Von links bis rechts: Jungpolitiker zeigen ihre Glamour-Seite auf Insta
Aktualisiert

Von links bis rechtsJungpolitiker zeigen ihre Glamour-Seite auf Insta

Party, Champagner, Anzüge und Golfschläger: Auf Social Media präsentieren sich männliche Politiker gern mal als «Rich Kids».

von
Mira Weingartner
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Wer liegt denn hier mit schmachtendem Blick im Bett und macht ein Selfie? Kleiner Tipp: Er ist Präsident einer Jungpartei.

Wer liegt denn hier mit schmachtendem Blick im Bett und macht ein Selfie? Kleiner Tipp: Er ist Präsident einer Jungpartei.

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Er posiert auch gern mal mit jungen Frauen auf einer Yacht – oben ohne, versteht sich.

Er posiert auch gern mal mit jungen Frauen auf einer Yacht – oben ohne, versteht sich.

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Richtig, es ist Andri Silberschmidt von den Jungliberalen.

Richtig, es ist Andri Silberschmidt von den Jungliberalen.

Sandra Winiger

Während der Präsident der Jungfreisinningen, Andri Silberschmidt (23), in Badehosen und in Begleitung junger Frauen vor einer Jacht posiert, präsentiert Vorstandskollege Pascal Stäheli (27) öfter seine teure Zigarren- und Whiskey-Sammlung auf Instagram.

Das Interesse für Bling-Bling-Posts scheint aber nicht nur bei Jungfreisinnigen vorhanden zu sein: So präsentiert sich der Berner Stadtrat und BDB/CVP-Fraktionspräsident Philip Kohli (25) auf Instagram mal oben ohne vor einem teuren Bentley-Cabrio, dann postet er Bally-Geschenke oder lichtet sich auf dem Golfplatz ab. Auch Silberschmidt und SVP-Nationalrat Erich Hess (35) ernten von der Insta-Community für ihre Golf-Abschläge unzählige Likes.

Während Hess seine Follower zusätzlich mit Pärchen- oder Hunde-Selfies bei Laune hält, ist das Programm seines Parteikollegen Adrian Spahr (22) monothematischer: Dieser veröffentlicht auf Instagram auffällig viele Fotos seines durchtrainierten Oberkörpers – als Spiegel-Selfie, im Sonnenlicht oder gern auch in Nahaufnahme. Diese Posts wechseln sich regelmässig mit Fotos seines teuren Audis und Armee-Erinnerungsfotos ab.

«Null Planung» und #justforfun

Steckt dahinter politisches Kalkül oder sind die Posts #justforfun? «Ich finde es wichtig, dass man auf Instagram authentisch rüberkommt», sagt Andri Silberschmidt. Auf dieser Plattform sei er vor allem privat unterwegs – «für mein Profil habe ich also auch keine Redaktionsplanung», sagt der Politiker mit der stets perfekten Frisur. «Null Planung» hat auch BDPler Kohli bei der Bewirtschaftung seines Accounts. Und wieso all dieser Luxus? «Ich veröffentliche, was mir gefällt.» Er habe zwar eine Vorliebe für «schöne, ästhetische, einzigartige oder spezielle» Sachen, «doch oberflächlich bin ich nicht». Allgemein nutze er Instagram nicht mit politischer Absicht, «dafür ist das Format gar nicht geeignet».

Dem widerspricht Experte Flavio Bundi. Als Bereichsleiter des Portals Easyvote versucht er unter anderem via Instagram, die junge Generation zu politisieren: «Die Plattform kann Politik und Politiker den Jugendlichen näherbringen.»

Sixpack-Spahr weckt Interesse für seine Politik

Diese Erfahrung hat auch JSVPler Adrian Spahr gemacht. Dank den verwendeten Hashtags wie #patriot oder etwa #jsvp würde er die gewünschte Zielgruppe erreichen. «Ich erhalte deshalb immer wieder Anfragen von jungen Instagramern, die sich für meine Politik interessieren oder gar unserer Partei beitreten wollen.» Parteiintern habe er aber auch schon Rüge erhalten, «meine Waffen-Bilder sehen vielleicht manchmal schon etwas gefährlich aus».

Das A und O auf Instagram sei es, die Sprache der Nutzer zu beherrschen, weiss Experte Bundi: «Dazu gehört auch, Persönliches preiszugeben.» Besonders lobt er dabei das Profil von Silberschmidt: «Er hat einen guten Mix aus Persönlichem und Politischem.» Instagramer würden genau auf solche Profile abfahren.

Polarisiernde Posts können Interesse wecken

Ob sich aber etwa Kohli bewusst sei, dass auch er auf Instagram als Politiker wahrgenommen werden könnte, kann Bundi nicht einschätzen. «Man muss der Community zwar nah sein, doch stets gilt es zu prüfen, welche Message man mit seinen Beiträgen verbreitet.»

Im Grossen und Ganzen glaubt Flavio Bundi aber, dass die Botschaft der einzelnen Polit-Instagramer bei der Zielgruppe ankommt. «Gerade polarisierende Posts wecken Interesse – vielleicht googelt dann jemand die Typen und merkt, dass sie auch politisch interessant sein könnten.»

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