25.08.2015 04:00

Street ParadeJungfreisinnige gehen bei Ravern auf Stimmenfang

Gras-Legalisierung und pro Homo-Ehe: Damit wollen Jungfreisinnige an der Street-Parade Wählerstimmen holen. Falls sie beim Flyern erwischt werden, droht ihnen eine Anzeige.

von
zed
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Die Jungfreisinnigen des Kantons Zürich wollen die diesjährige Street-Parade zu ihren eigenen Zwecken nutzen und mit Flyern auf ihr Parteiprogramm aufmerksam machen.

Die Jungfreisinnigen des Kantons Zürich wollen die diesjährige Street-Parade zu ihren eigenen Zwecken nutzen und mit Flyern auf ihr Parteiprogramm aufmerksam machen.

Keystone/Walter Bieri
Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Zürich, möchte damit die Aufmerksamkeit auf seine Partei lenken.

Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Zürich, möchte damit die Aufmerksamkeit auf seine Partei lenken.

Sandra Winiger
Grosse Themen sind dabei die Cannabis-Legalisierung und die Freiheit der Bürger.

Grosse Themen sind dabei die Cannabis-Legalisierung und die Freiheit der Bürger.

Jungfreisinnige Zürich

Für die Street-Parade planen die Jungfreisinnigen des Kantons Zürich eine besondere Aktion: Sie wollen die Gelegenheit nutzen, um ein junges Publikum auf ihre politischen Ideale aufmerksam zu machen. «Wir haben extra einen Flyer konzipiert, den wir in kleinen Gruppen an die Feiernden verteilen werden», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Zürich.

Die Idee, die Street-Parade zu ihren Zwecken zu nutzen, kam den Jungfreisinnigen schon vor einigen Monaten. «Unsere Haltung ist nichts Neues und wir wissen auch, dass sie von vielen jungen Leuten unterstützt wird», so Silberschmidt. Daher sei die Veranstaltung gut geeignet, ihre Zielgruppe zu erreichen. «Wir gehen natürlich nicht im Anzug dorthin. Wir passen uns dem Partyvolk an, dann finden wir Gehör.»

«Das ist nicht tolerierbar»

Besonders Themen wie die Homo-Ehe oder die Legalisierung von Cannabis sind auf den Flyern vertreten. Silberschmidt fasst die Kernbotschaft der Jungfreisinnigen wie folgt zusammen: «Solange ich niemandem schade, sollte ich auch nicht eingeschränkt werden.» Dass es an der Street Parade wegen des Abfalls nicht erlaubt ist, Flyer zu verteilen, weiss Silberschmidt – da dies auf öffentlichen Plätzen aber normalerweise zugelassen wird, verzichten sie darauf, eine Bewilligung einzuholen.

Eine Haltung, die Street-Parade-Sprecher Stefan Epli erstaunt: «Flyern ist verboten – egal, ob es sich um politische Botschaften oder Partyeinladungen handelt.» Die Street Parade ist politisch neutral. «Dass man sie als Trittbrettfahrer für die Anpreisung von Parteiprogrammen missbraucht, ist nicht tolerierbar.» Erwischen die Organisatoren Personen, die Flyer verteilen, werden diese festgehalten, der Polizei übergeben und man erstatte Anzeige.

«Verhaftung könnte ihnen zugutekommen»

Politikberater Mark Balsiger ist ohnehin skeptisch: «Ich frage mich, ob die Raver an der Street Parade überhaupt Interesse daran haben, sich über Politik Gedanken zu machen.» Zudem käme die Mehrzahl der Besucher nicht einmal aus dem Kanton Zürich und sei daher für die Kampagne der Jungfreisinnigen uninteressant. «Verlieren können die Aktivisten dennoch nicht viel», so Balsiger. «Selbst eine Verhaftung könnte ihnen zugutekommen – falls es ihnen gelänge, die anschliessende Debatte auf die Themen ihrer Kampagne zu lenken.»

Die Jungfreisinningen sind dieses Jahr nicht die ersten Politiker, die die Street Parade für Stimmenfang nutzen wollen: «Als enthusiastischer Musik- und Partyfan ist Hans-Ueli Vogt von der Street Parade begeistert.» Mit diesem Satz und einem Bild des Technoanlasses warb der Zürcher SVP-Ständeratskandidat Anfang Juni in ganzseitigen Zeitungsinseraten. Street-Parade-Präsident Joel Meier freute sich über den politischen Support.

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