Aktualisiert 08.03.2013 12:25

Phänomen SextingJungs sammeln sexy Fotos wie Panini-Bildchen

Erotik-Fotos von Mitschülerinnen gelten bei Teenies als Statussymbole. Die Uni Basel plant dazu nun die erste Schweizer Studie.

von
Samuel Hufschmid
Mit Bildern von Mitschülerinnen wird wie mit Panini-Bildchen gehandelt.

Mit Bildern von Mitschülerinnen wird wie mit Panini-Bildchen gehandelt.

«Pornos gelten als etwas für Loser, die selber keine Frau ins Bett kriegen», schildert Gender-Forscherin Dominique ­Grisard die Einstellung vieler Jugendlicher. «Viel begehrter sind heute Nacktfotos von Mädchen aus dem eigenen Bekanntenkreis. Solche Bilder sind für die Jugendlichen zu Statussymbolen geworden. Entsprechend wird damit untereinander gehandelt wie früher mit Panini-Bildchen.»

Sexting heisst das Phänomen, das gemäss Jugendarbeiter Roger Gafner auch bei Jugendlichen in der Region verbreitet ist. Aktuelle Studien zum Thema zeigen, dass mindestens 15 Prozent der Jugendlichen Erfahrungen mit Sexting haben. Dabei ist die Grenze zwischen Sexting und Mobbing laut Forscherin Grisard unscharf: «Studien aus England zeigen, dass der Gruppendruck eine wichtige Rolle spielt. Mädchen werden teilweise dazu gedrängt, Bilder von sich zu schicken. Auch sind Fälle bekannt, bei denen sich junge Männer gegenseitig zur Herausgabe von Fotos gezwungen haben», so Grisard.

In der Schweiz ist das Phänomen bisher schlecht untersucht. Genauere Zahlen soll eine breit angelegte Nationalfonds-Studie der Universität Basel liefern, die derzeit geplant wird und im nächsten Jahr starten soll.

Beat Burkhardt*, ist Sexting in der Schweiz verboten?

Wenn sich Jugendliche unter 16 Jahren pornografische Bilder schicken oder zeigen, ist das strafbar. Selbst dann, wenn dies beidseits freiwillig geschieht und beide etwa gleich alt sind. Letzteres ist unbefriedigend.

Mit welchen Strafen müssen die Jugendlichen rechnen?

Wenn die Fotos gegen den Willen der Betroffenen verbreitet werden, oder wenn die Opfer gar erpresst werden, droht bereits 15-Jährigen bis zu einem Jahr Gefängnis .

Wie verbreitet ist dieses Phänomen?

Wir beobachten eine Zunahme solcher Delikte. Wir kennen jedoch lediglich jene Fälle, bei denen es zu einer Anzeige kommt und gehen von einer hohen Zahl unbekannter Fälle aus, weil solche meist sehr schambehaftet sind. HUF

*Beat Burkhardt ist Leiter der Basler Jugendanwaltschaft

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