Energieverbrauch – Junge wollen nicht verzichten

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EnergieverbrauchJunge wollen nicht verzichten

Durch den Ukraine-Krieg wird Energie knapper und teurer. Laut einer Umfrage von 20 Minuten sind die Leute bereit zu sparen – aber nur bedingt . Insbesondere Jüngere lehnen das mehrheitlich ab. Das überrasche ihn nicht, sagt ein Experte.

von
Nicolas Meister
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Junge sind viel weniger bereit zu verzichten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von 20 Minuten. 

Junge sind viel weniger bereit zu verzichten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von 20 Minuten. 

20min/Matthias Spicher
Gerade für junge Leute sei es schwierig zu verzichten, weil sie ihr Leben etablieren möchten, sagt Christian Fichter, Sozialpsychologe an der Kalaidos Fachhochschule. Einschränkungen seien damit schwer vereinbar. 

Gerade für junge Leute sei es schwierig zu verzichten, weil sie ihr Leben etablieren möchten, sagt Christian Fichter, Sozialpsychologe an der Kalaidos Fachhochschule. Einschränkungen seien damit schwer vereinbar. 

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Eine Umfrage von 20 Minuten zeigt, dass überwiegend junge Leute nicht willig sind zu verzichten. 

  • Einschränkungen von Möglichkeiten seien schwer mit dem Wunsch, ein Leben zu etablieren, vereinbar, sagt Sozialpsychologe Christian Fichter.

  • Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Leute zu mehr Verzicht zu bewegen. 

Personen älter als 50 Jahre sind eher bereit, sich bei ihrem Energieverbrauch zurückzunehmen und den Zug anstatt das Auto zu nehmen. Junge Leute hingegen weigern sich, Konzessionen bei ihrem Lebensstil einzugehen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von 20 Minuten.

53 Prozent aller 18- bis 34-jährigen Personen sind nicht bereit, ihren Energieverbrauch zu reduzieren. Bei den über 50-Jährigen sind es nur 31 Prozent. Auch das Auto oder das Motorrad in der Garage zu lassen und stattdessen den Zug zu nehmen, kommt für 40 Prozent der 18- bis 49-jährigen Befragten nicht infrage. Bei den restlichen Altersgruppen sind es hingegen über 57 Prozent, die öfters den Zug nehmen oder zumindest versuchen, das Auto weniger oft zu benutzen.

Junge wollen sich nicht einschränken lassen

Warum tun sich junge Leute so schwer mit Verzichten? Weil sie vor der Aufgabe stünden, ein funktionierendes Lebensmodell zu finden, sich zu etablieren und Erfahrungen zu sammeln, sagt Christian Fichter, Sozialpsychologe und Forschungsleiter der Kalaidos Fachhochschule. «Das verträgt sich nur schlecht mit Einschränkungen, sprich, einem Verzicht von Möglichkeiten.»

Ausserdem sähen sich viele mit völlig neuen Lebensfragen konfrontiert, sagt Fichter. Wie will ich leben, was will ich konsumieren, was ist mit dem Klimawandel? Auch da würden sich viele mit Einschränkungen schwer tun.

«Freiwilliger Verzicht ist für viele schwierig»

Generell sei ein freiwilliger Verzicht für viele Menschen jedoch schwierig, sagt Fichter. «Die Eigenverantwortung funktioniert nicht wirklich. Der Mensch stellt sich selbst immer an erste Stelle und erst dann seine Verantwortung.»

Deshalb reiche es zum Beispiel nicht, den Leuten nur zu sagen, dass sie sich anschnallen müssten, sagt Fichter. «Es braucht mehr als einen moralischen Appell. Starke soziale Normen und eine soziale Kontrolle sind nötig, damit sich die Leute anschnallen.» Das sei auch beim Verzicht so, sagt Fichter.

Es sei aber laut Fichter durchaus möglich, die Eigenverantwortung zu stärken. «Indem man die Leute über Themen wie zum Beispiel den Klimawandel aufklärt, sie also mündig macht, befähigt man sie zu einem sozialverantwortlichen Handeln.» Auch eine Erhöhung von Preisen bestimmter Produkte würde die Leute zum Nachdenken anregen. «So werden sie vermehrt Entscheidungen treffen, die nicht nur für sie, sondern auch für die Gesellschaft gut sind.» Dieser Weg sei im Vergleich zu staatlich auferlegten Verboten langfristig gesehen sozialverträglicher und moralischer, sagt Fichter. 

Informationen zur Umfrage

12’370 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 16. März an der Umfrage von 20 Minuten und Tamedia zum Krieg in der Ukraine teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten.

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