Aktualisiert 14.10.2009 09:39

Buchmarkt

Jungleser sind auch ohne Potter Leseratten

Schweizer Jugendliche bleiben auch nach dem Ansturm auf die Harry-Potter-Bücher Leseratten. Insgesamt ging der Umsatz der Branche dieses Jahr bisher um rund zwei Prozent zurück. Der neue Dan Brown, der am Mittwoch in die Regale kam, soll dies ändern.

Das Interesse am Lesen ist laut Andras Nemeth von Orell Füssli bei den Jugendlichen gestiegen. «Wir haben mit Harry Potter dank den mehreren Bänden über Jahre hinweg einen riesigen Hype erlebt», erklärte er.

Gerade der Bereich Fantasy laufe zur Zeit relativ gut. So seien inzwischen viele ähnliche mehrbändige Geschichten auf den Markt gekommen. Eine Ankurbelung des Geschäfts erwartet Nemeth insbesondere vom neuen Buch von Dan Brown «Das verlorene Symbol». Bereits die englische Ausgabe belege den ersten Platz auf der Schweizer Bestseller-Liste. Dies sei zuvor nur Harry Potter gelungen.

Ebenfalls einen Ansturm erwartet das Geschäftsleitungsmitglied der Orell Füssli Buchhandlungs AG zum Verkaufsstart des neuen Buches von Frank Schätzing. «Diese zwei Titel sollten unser Geschäftsjahr retten», erklärte Nemeth. Die Branche spüre zwar in Folge der Wirtschaftskrise die Zurückhaltung der Kunden ein wenig, die Situation sei aber nicht vergleichbar mit anderen Branchen.

Mehr Beraterliteratur in Krisenzeiten

Auch Ex-Libris-Sprecher Roger Huber bestätigte, dass es mehr Leseratten unter den Jugendlichen gebe. Vor allem die jüngere und aktuellere Literatur verkaufe sich sehr gut. Die Migros-Tochter führt dies auch auf den Produktemix mit CD, Filmen, Games und Büchern zurück. Aber auch beim restlichen Publikum stiessen Bücher wieder auf ein grösseres Interessen.

«Bücher werden wieder von einer deutlich breiteren Schicht gelesen», sagte Huber, und fügte hinzu: «Das Angebot ist unglaublich.» Allein in diesem Jahr seien im deutschsprachigen Raum bereits 100 000 Neuausgaben auf dem Markt gekommen. Am Boomen seien vor allem Ratgeber-Bücher. Die Hilfe in solchen Büchern sei wegen der Wirtschaftskrise besonders gefragt.

Der Buchhandel sei auch in Krisenzeiten eine stabile Branche, sagte Huber. Allerdings spiele der Preis durchaus eine Rolle, wie der grosse Erfolg der 30-Prozent-Aktion von Ex Libris zeige. Auch bei der Migros-Tochter freut man sich auf den neuen Dan Brown. Schweizweit hätten die Buchhändler wohl bereits um die 20 000 Vorbestellungen, sagte Huber. Geliefert werden insgesamt 800 000 Exemplare.

Zwei Prozent Rückgang verzeichnet

«Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass Jugendliche tendenziell mehr lesen», sagte auch Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV). So verkaufe sich die Kinder- und Jugendliteratur gut. Dies mache Mut für die Zukunft, dass das Buch einen wichtigen Stellenwert behalte. Dabei sei es für die Branche im bisherigen Jahresverlauf nicht gut gelaufen.

So resultiere im Vorjahresvergleich momentan ein kumulierter Umsatzrückgang um etwa zwei Prozent. Mit etwas Glück könne der deutsche Brown die Minuszahlen aber auffangen. Dabei müsse aber beachtet werden, dass bereits das Vorjahr nicht gerade gut gewesen sei. Es sei zwar schön, wenn das neue Brown-Buch die Verkaufszahlen heben könne, sagte Landolf. Es sei aber nur eines von 100 000 Büchern. Wichtig sei die kulturelle Vielfalt. (dapd)

Neue Runde im Streit um Buchpreisbindung

Der Streit um die Buchpreisbindung geht ab dem 14. Oktober in eine neue Runde. Die ständerätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) hat das Thema traktandiert. Uneinigkeit herrscht in der Branche selbst.

Die Buchpreisbindung wurde in der Deutschschweiz im Mai 2007 aufgehoben, nachdem das Bundesgericht sie als unzulässige Wettbewerbsbeschränkung beurteilt hatte. Ganz vom Tisch ist die Buchpreisbindung nach jahrelangem Seilziehen dennoch nicht. So legte die nationalrätliche WAK im Oktober 2008 die Eckpfeiler für die neue Buchpreisbindung in der Schweiz fest. In der Vernehmlassung war der Vorentwurf heftig bestritten und auch der Bundesrat stellte sich dagegen. Dennoch stimmte der Nationalrat im vergangenen Mai dem neuen Gesetz zu. Es kommt nun vor die Kleine Kammer weiter, deren vorberatende Kommission sich am Freitag damit befasst.

Umstritten ist die Buchpreisbindung aber auch in der Branche selbst. Wenn nur wenige Titel grosse Umsätze bei den wenigen grossen Discountern erzielten, laufe dies auf eine Verarmung hinaus, sagte Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV). Mit der Fokussierung würden viele Bücher aus dem Handel verdrängt. Dabei sei es wichtig, dass auch kleinere Verleger und neue Autoren die Chance hätten, in den Handel zu kommen. Dazu würde die Buchpreisbindung beitragen.

Anders beurteilt Ex-Libris-Sprecher Roger Huber die Buchpreisbindung. Ein tieferer Einstiegspreis bedeute eine tiefere Barriere für Investitionen in Bücher. Das vom Verband wegen der fehlenden Buchpreisbindung gemalte Horrorszenario eines Buchhandlungen-Sterben sei bis jetzt nicht eingetroffen.

(AP)

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