Wintertourismus: Junge sollen wieder in die Berge gelockt werden
Aktualisiert

WintertourismusJunge sollen wieder in die Berge gelockt werden

Ältere Skifahrer fühlen sich auf den Pisten unsicher. Bei den Jungen ist der Schneesport out. Beides will Schweiz Tourismus ändern.

von
Fabian Lindegger

Dem Schweizer Schneesport geht der Nachwuchs aus: Die Zahl der Skifahrer und Snowboarder hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Zwischen 2001 und 2011 ging der Anteil Schneesportler bei den 14- bis 29-Jährigen um fast 10 Prozent zurück. Besonders stark war der Rückgang bei den 20- bis 29-Jährigen, wie aus Zahlen des Verbands Seilbahnen Schweiz hervorgeht.

Dass es die Jungen im Winter immer weniger in die Berge zieht, sei eine grosse Herausforderung für den Schweizer Tourismus, erklärte Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, am Montag im Rahmen einer Medienkonferenz zur Lancierung der Winterkampagne.

Zu viele Alternativen

Gründe, warum die Jungen lieber etwas anderes machen als Schneesport in den Schweizer Bergen, gibt es einige. Etwa das grosse Angebot an Vergnügungs- und Freizeitaktivitäten in den Städten. Oder dass Reisen ins (warme) Ausland billiger geworden sind.

Zudem gibt es immer weniger Wintersporteinsteiger. Das liegt laut Schmid teils auch an der Migration aus «nicht schneesportaffinen Kulturen». Nun sollen die Jungen mit Sonderangeboten und speziellen Aktionen im Winter wieder zurück in die Berge geholt werden.

Neue Plattform soll Junge in den Schnee zurückholen

Grosse Hoffnungen setzen die Touristiker in eine neue Plattform, die das Planen und Buchen von Schneesporttagen und -lagern vereinfachen soll. Kinder und Jugendliche sollen so wieder vermehrt mit Schneesport in Kontakt kommen. Um die Plattform zu betreiben, wurde in diesem Sommer der Verein Schneesportinitiative Schweiz gegründet. Diesem gehören neben dem Schweizer Tourismus-Verband auch Swiss Ski, Seilbahnen Schweiz, Swiss Snowsports oder der Verband Schweizer Sportfachhandel an. Obwohl es noch zu früh sei, um die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen abzuschätzen, seien die Rückmeldungen bisher sehr positiv gewesen, so Schmid im Gespräch mit 20 Minuten.

Allerdings besteht nicht nur bei den jungen Gästen Handlungsbedarf. «Viele ältere Schneesportler fühlen sich auf den Pisten nicht mehr sicher und gehen deshalb weniger oft Skifahren oder hören ganz damit auf», erklärt Schmid. In einer alternden Gesellschaft sei es aber wichtig für die Schweizer Bergdestinationen, dass auch ältere Schneesportler möglichst lange auf den Pisten gehalten werden können. Schmid wünscht sich deshalb, dass es künftig spezielle Angebote für Skifahrer und Snowboarder gibt, die gerne etwas beschaulicher auf den Pisten unterwegs sind.

«Goldene» Pisten für den Genuss

«Bis anhin unterschieden sich die Pisten je nach Schwierigkeitsgrad. Man muss sich überlegen, ob es künftig nicht auch Pisten für den Genuss geben sollte», sagt Schmid zu 20 Minuten. So könnte es beispielsweise neben blauen, roten und schwarzen Pisten auch goldene Pisten geben, wo das Tempo etwas reduziert sei. «Pisten etwa, die an besonders schönen oder sonnigen Lagen gelegen sind, mit gemütlicher Gastronomie am Pistenrand. Eben voll auf Genuss ausgerichtet», so der Direktor von Schweiz Tourismus.

Diese Pisten müssten aber nicht unbedingt nur für ältere Schneesportler sein, sondern auch für Familien mit kleineren Kindern. Denn je früher die Lust auf den Schneesport geweckt werde, desto eher fahre man auch als Erwachsener im Winter noch in die Berge.

Optimistische Prognosen

Für die Wintersaison 2014/2015 rechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft(Seco) mit rund zwei Prozent mehr Hotelübernachtungen als im Vorjahr. Die Prognosen zeigten ein «relativ optimistisches Bild», sagt Richard Kämpf, Leiter Tourismuspolitik. Voraussetzung seien bessere Schnee- und ­Witterungsverhältnisse als im Vorjahr. Insgesamt rechnet das Seco für das Tourismusjahr 2015 mit einem Zuwachs.(sda)

Deine Meinung