Aktualisiert 29.06.2005 21:11

Junges Gemüse

Wer eine heimelige Landbeiz erwartet, wird von Ivo Adams Restaurant Apropos enttäuscht sein. Ansonsten wird der Betrieb den hohen Erwartungen fast ganz gerecht.

Die Ziele des Restaurants Apropos sind hoch gesteckt. Einen «aussergewöhnlichen neuen Akzent» wollten die Investoren in der Schweizer Gastrolandschaft setzen, nachdem der Roggwiler Traditionsbetrieb Kaltenherberge 2002 abgebrannt war.

Also wurde am selben Ort, mitten im malerischen Oberaargau, ein kühler Neubau erstellt und Ivo Adam als neuer Mann an Bord geholt. Mit seinem Team – die Crew-Mitglieder sind alle jünger als 30 – präsentiert der junge Koch unter einem Dach verschiedene Gastronomiekonzepte: ein günstiges Bistro, ein gediegenes Restaurant, funktionale Seminarräume, eine edle Smoking-Lounge und eine Terrasse, welche «die Erwartungen der Leute übertreffen» soll, wie auf der Speisekarte vollmundig angekündigt wird.

Zumindest punkto Küche gelingt das. Die grosse Auswahl an Flammkuchen lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, der getestete Gazpacho ist genial, der üppige Tomaten-Mozzarella-Salat raffiniert gewürzt, das Kalbshohrückensteak ungemein zart und der Wok-Gemüsereis geschmackvoll. Lecker schmecken auch die hausgemachten Sorbets, und: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aussergewöhnlich gut.

Über die etwas sterile Business-Atmosphäre können aber auch das feine Essen und die Showküche nicht hinwegtäuschen. Kommt dazu, dass das Service-Personal zwar überaus freundlich, aber nicht sehr aufmerksam ist. Nachgeschenkt oder nachgeholfen wird nur auf ausdrücklichen Wunsch des Gastes – und dass der Kellner sagt: «Ich weiss, es ist eine dumme Frage. Aber haben sie den Hauptgang schon gegessen?», wirkt etwas unbeholfen. «Ein Routinier würde dem Betrieb gut tun», findet denn auch Chef Ivo Adam. Selbst wenn er über dreissig wäre.

Claudia Schlup

Apropos — Kaltenherberge, Landstrasse 53, 4914 Roggwil.

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