«Sensationelle Entdeckung»: Jungfraujoch-Fledermäuse entzücken Forscher
Aktualisiert

«Sensationelle Entdeckung»Jungfraujoch-Fledermäuse entzücken Forscher

Ein Wetterbeobachter findet auf über 3100 Metern über Meer eine Fledermaus – und sorgt damit für eine wissenschaftliche Sensation.

von
kaf
1 / 5
Eine kleine Fledermaus auf dem Jungfraujoch überrascht Forscher: «Weltweit wurden noch nie auf Meereshöhen von über 3100 Meter Fledermäuse gesichtet», sagt Fledermausspezialist Peter Zingg.

Eine kleine Fledermaus auf dem Jungfraujoch überrascht Forscher: «Weltweit wurden noch nie auf Meereshöhen von über 3100 Meter Fledermäuse gesichtet», sagt Fledermausspezialist Peter Zingg.

zvg
Trotz den Aufpäppelungsversuchen verstarb das Tier, weil es flugunfähig, von Parasiten befallen und verletzt war.

Trotz den Aufpäppelungsversuchen verstarb das Tier, weil es flugunfähig, von Parasiten befallen und verletzt war.

zvg
Der Finder Martin Fischer ist seit 15 Jahren Betriebsleiter und Wetterbeobachter in der internationalen Forschungsstation auf dem Jungfraujoch.

Der Finder Martin Fischer ist seit 15 Jahren Betriebsleiter und Wetterbeobachter in der internationalen Forschungsstation auf dem Jungfraujoch.

zvg

Eine kleine Fledermaus auf dem Jungfraujoch bringt die Forscherwelt ins Staunen: «Das ist eine sensationelle Entdeckung», sagt der Fledermausspezialist Peter Zingg zum «Berner Oberländer». «Weltweit wurden bisher noch nie auf Meereshöhen über 3100 Metern Fledermäuse gesichtet.»

Der Kleine Abendsegler ist fünf bis sieben Zentimeter lang, bis zu 20 Gramm schwer und hat eine Flügelspannweite von 26 bis 32 Zentimetern. Das erwachsene Weibchen wurde vor einiger Zeit von Martin Fischer bei seinem Rundgang entdeckt. Der 51-Jährige arbeitet seit 15 Jahren als Betriebsleiter und Wetterbeobachter für die internationale Forschungsstation auf dem Jungfraujoch – eine Fledermaus hat er dort oben während dieser Zeit nicht gesehen. «Ich war über den Fund sehr überrascht», sagt er gegenüber 20 Minuten.

Fledermaus zum Präparieren mitgenommen

Da das Tierchen bewegungslos in einer Schneemulde lag, hielt Fischer es für tot. Er nahm es mit auf die Forschungsstation, wo er es in einen Karton legte, um es später mit Trockeneis zu präparieren. Doch als er später nochmal nach der totgeglaubten Fledermaus schaute, bewegte sie sich. «Meine Frau und ich haben sie dann aufgepäppelt», sagt Fischer. Dazu musste ein Forscher extra Katzenmilch aufs Joch bringen. «Wir haben die Fledermaus damit gefüttert und dann mit ins Tal genommen.»

Unten angekommen, übergaben sie das Kleine Abendsegler-Weibchen dem Fledermausforscher Peter Zingg. Dieser konnte das Tier jedoch nicht mehr retten, da es flugunfähig, von Parasiten befallen und offensichtlich verletzt gewesen sei. Etwas traurig über das Ableben sei Fischer schon: «Wir haben natürlich gehofft, dass es überlebt.» Doch sie seien erstaunt gewesen, dass es überhaupt so lange lebte. «Es hatte bereits Erfrierungen an den Flügeln.»

268 Fledermausfrequenzen in 36 Nächten

Nach seinem Sensationsfund sammelte Fischer mit einem Ultraschallaufzeichner Daten zu den Fledermäusen. Dieser Detektor registrierte während 36 Nächten insgesamt 268 Fledermaus-Frequenzen von acht verschiedenen Arten. Dies ist laut Zingg wahrscheinlich nur ein Bruchteil aller Tiere, die tatsächlich über das Jungfraujoch fliegen, da das Gerät nur eine Reichweite von 20 bis 60 Metern hat.

Gesehen hat Fischer seit dem einen Tier aber keine mehr: «Hier hat es keine Insekten, also jagen sie nicht.» Ausserdem gehe man auf dem Jungfraujoch abends nicht mehr aus dem Haus und verpasse so die nachtaktiven Tiere auf ihrem Flug über die Alpenkette.

Deine Meinung