Kleidervorschriften am Gymi: Jungpolitikerinnen finden es «nur noch peinlich»

Aktualisiert

Kleidervorschriften am GymiJungpolitikerinnen finden es «nur noch peinlich»

Die einseitigen Kleidervorschriften am Gymnasium im Oberaargau stossen bei der Jungen SVP ebenso auf Kritik wie bei der Juso.

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hvw
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Camille Lothe (JSVP ZH) hält nichts von Kleidervorschriften: «Gymischülerinnen wissen selber, wie sie sich anziehen sollen!»

Camille Lothe (JSVP ZH) hält nichts von Kleidervorschriften: «Gymischülerinnen wissen selber, wie sie sich anziehen sollen!»

zvg
Tamara Funiciello (Juso) ist sich mit ihrer politischen Gegnerin einig: «Als wären Männer hormongesteuerte Monster, die sich bei drei Zentimetern nackter Haut nicht mehr beherrschen können!»

Tamara Funiciello (Juso) ist sich mit ihrer politischen Gegnerin einig: «Als wären Männer hormongesteuerte Monster, die sich bei drei Zentimetern nackter Haut nicht mehr beherrschen können!»

Keystone/Nick Soland
Camille Lothe zeigt sich in sozialen Medien selber gerne freizügig.

Camille Lothe zeigt sich in sozialen Medien selber gerne freizügig.

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Camille Lothe und Tamara Funiciello sind sich selten einig. Die Präsidentin der Jungen SVP Kanton Zürich und die Juso-Chefin stehen sich politisch als Gegnerinnen gegenüber.

Im Falle der Kleidervorschriften am Gymnasium Oberaargau sind die Reaktionen aber gleich: «Das ist nur noch peinlich», sagt Lothe (24), eine «Schande für die Gesellschaft», doppelt Funiciello (28) nach.

Genau gleichzeitig machten sie auf Twitter ihrem Unmut über die die Richtlinien der Schulleitung Luft, die den jungen Frauen züchtigere Kleidung empfiehlt.

Das Gymi Oberaargau und die neue Kleidervorschrift

Die junge SVP-Politikerin stört sich vor allem an der Begründung zum neuen Reglement: Mit ihrem Kleidungsstil würden die Schüler ohne Worte eine Aussage machen, schreibt die Schulleitung. «Das heisst also, Frauen, die sich freizügig kleiden, senden eine Einladung an Männer, sich respektlos zu verhalten.» Die Schulleitung degradiere so Mädchen und junge Frauen zum Objekt sexueller Begierde, sagt Lothe.

«Hormongesteuerte Monster»

Funiciello findet das auch eine Beleidung für die «Giele». «Das klingt so, als wären Männer hormongesteuerte Monster, die sich bei drei Zentimetern nackter Haut nicht mehr beherrschen können», sagt die Jungsozialistin. Für sie ist klar: «Wir sollen tragen können, was wir wollen, ohne dass wir angeglotzt oder betatscht werden!»

Beide Jungpolitikerinnen betonen die Eigenverantwortung der Schüler und Schülerinnen, was ihre Kleidung anbelangt. «Der Sinn des Gymnasiums ist ja gerade, junge Menschen zu mündigen Bürgern zu erziehen», sagt Funiciello.

Sind die beiden überrascht, dass sich rechts und links für einmal einig sind? In diesem Fall nicht, sagt die Zürcher JSVP-Präsidentin. Und die Juso-Chefin meint: «Sexismus erleben alle Frauen, unabhängig von ihrer politischen Einstellung.»

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