Tamedia-Abstimmungsumfrage: Junge und Frauen sind skeptisch bei Altersreform
Publiziert

Tamedia-AbstimmungsumfrageJunge und Frauen sind skeptisch bei Altersreform

Die Reform der Altersvorsorge hat bei den Stimmbürgern einen schweren Stand. Das zeigt die Tamedia-Abstimmungsumfrage.

von
daw
1 / 3
Bei den Älteren geniesst die Rentenreform mehr Zustimmung als bei den Jüngeren.

Bei den Älteren geniesst die Rentenreform mehr Zustimmung als bei den Jüngeren.

Keystone/Gaetan Bally
Für Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, ist klar, dass die Kampagne der Gegner bereits anschlägt: «Die Jungen realisieren, dass sie die Rechnung bezahlen.»

Für Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, ist klar, dass die Kampagne der Gegner bereits anschlägt: «Die Jungen realisieren, dass sie die Rechnung bezahlen.»

Keystone/Anthony Anex
Aufgeschreckt ist das Lager der Befürworter: «Die Umfrage zeigt, dass die Abstimmung kein Sonntagsspaziergang wird», sagt Grünen-Präsidentin Regula Rytz.

Aufgeschreckt ist das Lager der Befürworter: «Die Umfrage zeigt, dass die Abstimmung kein Sonntagsspaziergang wird», sagt Grünen-Präsidentin Regula Rytz.

Keystone/Marcel Bieri

Der Kampf um die Zukunft der Altersvorsorge hat längst begonnen – zu wichtig ist die Abstimmung vom 24. September, die die erste grosse Reform der AHV seit 20 Jahren bringen könnte.

Die erste Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage deutet auf ein enges Rennen hin: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der AHV wird zwar noch von einer knappen Mehrheit von 52 Prozent unterstützt.

Dagegen fällt die für die übrigen Teile der Reform – von der Erhöhung der AHV bis zur Senkung des Umwandlungssatzes – nötige Gesetzesänderung durch: 54 Prozent wollen sieben Wochen vor der Abstimmung Nein oder eher Nein stimmen, nur 40 Prozent beabsichtigen, ein Ja in die Urne zu legen.

Die Altersvorsorge 2020 ist in zwei separate Vorlagen aufgeteilt. Fällt nur eine durch, ist die gesamte Reform gescheitert. Dass die Stimmabsichten bei den beiden Vorlagen noch auseinandergehen, dürfte laut Politologe Fabio Wasserfallen unter anderem an der noch nicht weit fortgeschrittenen Meinungsbildung und am schlechten Informationsstand liegen.

Tiefere Zustimmung bei den Jungen

Deutlich zeigt sich, dass die Wähler von FDP und SVP – beide Parteien bekämpfen die Rentenreform – das neue Gesetz zur Altersvorsorge klar ablehnen: Drei von vier SVP-Anhängern wollen Nein stimmen, und auch bei den FDP-Wählern sind es gut 60 Prozent. Obwohl SP und Grüne die Reform befürworten, steht die Basis zum heutigen Zeitpunkt nicht geschlossen hinter der Reform: Bei den Grünen wollen 42 Prozent Nein stimmen, bei der SP 31 Prozent.

Laut der Umfrage ist die Zustimmung bei den jüngeren Stimmbürgern bei beiden Vorlagen tiefer: Derzeit wollen etwa nur 34 Prozent der 18- bis 34-Jährigen dem Altersvorsorge-Gesetz zustimmen. Bei den 50- bis 64-Jährigen liegt der Anteil der Ja-Sager 9 Prozentpunkte höher. Am stärksten ist die Zustimmung bei den Rentnern mit 45 Prozent Ja.

Auch Frauen, deren ordentliches Rentenalter auf 65 Jahre ansteigen würde, stehen der Reform kritischer gegenüber als Männer. Nur jede dritte Frau, aber beinahe jeder zweite Mann würde derzeit Ja stimmen.

Für Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, ist klar, dass die Kampagne der Gegner bereits anschlägt: «Die Jungen realisieren, dass sie die Rechnung bezahlen und dass die AHV mit dieser Reform ab 2030 bachab geht.» Er hoffe, dass sich auch noch mehr Ältere mit den Jungen solidarisieren und Nein stimmen.

Dass die Bevölkerung das Gesetz kritischer sieht als die Erhöhung der Mehrwertsteuer, sei nachvollziehbar: «Um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wird man kaum herumkommen. Im Gesetz ist aber der unsinnige Ausbau der AHV enthalten, der vielen zu weit geht.»

Pro-Komitee: «Kein Sonntagsspaziergang»

Aufgeschreckt ist das Lager der Befürworter: «Die Umfrage zeigt, dass die Abstimmung kein Sonntagsspaziergang wird», sagt Grünen-Präsidentin Regula Rytz. Es gebe Befürworter und Gegner in vielen Parteien. «Das Nein-Lager hat seine Kampagne früher gestartet, es bleibt aber noch Zeit bis zur Abstimmung. Wir werden zeigen, dass die Reform ein fairer Kompromiss ist. Die FDP dagegen will die Renten kürzen.»

Auch bei den Frauen im eigenen Lager spüre sie Skepsis, eine Erhöhung des Rentenalters zu schlucken, bevor die Lohngleichheit erreicht sei. Aber: «Entscheidend ist, dass die Stärkung der AHV gerade Frauen hilft, die oft nur die erste Säule haben.»

Ernährungssicherheit: Ja zeichnet sich ab

Ebenfalls an die Urne kommt eine neue Verfassungsbestimmung zur Ernährungssicherheit. Diese scheint relativ unbestritten zu sein: Eine Mehrheit von 53 Prozent will Ja stimmen, 27 Prozent lehnen die Vorlage ab. Jeder Fünfte hat noch nicht entschieden. Generell ist die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen, Verschiebungen bis zum Abstimmungstermin bleiben möglich.

8630 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 3. und 4. August online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

Deine Meinung