Royal Wedding: Jungfrau oder nicht? Wen kümmerts?
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Royal WeddingJungfrau oder nicht? Wen kümmerts?

Bei der Hochzeit von Prinz Williams Eltern anno 1981 bewegte die Frage nach Dianas Jungfräulichkeit noch die Gemüter. Im Jahr 2011 ist das Königshaus mittlerweile im 20. Jahrhundert angekommen.

Ist sie's oder ist sie's nicht: eine Jungfrau? Diese Frage bewegte noch bei der Hochzeit von Prinz Williams Eltern die Gemüter der Briten. Die Frage war derart brisant, dass sich Dianas Onkel Lord Fermoy 1981 vor die Presse stellte und öffentlich erklärte: Ja, sie ist es. Bei der Hochzeit von Dianas Sohn fragt niemand mehr nach der Jungfräulichkeit der Braut. Immerhin haben William und Kate Middleton seit ihrer Universitätszeit immer mal wieder zusammengelebt.

«Besser so!»

«Wir leben in einem modernen Zeitalter und die Menschen tun alles Mögliche, bevor sie sich niederlassen», sagt Keith Morley, ein 34-jähriger Ingenieur aus Birmingham. «Wahrscheinlich ist es das Beste, dass sie schon zusammengelebt haben, bevor sie sich das Versprechen gegeben haben.»

Auch einige Historiker sind der Ansicht, dass es für die königliche Familie Zeit wurde, die Prüderie abzulegen. Die Toleranz für den Lebenswandel von William und Kate zeigt, dass das Haus Windsor mittlerweile in der Moderne angekommen ist - wenn auch mit etwas Verspätung. Dieser Wandel mag teilweise auch mit den Skandalen zu tun haben, die die Ehe von Charles und Diana begleitet und die königliche Familie in ihren Grundfesten erschüttert haben.

Lehren aus zwei Jahrzehnten voller Skandale

«Nach zwei Jahrzehnten voller Skandale erkennt die königliche Familie meiner Meinung nach, dass es zu ihrem Vorteil ist, normaler zu sein», sagt die auf Grossbritannien spezialisierte Historikerin Deborah Cohen von der Northwestern University in Chicago. «Es ist ein pfiffiger Imagewandel. Sie strengen sich nicht länger an, anachronistisch zu sei und die Öffentlichkeit erwartet auch nicht mehr, dass sie sich an eine längst vergangene Sexualmoral halten.»

Vor Dianas Hochzeit erwarteten die königliche Familie und ihre Berater, dass sie Jungfrau ist. Das beruhte jedoch nicht auf einem Gesetz, sondern eher auf einer der ungeschriebenen Regeln, die das Leben der königlichen Familie bestimmen. Über die Jahrhunderte wandelten sich diese Regeln und wurden den sozialen Realitäten des Lebens angepasst. Verantwortlich dafür ist aber der jeweilige Monarch - hier also Königin Elizabeth II.

Sicherheitsmassnahme Jungfräulichkeit

Ausschlaggebend für die Bedingung, dass eine Frau jungfräulich in die Ehe mit einem Prinzen geht, waren praktische Gründe und nicht Moralvorstellungen. Historisch diente diese Anforderung dazu sicherzustellen, dass die Braut nicht mit dem Kind eines anderen Mannes in die Ehe kommt. Es sollte also das Fortleben des Adelsgeschlechts gesichert werden. In Zeiten von Vaterschaftstests und DNA-Analysen ist die Jungfräulichkeit der Braut allerdings keine Bedingung für ein Fortbestehen der Thronfolge mehr.

Zur Zeit von Dianas Hochzeit wurde die Frage der Jungfräulichkeit auch zu einem Symbol für den Wunsch nach Wiederherstellung der verlorenen Unschuld Grossbritanniens. Die Gesellschaft verzeichnete damals die höchste Scheidungsrate Europas und sah darin auch ein Symptom für den sozialen Zerfall des Landes.

«Heute nur noch lachhaft!»

«Was als Sorge um die Legitimität des Thronfolgers begann, bekam alle möglichen Bedeutungen im Zusammenhang mit sozialer Reinheit angehängt», sagt Cohen. «Dianas Jungfräulichkeit wurde ein Symbol für die Möglichkeit zur Rückkehr eines jeden Einzelnen zu einer unschuldigen Vergangenheit.» Heutzutage erscheine das derart altmodisch, dass man nur noch lachen könne.

William und Kate profitieren davon. Sie können ihre eigenen Leben leben, ohne das Gewicht der Erwartungen einer gesamten Gesellschaft schultern zu müssen.

(dapd)

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