Fire Challenge: Junge stecken sich für Mutprobe selbst in Brand
Publiziert

Fire ChallengeJunge stecken sich für Mutprobe selbst in Brand

«Social Beer Game» und «Sprung ins kühle Nass» waren einmal. Ein neuer lebensgefährlicher Trend erobert die Facebook-Welt. Für die Fire Challenge zünden sich Jugendliche selbst an.

von
vro

Facebook-Mutproben nehmen immer gefährlichere Züge an. In Amerika breitet sich seit kurzem ein Trend aus, bei dem sich vorwiegend Jugendliche mit Alkohol oder anderen brennbaren Flüssigkeiten einreiben, um sich danach selbst in Brand zu stecken und das Ganze auf Video festzuhalten. Alles nur für ein wenig Ruhm auf Facebook.

Doch die Aktion hat fast immer verheerende Folgen. In den USA mussten schon zahlreiche Jugendliche im Spital behandelt werden, weil sie sich schwere Verbrennungen zugezogen hatten. Ein 15-Jähriger aus Buffalo (NY) kam bei seiner Mutprobe ums Leben.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Trend auch nach Europa übergreift. In England befürchtet man bereits, dass die Mutprobe unter Jugendlichen zum Hype werden könnte. Dass sich die lebensgefährliche Aktion auch in der Schweiz ausbreiten könnte, bezweifelt Urs Kiener, Jugendpsychologe bei Pro Juventute. «Ich denke, die soziale Kontrolle wird hierzulande stärker greifen.»

In der Regel handle es sich bei den Akteuren solcher Mutproben um Jugendliche aus sozialen Randgruppen, die an ihrer Ausgrenzung leiden. «In der Schweiz haben solche Trends selten einen ähnlichen Effekt wie etwa in Amerika. Junge Schweizer sind besser in der Gesellschaft und Arbeitswelt integriert als junge Amerikaner aus Randgruppen. Die Schweiz ist deshalb weniger prädestiniert für solche Mutproben.»

Junge stehen unter Druck

Gemäss Gianni Haver, Soziologe an der Uni Lausanne, haben die Aktionen mit dem Erwachsenwerden zu tun, wie er zu «Le Matin» sagt. «Mutproben sind älter als das Internet. Unsere Vorfahren haben bereits sehr grausame Riten durchgeführt. Es geht um den Übergang vom Kindsein in die Erwachsenenwelt. Es ist die Art zu sagen: Ich bin kein Bub mehr. Ich gehe Risiken ein.»

Der gleichen Meinung ist auch Kiener. «Als Jugendlicher will man sich von den Erwachsenen abgrenzen, das ist normal. Junge haben ausserdem eine höhere Risikobereitschaft als ältere Personen.» Solche Mutproben würden meist in Gruppen von Gleichaltrigen stattfinden. Das Problem dabei sei jedoch, dass sie bei solchen Wettbewerben unter Druck stehen statt die Grenzen von sich aus auszuloten. «Es geht um Risikoverhalten, das ist meistens gefährlich. Wenn man nicht mitmacht, gehört man nicht mehr dazu.»

Viele würden sich deshalb dazu gezwungen sehen, ihren Mut unter Beweis zu stellen, selbst wenn sie es eigentlich nicht wollen. Laut Kiener könnten sich diese mit einer Stärkung des Selbstbewusstseins gegen diesen Zwang wehren. Haben Jugendliche massiv damit zu kämpfen, empfiehlt er eine persönliche Beratung.

Deine Meinung