationale Konkurrenz muss das Ausnahmetalent also nicht fürchten. Anders wäre das, wenn sie für ihre zweite Heimat Kanada, eine Eisschnelllauf-Hochburg, antreten wollte. Doch davon will McGregor nichts wissen. «Das kommt für mich nicht in Frage. Bei einem Nationenwechsel müsste ich ein Jahr lang mit Wettkämpfen pausieren und das bringt es nicht.»

Durch Zufall das Talent entdeckt

Dass die 15-Jährige überhaupt zum Eisschnelllauf gekommen ist, ist einem Zufall zu verdanken. «Als ich am Ende der sechsten Klasse sah, dass immer mehr Schulkolleginnen und -kollegen mit Rauchen begannen, wollte ich mich nicht dem Gruppendruck aussetzen», sagt sie. «Deshalb entschied ich mich auf eine Sportschule zu wechseln.» Das Problem dabei: Als Eishockeyspielerin, wie das beim Werdegang ihres Vaters naheliegend war, war die Aufnahme in eine solche praktisch unmöglich. «Meine Grossmutter hat mir dann Eisschnelllauf vorgeschlagen, weil es in Kanada eine Athletin gibt, Cindy Klassen, die ebenfalls Eishockey gespielt und dann gewechselt hatte», sagt McGregor. Sie habe diesen Rat befolgt und die Sportart einmal ausprobiert. «Ehrlich gesagt hat es mir am Anfang gar keinen Spass gemacht», gibt die Schülerin zu. Als sie bei ihrem ersten Wettkampf dann aber gleich mächtig auftrumpfte, habe sie sich gedacht: «Doch, das ist ein Sport für mich.»

Das war vor vier Jahren. Seither hat die junge Zürcherin eine riesige Entwicklung durchgemacht. Mittlerweile hält sie über sämtliche Distanzen den Schweizer Juniorinnen-Rekord. Auch drei Bestmarken bei den Erwachsenen hat sie schon an sich gerissen, diejenigen im Mini-Vierkampf, über die 100 Meter sowie über die 1000 Meter. Letztere lautet derzeit auf 1:22,16. Zum Vergleich: Das ist nur rund 5,5 Sekunden langsamer als die Kanadierin Christine Nesbitt bei ihrem Olympia-Sieg in Vancouver (1:16,56). Und das, obschon McGregor in der Schweiz nur dreimal auf der Bahn trainieren kann. Die restliche Fitness holt sich die 15-Jährige im Eishockey, das sie nach wie vor parallel betreibt. «So habe ich jeden Tag Training, ausser am Donnerstag», sagt sie.

Zwickmühle Eishockey

Dass sie aber auch mit Stock und Puck sehr erfolgreich ist, bringt McGregor öfters in die Zwickmühle. Denn sie spielt nicht nur bei den Mini A und den Frauen der GCK Lions, sondern ist auch Mitglied der Schweizer U18-Nationalmannschaft. «Es ist sehr schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen», sagt die Ebmatingerin. «Dieses Jahr habe ich aber Glück: Die Eisschnelllauf-Junioren-WM ist zuerst, die U18-WM im Eishockey zwei, drei Wochen später.» Das heisst für sie, dass sie an beiden Grossanlässen teilnehmen kann. Was wäre aber, wenn McGregor in Sotschi plötzlich im Eisschnelllauf und im Eishockey an den Olympischen Spielen teilnehmen könnte?

Soweit wird es nicht kommen. «Das ist meine letzte Saison im Eishockey», sagt die multitalentierte Sportlerin. «Mit der U18-WM kann ich auf einem Höhepunkt aufhören und danach ist es vorbei.» Denn: McGregor setzt ab nächster Saison alles auf die Karte Eisschnelllauf. «Ich gehe nämlich für zwei Jahre nach Holland, um dort zu trainieren», sagt sie nicht ohne Stolz. «Ich war schon eine Woche dort und alle sind sehr nett und positiv eingestellt. Ich freue mich sehr darauf.»

Die Profi-Karriere im Visier

In Holland, dem Mekka des Eisschnellaufs, will sich McGregor das Zeug für eine Profi-Karriere holen. «Von Eisschnelllauf kann man als Frau leben, vom Eishockey nicht.» Dass es mit ihr jemals soweit kommen würde, hätte die Schülerin nie gedacht. «Ich wollte den Sport eigentlich wirklich nur für die Schule machen und später dann einmal vielleicht auf ein kanadisches College wechseln, um Eishockey zu spielen.» Olympische Spiele waren für sie zu Beginn nie ein Thema.

In ihre zweite Heimat Kanada, wo sie von klein auf jedes Jahr im Sommer mehrere Wochen verbringt, wird es McGregor wohl trotzdem ziehen - zu Verwandten in Calgary nach den zwei Jahren in Holland. Denn an eine Rückkehr in die Schweiz ist mit ihren Zielen nicht zu denken. Zu ungenügend sind die Voraussetzungen hier. Wie ernst es der 15-Jährigen ist, beweist übrigens nicht nur der frühe Umzug nach Holland, sondern auch die Tatsache, dass sie ihre Hündin gar «Sotschi» genannt hat. «Ich will dort in die Top 20 laufen», sagt McGregor im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2014. «Und auch viele Erfahrungen sammeln, damit ich für die weiteren Jahre gerüstet bin.» Wetten, dass wir den Namen McGregor in den nächsten Jahren noch öfters hören werden?

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Kaitlyn McGregor wird von der Stiftung Schweizer Sporthilfe indirket über Verbandsbeiträge unterstützt. Sie möchten sich auch in Zukunft über Schweizer Sporterfolge freuen? Machen Sie es beliebten Schweizer Sportstars gleich und tragen Sie das Solidaritätsarmband der Sporthilfe. Damit zeigen Sie, dass Ihnen die Zukunft des Schweizer Sports am Herzen liegt. Das Armband gibt es für fünf Franken bei der Stiftung Schweizer Sporthilfe. Der Erlös kommt direkt dem Schweizer Nachwuchssport zu Gute.

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