Kryptowährungen: Jungfreisinnige nehmen Bitcoin-Spenden an
Aktualisiert

KryptowährungenJungfreisinnige nehmen Bitcoin-Spenden an

Die Jungfreisinnigen Schweiz wollen Bitcoin-Fans anlocken: Ab sofort nimmt die Jungpartei Kryptospenden entgegen. Die Juso kritisiert die Idee.

von
Silvana Schreier
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Kryptowährungen beherrschen seit Monaten die Schlagzeilen. Nun springt auch eine Schweizer Jungpartei auf den Zug auf.

Kryptowährungen beherrschen seit Monaten die Schlagzeilen. Nun springt auch eine Schweizer Jungpartei auf den Zug auf.

Keystone/Alexandra Wey
«Als Partei sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Und die Leute aus der Bitcoin-Szene wollen vermehrt in die Politik», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz. Mit der Krypto-Spendenmöglichkeit wolle man diese Personen ins Boot holen.

«Als Partei sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Und die Leute aus der Bitcoin-Szene wollen vermehrt in die Politik», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz. Mit der Krypto-Spendenmöglichkeit wolle man diese Personen ins Boot holen.

Keystone/Anthony Anex
FDP-Nationalrat Ruedi Noser lobt die Jungfreisinnigen: «Ich finde das sehr positiv und würde mich freuen, wenn die FDP auch mitmacht.»

FDP-Nationalrat Ruedi Noser lobt die Jungfreisinnigen: «Ich finde das sehr positiv und würde mich freuen, wenn die FDP auch mitmacht.»

Keystone/Anthony Anex

Der Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin ist gross – auch in der Schweiz. Als erste Schweizer Partei springen nun die Jungfreisinnigen Schweiz auf den Bitcoin-Zug auf: Neu können Spenden in Form von Kryptogeld an die Jungpartei gezahlt werden. Dadurch erhoffen sich die Jungfreisinnigen mehr Spenden und eine Diskussion über die digitalen Währungen.

«Als Partei sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Und die Leute aus der Bitcoin-Szene wollen vermehrt in die Politik», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz. Mit der Möglichkeit von Kryptospenden wolle man diese Personen ins Boot holen. Auf der Website der Jungpartei kann darum in drei Kryptowährungen bezahlt werden: Bitcoin, Ethereum und Ripple.

«Digitalisierung ist unser Kernthema»

Im Dezember sei die Partei angefragt worden, ob man Kryptogeld spenden könne. Silberschmidt: «So kamen wir auf die Idee.» Die Jungfreisinnigen rechnen sich aus, dass 2018 etwa zehn Prozent der gesammelten Spenden aus Kryptogeld stammen könnten. «Das wären optimistisch gesehen 10'000 bis 20'000 Franken.» 2017 hätten sie durch gewöhnliche Spenden insgesamt rund 200'000 Franken eingenommen.

Laut Silberschmidt müsse sich die Schweiz die Frage stellen, «ob man innovative Köpfe und Unternehmen hierher holen möchte oder ob die Kryptotechnologie an uns vorbeizieht». Gerade in dieser Diskussion wollten die Jungfreisinnigen eine Rolle spielen. Denn: «Die Digitalisierung und der offene Umgang damit gehören zu unseren Kernthemen.»

Woher kommt das Kryptogeld?

Bitcoins stehen immer wieder in der Kritik, weil sie im Darknet als Zahlungsmittel für Drogen, Waffen oder Prostitution verwendet werden. Gerade die Anonymität der Währung mache sie für zwielichtige und teils illegale Geschäfte attraktiv. Dazu sagt Silberschmidt: «Dieses Risiko besteht auch bei klassischen Spenden und kann leider nie ganz eliminiert werden.» Die Jungfreisinnigen würden mit Softwarelösungen arbeiten, die erkennen sollen, ob das Kryptogeld aus einer Quelle stammt, die auf der schwarzen Liste von Behörden und Institutionen steht.

Noch steht die Jungpartei mit der Kryptowährung allein da: «Es wäre cool, wenn die FDP auch mitmachen und sich innovativ zeigen würde», so Silberschmidt. Bei der Mutterpartei ist man aber zurückhaltend: «Die Idee ist innovativ und zeitgerecht. Aber wir werden vorerst die Erfahrungen der Jungfreisinnigen abwarten, bevor wir uns überlegen, ebenfalls einzusteigen», sagt FDP-Kommunikationschef Martin Stucki.

Juso hält Bitcoin-Hype für «eindeutig nicht nachhaltig»

Die Jungsozialisten haben ebenfalls Bedenken: «Solange die Kryptowährung Bitcoin so umweltschädlich ist wie jetzt, kommt das für uns nicht infrage», sagt Juso-Zentralsekretärin Julia Baumgartner. Denn verschiedene Berichte hätten gezeigt, dass «Bitcoins mehr Energie verbrauchen als manche Staaten». Der Stromverbrauch sei derart hoch, da die Computer komplexe Rechenaufgaben lösen müssten. Zudem führe der Hype um die Währung zu einer riesigen Blase, die für die Gesamtwirtschaft gefährlich werden könnte, wenn es so weitergehe. «Es ist eine spannende Technologie, aber dieser Hype ist eindeutig nicht nachhaltig», so Baumgartner.

Was man über Bitcoin wissen muss

Die Kryptowährung sorgt für Schlagzeilen.

Was man über Bitcoin wissen muss. (Video: Tamedia/AFP)

FDP-Nationalrat Ruedi Noser hingegen lobt die Jungfreisinnigen: «Ich finde das sehr positiv und würde mich freuen, wenn die FDP auch mitmacht.» Denn die Kryptowährungen würden sich langfristig gesehen durchsetzen – «das ist nur eine Frage der Zeit». Für Noser ist es selbstverständlich, dass man sich mit den neuen Währungen auseinandersetzt. Er selbst habe auch schon Bitcoins gekauft.

«Schweiz soll Krypto-Nation werden»

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat Mitte Januar an der Krypto-Konferenz in St. Moritz teilgenommen. Er machte sich dort für die Kryptowährungen stark: «Ich will mithelfen, Chancen zu eröffnen», so der Bundesrat in einem Interview mit SRF. Im Kanton Zug nehmen die Behörden seit 2016 Bitcoins für die Gebühren auf der Einwohnerkontrolle oder beim Handelsregister entgegen. Zug wird deshalb «Crypto Valley» genannt. «Wenn die Erfahrungen in Zug positiv sind, können wir das auf die Nation ausdehnen», sagt Schneider-Ammann zu SRF. Es müsse dann nicht beim «Crypto Valley» bleiben: «Die Schweiz soll die Krypto-Nation werden.» (sil)

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