Zweite Chance: Jungleiter (15) darf trotz rassistischer Hetze in der Cevi bleiben
Aktualisiert

Zweite ChanceJungleiter (15) darf trotz rassistischer Hetze in der Cevi bleiben

Ein Leiter der christlichen Jugendorganisation Cevi hat rassistische Äusserungen gemacht. Ausgeschlossen aus der Cevi wird der Thurgauer vorerst nicht. Er soll eine zweite Chance erhalten.

von
Michel Eggimann
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Ein Jungleiter der Cevi bewirtschaftet eine Gruppe mit dem Namen «Anti Shipi Eidgenossen».

Ein Jungleiter der Cevi bewirtschaftet eine Gruppe mit dem Namen «Anti Shipi Eidgenossen».

KEYSTONE
Die Gruppe dient dem Austausch von rassistischem Gedankengut, wie diese Tage bekannt wurde .

Die Gruppe dient dem Austausch von rassistischem Gedankengut, wie diese Tage bekannt wurde .

Twitter
Eine Whistleblowerin hatte via Twitter auf das Treiben des Cevi-Leiters aufmerksam gemacht.

Eine Whistleblowerin hatte via Twitter auf das Treiben des Cevi-Leiters aufmerksam gemacht.

Twitter

Darum gehts

  • Ein Jungleiter der christlichen Kinder- und Jugendgruppe der Cevi betreibt eine rassistische Whatsapp-Gruppe.
  • Die rassistischen Aussagen wurden letzte Woche auf Twitter publiziert.
  • Der Jungleiter darf vorerst in der Cevi bleiben.
  • Intern wurde nochmal klar gemacht, dass man ein solches Verhalten nicht tolerieren würde.

Der 15-jährige Cevi-Leiter J. S.* aus dem Thurgau betrieb eine Whatsapp-Gruppe mit dem Namen «Anti Shipi Eidgenossen». Diese diente dem Austausch von fremdenfeindlichem Gedankengut. Aufgeflogen war der Cevi-Leiter, nachdem eine Insiderin letzte Woche Auszüge aus den Gruppenchats auf Twitter publik machte. «Wer findet, dass Ausländer an eine Mauer gestellt und einer nach dem anderen erschossen werden sollte?», hiess es darin etwa.

In der Folge wurde die Insiderin massiv unter Druck gesetzt, wie sie gegenüber 20 Minuten ausführt. Eine Cevi-Kollegin von J. S. habe sie rassistisch beleidigt. Gleichzeitig habe sie J. S. in Schutz genommen: Die Ausländer seien selber Schuld daran, dass man sich so über sie äussere.

J. S. selber wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht äussern.

Cevi

Der Cevi ist der drittgrösste Jugendverband in der Schweiz. Rund 13’000 Mitglieder treffen sich in über 200 lokalen Vereinen. Der Cevi bietet Jugendarbeit, Hilfe und Stärke für Mitmenschen sowie verschiedene Möglichkeien, die Persönlichkeit zu entwickeln an. Wer in der Cevi arbeitet, ist meistens noch in jugendlichem Alter und tut dies ehrenamtlich.

Vereinbarung getroffen

Cevi Schweiz, der nationale Dachverband der einzelnen Sektionen, bedauert den Vorfall. Mediensprecher Felix Furrer sagt, der Jungleiter zeige sich einsichtig und bereue sein Verhalten. Weiter meint Furrer: «Zwischen der Abteilungsleitung, externen Coaches und dem Betroffenen wurde eine Vereinbarung getroffen und es wurde klar gemacht, dass ein solches Verhalten nicht unseren Werten entspricht und nicht toleriert werden kann.» Dennoch solle der Jugendliche eine zweite Chance erhalten.

Die getroffene Vereinbarung bleibe intern. Furrer versichert, dass Cevi Schweiz, wie auch alle ihm angeschlossenen Vereine, viel in die Bereiche Aus- und Weiterbildung investiere. Dabei gehe es auch um Anti-Diskriminierung. Zudem meint Furrer, beim betroffenen Chat handle es sich gemäss ihren Informationen nicht explizit um einen Cevi-Chat.

Die persönlichen Gesinnungen von allen Mitgliedern ganz genau zu kennen, sei fast unmöglich, sagt der Sprecher weiter. Das sei nicht nur bei der Cevi so, sondern auch bei anderen Vereinen.

Insiderin will nicht aufgeben

Die Insiderin kann die Haltung der Cevi nicht verstehen. Sie sagt: «Ich habe den Tweet gemacht, weil ich die Kinder vor dieser Person schützen wollte. Ich werde ihn erst löschen, wenn ich sicher bin, dass die Kinder in der Cevi ihm nicht mehr ausgesetzt sind.»

*Name der Redaktion bekannt

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