Verbot von «Knebelverträgen»?: Jungfreisinnige wollen Booking.com schützen

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Verbot von «Knebelverträgen»?Jungfreisinnige wollen Booking.com schützen

Schweizer Hoteliers beklagen sich über die grosse Macht von Buchungsplattformen wie Booking.com. Bindet sie der Ständerat heute zurück?

von
daw

Andri Silberschmidts Appell an den Ständerat: «Die Konsumenten profitieren.» (Video: Andri Silberschmidt)

Immer mehr Hotelübernachtungen in der Schweiz werden über wenige Buchungsportale mit Sitz im Ausland gebucht – kaum ein Hotel kann es sich noch leisten, sich nicht über diese Kanäle zu vermarkten.

Die Online-Plattformen stehen jedoch zunehmend in der Kritik: Hotels beklagen sich über hohe Kommissionen und «Knebelverträge». So ist es Hoteliers, die sich etwa via Booking.com oder Expedia vermarkten, nicht erlaubt, günstigere Angebote auf der eigenen Hotel-Website anzubieten. Umgehen lässt sich die sogenannte enge Preisparitätsklausel höchstens mit dem Trick einer telefonischen Buchung.

Untersagt der Ständerat die Klausel?

Solche «Knebelverträge» könnte der Ständerat heute verbieten. Traktandiert ist eine entsprechende Motion von CVP-Ständerat Pirmin Bischof. Die vorberatende Wirtschaftskommission empfiehlt den Vorstoss mit 9 zu 1 Stimmen zur Annahme. Bischof begründete die Forderung damit, dass die Vormachtstellung der Portale die unternehmerische Freiheit der Hoteliers bei der Preisgestaltung einschränke. Der Konzern, zu dem Booking.com gehört, hat hierzulande einen Marktanteil von rund 70 Prozent.

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Die vorberatende Kommission spricht von «einengender Preispolitik» der Buchungsplattformen: Geht der Ständerat ihnen heute an den Kragen?

Die vorberatende Kommission spricht von «einengender Preispolitik» der Buchungsplattformen: Geht der Ständerat ihnen heute an den Kragen?

Keystone/Steffen Schmidt
Für die Hotellerie ist das Aufkommen von Buchungsplattformen eine Herausforderung.

Für die Hotellerie ist das Aufkommen von Buchungsplattformen eine Herausforderung.

Keystone/Jean-christophe Bott
Einerseits können die Hotels dank den Vermittler-Sites eine grosse Zahl an potenzieller Kundschaft in verschiedenen Märkten erreichen.

Einerseits können die Hotels dank den Vermittler-Sites eine grosse Zahl an potenzieller Kundschaft in verschiedenen Märkten erreichen.

Keystone/Dominic Favre

In einem Argumentarium des Branchenverbandes Hotelleriesuisse heisst es dazu: «Der Hotelier ist heute praktisch gezwungen, derjenigen Online-Buchungsplattform die besten Preise und die Verfügbarkeiten zu gewähren, welche das grösste Volumen bringt. Und dies ist eindeutig Booking.com.»

Darum tolerierten Deutschland, Österreich und Frankreich solche Klauseln nicht mehr, in Italien sei ein Verbot geplant. Bischof warnt im Motionstext, der Schweizer Tourismus erleide einen weiteren Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Konkurrenten, wenn die Schweiz nicht mitziehe.

Jungfreisinn gegen den Heimatschutz

Vor der Debatte im Ständerat appellieren die Jungfreisinnigen an den Ständerat, auf ein Verbot der «Knebelverträge» zu verzichten – dem «intensiven Lobbying» von Hotelleriesuisse zum Trotz.

Präsident Andri Silberschmidt sagt im Video (siehe oben): «Der Ständerat will die Digitalisierung aufhalten. Es ist nicht Sache der Politik, Geschäfte zu verhindern und uns Konsumenten in der Wahlfreiheit einzuschränken.» Dass Buchungsplattformen eine Gebühr verlangen, ist in seinen Augen legitim. Die Portale erlaubten es auch kleineren Hotels, Reisende auf der ganzen Welt abzuholen.

«Gebühr ist nötig gegen Trittbrettfahrer»

Der Chef von Booking in Europa, Peter Verhoeven, hatte den Vorwurf, «Knebelverträge» abzuschliessen, bereits im November gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zurückgewiesen: «Wir schliessen mit Beherbergungspartnern ziemlich einfache Verträge ab. Wir verlangen keine Grundgebühr, keine Eintrittsgebühr, keine minimale Vertragsdauer.» Die Kommission werde nur fällig, wenn ein Kunde über Booking eine Übernachtung buche und im betreffenden Hotel auch übernachte und zahle.

Die Klausel sei nötig. Ansonsten würden Kunden das Hotel zwar über Booking finden, aber auf der Website des Hotels direkt günstiger buchen. «Damit hätte Booking die Marketingkosten gezahlt und das Hotel könnte gratis als Trittbrettfahrer profitieren.»

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