Hongkong : Junger Aktivist trotzt allen Warnungen Chinas
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Hongkong Junger Aktivist trotzt allen Warnungen Chinas

Peking versuchte, den 27-Jährigen zu stoppen. Trotzdem hat Unabhängigkeitsbefürworter Andy Chan vor ausländischen Journalisten in Hongkong eine Rede gehalten.

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kko

Peking wollte seinen Auftritt verhindern. Doch der Unabhängigkeitsbefürworter Andy Chan liess sich davon nicht beirren. (Video: Tamedia/AFP)

Trotz Warnungen der chinesischen Regierung ist in Hongkong ein bekannter Unabhängigkeitsbefürworter vor ausländischen Journalisten aufgetreten. «China ist von Natur aus ein Imperium, das eine Bedrohung für alle freien Völker der Welt ist», sagte Andy Chan, Gründer der kleinen Hongkonger Nationalpartei, am Dienstag.

Der 27-Jährige rief vor Mitgliedern des Hongkonger Auslandskorrespondenten-Clubs (FCC) erneut dazu auf, die Unabhängigkeit der chinesischen Sonderverwaltungszone anzustreben.

Hongkongs Regierungschefin nennt Auftritt «unangemessen»

Die Veranstaltung hatte im Vorfeld die chinesische Regierung auf den Plan gerufen. Sie forderte den Presseclub dazu auf, die Einladung für Chan zurückzunehmen. Auch Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam bezeichnete den geplanten Auftritt als «unangemessen», was eine Debatte über die Beschneidung der Meinungsfreiheit in Hongkong befeuerte.

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Unabhängigkeitsbefürworter Andy Chan, Gründer der kleinen Hongkonger Nationalpartei, umringt von zahlreichen Medienvertretern. (14. August 2018)

Unabhängigkeitsbefürworter Andy Chan, Gründer der kleinen Hongkonger Nationalpartei, umringt von zahlreichen Medienvertretern. (14. August 2018)

AFP/Philip Fong
Trotz Warnungen der chinesischen Regierung ist der 27-Jährige vor ausländischen Journalisten aufgetreten.

Trotz Warnungen der chinesischen Regierung ist der 27-Jährige vor ausländischen Journalisten aufgetreten.

AFP/Philip Fong
Er rief vor Mitgliedern des Hongkonger Auslandskorrespondenten-Clubs (FCC) erneut dazu auf, die Unabhängigkeit der chinesischen Sonderverwaltungszone anzustreben.

Er rief vor Mitgliedern des Hongkonger Auslandskorrespondenten-Clubs (FCC) erneut dazu auf, die Unabhängigkeit der chinesischen Sonderverwaltungszone anzustreben.

AFP/Paul Yeung

Die ehemalige Kronkolonie wird unter der Souveränität Chinas als eigenständiges Territorium mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert, um das frühere politische System zu bewahren.

«Leider sind wir eine Nation, die schnell von China annektiert wird»

Die sieben Millionen Hongkonger geniessen weitgehende Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Doch wird befürchtet, dass Peking die politischen Freiheiten zunehmend beschränken will.

«Leider sind wir eine Nation, die schnell von China annektiert und zerstört wird», sagte Chan dem Publikum auf der FCC-Veranstaltung. «Der Ruf nach Unabhängigkeit in Hongkong ist daher ein Aufschrei gegen eine koloniale Invasion.»

Bereits Mitte Juli war Andy Chan von den Behörden unterrichtet worden, dass die von ihm gegründete Hongkonger Nationalpartei verboten werden soll. Die Partei will die Unabhängigkeit der Millionenmetropole erreichen, verfügt aber nur über wenige Anhänger.

Erstes Parteienverbot seit Rückgabe

Es wäre das erste Verbot einer Partei in Hongkong seit der Rückgabe an China vor gut 20 Jahren. Gerade unter jungen Hongkongern gibt es zwar den Ruf nach mehr Demokratie in der Sonderverwaltungszone. Die Idee einer absoluten Unabhängigkeit wird aber nur von einer Minderheit verfolgt.

Chan nannte das Vorgehen «eine rein politische Entscheidung, jene zum Schweigen zu bringen, die sich trauen, die wahren Interessen der Hongkonger und der Nation zu vertreten». Ihm war 2016 schon untersagt worden, an der beschränkten Wahl für das Parlament teilzunehmen.

Chan gehörte 2014 zu den Teilnehmern der «Regenschirm»-Bewegung für mehr Demokratie in Hongkong. Er gründete die Partei im März 2016. Vor seiner Rede am Dienstag hatten sich vor dem Gebäude sowohl Peking-Unterstützer als auch Kritiker der chinesischen Zentralregierung versammelt, um zu demonstrieren. (kko/sda)

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