Brugg AG: Junger Autostöppler hält Fahrer Messer an Kehle
Aktualisiert

Brugg AGJunger Autostöppler hält Fahrer Messer an Kehle

Fritz Scheidegger nahm am Freitag einen Autostöppler mit – im Auto packte dieser ein Messer aus und hielt es ihm an die Kehle. In einem Video warnt er andere Autofahrer.

von
qll

In einem Video auf Facebook erzählt Fritz Scheidegger, wie ein Autostöppler ihm ein Messer an die Kehle hielt.

Mit über 12'000 Aufrufen sorgt ein Video auf der Facebook-Seite von Fritz Scheidegger (49) für grosses Aufsehen: Der dreifache Familienvater aus Schinznach-Bad ist am Freitagnachmittag von einem Autostöppler mit einem Messer bedroht worden, als er dieses in seinem Auto mitnahm. Der Steinbildhauer sagt zu 20 Minuten: «Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so etwas in der Schweiz passiert.»

«Nach einem Ausflug an der Aare mit meinem Hund fuhr ich von Villnachern in Richtung Brugg», erzählt Scheidegger. Gegen 14.15 Uhr habe er einen Autostöppler gesehen. Es sei ein junger Mann gewesen, der auch gut angezogen gewesen sei. «Dass etwas nicht stimmt, habe ich erst gesehen, als er bereits im Auto sass. Er hatte etwas intus.»

Nachdem er den jungen Mann während der Fahrt zum zweiten Mal gefragt habe, wo dieser hinwolle, habe dieser plötzlich ein Messer aus seiner Hosentasche gezogen. «Es machte peng und dann hatte ich ein Messer genau hier, zwischen Brust und Kehle», sagt Scheidegger im Video. Der junge Mann habe das Auto von Scheidegger gewollt und ihn aufgefordert, auszusteigen.

Fritz Scheidegger berichtete am Samstag auf Facebook.

«Also rief ich die 117 an»

Scheidegger habe das Handgelenk des Autostöpplers festgehalten und zugedrückt. «Ich sagte ihm, dass er das Messer weglegen solle, sonst würde ich ihn totschlagen», sagt Scheidegger. «Im Affekt sagt man solche Sachen.» Der Mann habe daraufhin sein Messer wieder eingepackt. Der Steinbildhauer setzte den jungen Mann am Bahnhof Brugg aus.

«Erst dann wurde mir eigentlich klar, was ich gerade erlebt habe, und dass das nicht in Ordnung war. Also rief ich die 117 an.» In wenigen Minuten seien fünf Patrouillen der Kantonspolizei Aargau ausgerückt. «Sie konnten den Mann anhand meiner Beschreibung am Bahnhof in Brugg fassen. Ich möchte der Kantonspolizei Aargau ein riesiges Kompliment machen.»

Schweizer aus dem Nachbarsdorf

Scheidegger sei dann noch am gleichen Tag zur Polizei zu einer Einvernahme gegangen. Diese habe zweieinhalb Stunden gedauert. «Der Polizist meinte: ‹Schauen Sie, Herr Scheidegger. Wir sagen allen Kindern macht keine Autostopps. Aber heute müssen wir den Erwachsenen sagen, dass sie keinen mitnehmen sollen.›»

Bei dem Autostöppler handle es sich um einen 25-jährigen Schweizer aus dem Nachbarort Schinznach-Dorf. Trotz dem erschreckenden Erlebnis habe Scheidegger keine Anzeige erstattet. «Ich habe ihn jedoch gemeldet, weil ich an andere mögliche Opfer gedacht habe.» Scheidegger warnt auch die Zuhörer über sein Video: «Passt auf. Es ist nicht mehr, wie es einmal war.»

Polizei bestätigt Vorfall

Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, bestätigt den Einsatz. «Das Opfer hat die Polizei via Notruf orientiert. Am gleichen Nachmittag konnte ein tatverdächtiger Mann anlässlich der Fahndung festgenommen und vorläufig inhaftiert werden. Es läuft eine Strafuntersuchung durch die zuständige Staatsanwaltschaft. Was die Absicht des Mannes war, wird sich zeigen.»

Dieses Ereignis vom Freitag sei ein spezieller Vorfall, so Pfister: «Die Kantonspolizei Aargau hat mit 30 bis 40 Raubüberfällen pro Jahr zu tun. Diese finden aber in einem ganz anderen Rahmen statt, beispielsweise als Überfall auf eine Tankstelle oder auf Taxifahrer, weil sie Bargeld dabeihaben.»

Die Polizei mahnt zur Vorsicht: «Im ersten Moment kann eine Person ziemlich sympathisch wirken, bis sie dann ihre wahren Absichten offenbart. Man muss sich gut überlegen, ob man jemanden mitnehmen will. Es ist immer ein Risiko, Fremde mitzuführen», sagt Pfister. «Es gibt Leute, die die Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft der Bürger ausnutzen.» So habe die Kantonspolizei Aargau einmal einen Fall gehabt, bei dem eine Person angegeben habe, angeblich eine Benzin-Panne zu haben, und dann vom Helfer Geld verlangt habe. Pfister: «Ich persönlich finde es gut, dass der Betroffene auf seine Geschichte aufmerksam macht.»

Deine Meinung