Aktualisiert 04.01.2014 14:29

Wegen Marco WeberJunge wollen bei Greenpeace an die Front

Seine Inhaftierung in Russland hat den Greenpeace-Aktivisten Marco Weber zum Medienstar gemacht – mit Wirkung: Auf einmal wollen sich viele junge Schweizer engagieren.

von
nj

Der Schweizer Marco Weber ist seit Montag wieder daheim – nach vielen Wochen in russischer Haft. Am 18. September wollte der 28-Jährige an einem Seil auf eine russische Ölplattform klettern und wurde zusammen mit 29 weiteren Greenpeace-Aktivisten aus 18 Ländern verhaftet. Wie auch Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski und die Pussy Riot-Sängerinnen wurde Weber Ende Dezember dann aber von den russischen Behörden medienwirksam begnadigt.

Das Interesse an dem jungen Aktivisten in der Schweizer Presse war enorm. Nach Webers Rückkehr berief Greenpeace gar eine Medienkonferenz ein. Zwar gibt es Kritiker, die die Aktivisten der «Arctic 30», wie die 30 in Russland Verhafteten von Greenpeace selbst genannt werden, als naive Draufgänger bezeichnen. Für die meisten ist Weber jedoch ein Held, der im Kampf für eine gute Sache seine Freiheit riskierte.

Jetzt spricht Greenpeace-Aktivist Marco Weber

Das blieb nicht ohne Wirkung. Viele möchten sich nun ebenfalls engagieren. Bei Greenpeace haben sich in den vergangenen Monaten deutlich mehr Personen gemeldet, die sich für einen freiwilligen Einsatz interessieren. Laut dem «Tages-Anzeiger» hat sich die Zahl verdreifacht. «Und das, obwohl wir keine Werbung schalten», sagt Alexandra Ottinger, Verantwortliche Freiwilligenarbeit bei Greenpeace Schweiz, zu 20 Minuten. Besonders Jüngere fühlen sich von Webers Geschichte angesprochen. Im Durchschnitt seien die Interessenten 25 Jahre alt.

Interview mit Vater von Marco Weber

Keine Spendenflut verzeichnet

Nicht alle wollen aber gleich Walfänger entern oder auf Ölplattformen kraxeln. «Die Interessen sind breit gefächert. Wir klären mit jedem Bewerber ab, was das gewünschte Betätigungsfeld ist und welcher Bereich für ihn in Frage kommt», sagt Ottinger. Nebst den Aktivisten wie Weber brauche es auch Leute, die beispielsweise an Schulen über Umweltschutz informierten oder auf der Strasse Flyer verteilten. Welche Voraussetzungen es braucht, um als Freiwilliger tätig zu werden, könne sie nicht pauschal sagen. «Das ist sehr individuell.»

Aktuell sind in der Schweiz rund 300 Personen regelmässig für Greenpeace als Freiwillige im Einsatz. Weltweit liegt diese Zahl bei 15'000. Noch lasse sich nicht sagen, ob sich diese Zahl nachhaltig erhöht hat. Das wird derzeit erhoben und in den kommenden Wochen bekannt gegeben. Hingegen zeichnet sich bereits ab, dass die «Arctic 30» mit ihrer Aktion nicht bis zu den Portemonnaies der Schweizer vorgedrungen ist. «Wir haben bei unseren Einnahmen generell sehr selten Ausschläge nach oben oder nach unten», sagt Markus Allemann, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz. Unabhängig von solchen Ereignissen beläuft sich die jährliche Spendensumme seit mehreren Jahren auf rund 25 Millionen Franken.

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