WEF 2023: Junge SVP boykottiert WEF, weil es ihr zu «woke» ist

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WEF 2023Junge SVP boykottierte WEF, weil es ihr zu «woke» ist

Teilnehmende des WEF in Davos zahlen Zehntausende Franken, damit sie beim Anlass dabei sein dürfen. Die Schweizer Jungparteien wurden vom WEF eingeladen – doch viele wollten nicht kommen.

von
Stefan Lanz
Christina Pirskanen
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Die Junge SVP war zwar ans WEF eingeladen, wollte jedoch nicht teilnehmen.

Die Junge SVP war zwar ans WEF eingeladen, wollte jedoch nicht teilnehmen.

Screenshot: Instagram
«Das WEF ist zu einem demokratiefeindlichen und bürgerfernen Woke-Club verkommen», sagt David Trachsel, Präsident der Jungen SVP.

«Das WEF ist zu einem demokratiefeindlichen und bürgerfernen Woke-Club verkommen», sagt David Trachsel, Präsident der Jungen SVP.

20min/Ela Çelik
Auch die Jungen Grünen nahmen nicht teil. «Wenn die Geschäftsleute am WEF etwas gegen die Klimakrise und die grossen sozialen Ungleichheiten machen möchten, dann hätten sie das längst», sagt Co-Präsidentin Julia Küng.

Auch die Jungen Grünen nahmen nicht teil. «Wenn die Geschäftsleute am WEF etwas gegen die Klimakrise und die grossen sozialen Ungleichheiten machen möchten, dann hätten sie das längst», sagt Co-Präsidentin Julia Küng.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Zum ersten Mal wurden die Schweizer Jungparteien ans WEF eingeladen.

  • Die Teilnahmequote fiel jedoch bescheiden aus.

  • Der Jungen SVP war der Event zu «woke».

  • Die Juso reiste zwar nach Davos, organisierte dort jedoch eine Kundgebung gegen das «kapitalistische» WEF.

  • Marc Rüdisüli von der Jungen Mitte besuchte als einziger Präsident das WEF und kritisiert das Vorgehen der anderen Jungparteien.

Nach einer Woche WEF reisen am Freitag die letzten hochrangigen Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik und der Wirtschaft von Davos ab. Obwohl erstmals alle Schweizer Jungparteien zum WEF eingeladen waren, kreuzte bis auf den Präsidenten der Jungen Mitte niemand auf.

Die Junge SVP etwa boykottierte den Event gleich im Vorhinein. Präsident David Trachsel sagte gegenüber 20 Minuten: «Das WEF soll in ‹Woke Economic Forum› umbenannt werden.»

«Demokratiefeindlicher Woke-Club»

Der Geist des WEF, geprägt von der Forderung nach einer Klimaplanwirtschaft und gesellschaftlicher Umkrempelung, sei mit zentralen Schweizer Werten wie Freiheit und Selbstbestimmung nicht zu vereinbaren, sagt Trachsel weiter. «Das WEF ist zu einem demokratiefeindlichen und bürgerfernen Woke-Club verkommen», schliesst er ab. Deshalb habe man dem WEF eine Absage erteilt.

Auch die Juso und die Jungen Grünen verzichteten auf eine Teilnahme: «Wir haben uns gegen eine Teilnahme entschieden, da das WEF eine Veranstaltung ist, an der ultrareiche Geschäftsleute mit Privatjets anreisen, welche Ungleichheiten und die Klimakrise weiter zementieren», sagte die Co-Präsidentin der Jungen Grünen, Julia Küng, auf Anfrage. Sie hätten nicht teilnehmen wollen, da sie überzeugt seien, dass sie mit ihrer Teilnahme nichts hätten verändern können. «Wenn die Geschäftsleute am WEF etwas gegen die Klimakrise und die grossen sozialen Ungleichheiten machen möchten, dann hätten sie das längst tun können», sagt Küng.

Davos ja, WEF nein

Die Juso war zwar vor Ort in Davos, nahm jedoch nicht am WEF teil, sondern demonstrierte gegen die Veranstaltung. «Ich organisiere lieber eine Kundgebung, als selbst am WEF teilzunehmen, da ich nicht glaube, dass uns das WEF retten wird», sagt Juso-Präsident Nicola Siegrist. Das WEF sei eine undemokratische Veranstaltung, wo «Konzerne, Superreiche und Staatschefs hinter verschlossenen Türen über unsere Zukunft entscheiden», so Siegrist.

Die Jungen Grünliberalen mussten aufgrund anderer Verpflichtungen auf eine Teilnahme verzichten. Bei Matthias Müller, dem Präsidenten der Jungfreisinnigen, standen hingegen Prüfungen an – er schickte stattdessen seinen Generalsekretär nach Davos. Aus der Ferne kritisiert Müller jedoch das Vorgehen der Juso: «Dass die Juso eine solche einzigartige Plattform abschaffen will, spricht für deren Kleinkariertheit. In diesem Sinne: mehr WEF, weniger Juso.»

Junge Mitte besucht WEF – als einzige Jungpartei

Einzig der Präsident der Jungen Mitte, Marc Rüdisüli, besuchte das WEF. Er finde es schade, dass so viele Jungparteien nicht teilnehmen wollten, sagt er. «Sie sind in einem Schwarzweissdenken und in ihrer eigenen Bubble gefangen.» Man schmeisse alle in den gleichen Topf: «Für die Jusos sind alle Teilnehmenden schlimme Kapitalisten, die den Planeten zerstören, und aus Sicht der Jungen SVP sind es alles abgespacte Woke-Menschen», sagt Rüdisüli.

Es wäre die Chance für die Jungparteien gewesen, sich ein eigenes Bild zu machen, statt das WEF nur von aussen zu kritisieren. «So zu denken, bringt nämlich nichts – weder ihnen noch der Problemlösung», so Rüdisüli.

Würdest du das WEF besuchen, wenn du könntest?

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