Aktualisiert 28.12.2016 14:05

#SchweizerArmeeJunge Soldatinnen feiern sich auf Instagram

Auffällig viele junge Frauen zeigen sich auf Instagram stolz und selbstbewusst in Uniform. Bei der Armee drückt man ein Auge zu – trotz Verbot.

von
Nikolai Thelitz
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Junge Soldatinnen machen Selfies von sich ...

Junge Soldatinnen machen Selfies von sich ...

Instagram/esm3ralda92
... und den Arbeitskollegen. Ob bei einem Gläschen Wein ...

... und den Arbeitskollegen. Ob bei einem Gläschen Wein ...

Instagram/esm3ralda92
... in den Pausen ...

... in den Pausen ...

Instagram/esm3ralda92

Die Armee will ab nächstem Jahr eine Social-Media-Offensive starten. Ein offizieller Account soll Bilder und Videos aus dem Armeealltag zeigen und den Fotos Paroli bieten, die den Militärdienst verulken. Doch die besten Botschafterinnen könnten bereits auf Instagram sein: Neben Fotos von schlafenden und blödelnden Soldaten finden sich unter dem Hashtag #schweizerarmee auch viele Fotos von attraktiven Soldatinnen, die sich selbstbewusst in Uniform zeigen, mit Waffen und vor Panzern posierend.

«Man erkennt die einzige Freiwillige», schreibt Valentine Morina (24) unter einem Selfie, auf dem sie strahlt, während die Männer der Gruppe einen erschöpften Eindruck machen. Die Lausannerin ist Kanonierin in einer M109-Panzerhaubitze. «Ich war in der RS die einzige Frau unter 400 Männern», sagt Morina zu 20 Minuten. Die Rekrutenschule sei eine gute Erfahrung gewesen, die leider schon vorbei sei.

«Stark» und «stolz»

Andere Frauen, die sich in Uniform zeigen, benutzen Hashtags wie #proud (stolz) oder #strong (stark). Panzersoldatin Julia W.* (19) schreibt zu einem Bild: «Entschuldige dich niemals dafür, wer du bist und was du willst.» Kritische Fragen und Vorurteile höre man sehr oft, sagt W. zu 20 Minuten – etwa, dass man nur wegen der Männer Dienst leiste. Wenn man aber selbst wisse, warum man da sei, falle es leicht, solche unangenehmen Fragen zu beantworten und Vorurteile zu berichtigen.

Eine Userin ist auf einem Bild bei einer Schiessübung zu sehen. «Nicht atmen, einfach schiessen und das Ziel treffen», schreibt sie. Darunter kommentiert ein User: «Da muss der Obergefreite intervenieren, wie war das mit Fotos in Uniform?»

Tatsächlich bestätigt Armeesprecher Daniel Reist: «Es gibt eine ganz klare Policy: Keine Fotos in Uniform. Wer welche machen will, muss erst den Kommandanten fragen.»

«Wenn junge Frauen aktiv sind, ist das gute Werbung»

Es sei aber so, dass diese Regelung im Zeitalter des Smartphones «utopisch» sei. «Wenn ein grober Blödsinn gepostet wird oder sexistische oder rassistische Inhalte, schalten wir die Militärpolizei ein.» Die meisten Posts seien aber harmlos, so dass man solche Fälle nicht verfolge. «Wenn sie positive Erlebnisse posten, schadet das der Armee nicht.»

Die Werbung kann nicht schaden: Die Frauen stellen heute weniger als 1 Prozent des effektiven Bestandes der Armee: Von den 124'170 Aktiven waren im März dieses Jahres 1117 Frauen.

*Name geändert

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