Arbeitslosigkeit: «Junge wandern direkt in die Sozialhilfe»

Aktualisiert

Arbeitslosigkeit«Junge wandern direkt in die Sozialhilfe»

Junge sollen weniger Geld von der Arbeitslosenkasse bekommen. Schon nach einem halben Jahr droht der Gang zum Sozialamt.

von
Elisabeth Rizzi

Jungen Arbeitslosen droht ein schweres Schicksal. Die Wirtschaftskommission des Nationalrates will die Leistungen der Arbeitslosenversicherungen massiv kürzen. Die Mehrheit beantragte gestern, dass kinderlose Arbeitslose unter 30 Jahren künftig statt maximal 400 höchstens 260 Taggelder beziehen dürfen. Unter 25-Jährige sollen gar maximal 130 Taggelder erhalten. «Damit wird ein völlig falsches Zeichen gesetzt», entsetzt sich Andrea Ruckstuhl. Der Ressortleiter Jugend beim KV Schweiz bemängelt, es werde bei den Schwächsten der Schwachen abgebaut. «Diese Personen werden direkt in die Sozialhilfe wandern», befürchtet er. Tatsächlich dürfte hier eine Verschärfung der Taggeldpraxis kaum zu mehr Erfolg bei der Jobsuche führen: Wer erst einmal am Rand der Gesellschaft steht, findet den Weg zurück ins Arbeitsleben nur schwer. Und beim Rest bringt mehr Druck wenig. Laut Can Arikan vom Amt für Arbeit des Kantons Zürich finden nämlich schon mit der heutigen Taggeldregelung die meisten jungen Arbeitslosen nach spätestens sechs Monaten wieder eine Stelle. Arbeitsmarktexperte und Professor an der Universität Basel, George Sheldon, meint deshalb: «Eine Taggeldkürzung bei Jungen spart kaum Geld.» Der Nationalrat berät die Vorlage in der Wintersession.

Deine Meinung