Aktualisiert 24.09.2014 09:37

Burgdorf BE

Junkies nehmen Bahnhof in Beschlag

Lärm, Dreck und Deals: Auf dem Burgdorfer Bahnhofareal fallen Randständige vermehrt auf. Anwohner fürchten sich nun vor einer grösseren Drogenszene - auch wegen gebrauchter Spritzen.

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smü/miw

Um den Bahnhof in Burgdorf fallen vermehrt Randständige auf: Sie belegen etwa die Sitzbänke beim Bahnhofausgang an der Poststrasse. Die Kapo Bern bestätigt, dass «sporadisch» Meldungen von Bürgern eingingen, die sich an den Personen störten. «Sie halten sich regelmässig beim Bahnhof auf - man kann aber nicht von einer Häufung sprechen», sagt Kapo-Sprecherin Alice Born. Auch wird bestätigt, dass schon Drogenspritzen gefunden wurden.

Anwohner sprechen von offenem Drogenkonsum

Erst vergangene Woche fand der Inhaber eines Kebap-Standes eine solche auf der Terrasse neben seinem Geschäft. «Zum Glück hat sich bis jetzt noch nie ein Kind an einer gebrauchten Spritze verletzt und sich infiziert», sagte Kenan Demirov gegenüber der Berner Zeitung. Der Spritzenautomat, der direkt an der Wand des Imbissstandes angebracht wurde, soll nun umplatziert werden - ein neuer Standort wird gesucht.

Anwohner des Bahnhofs berichten gegenüber 20 Minuten von offenem Drogenkonsum. «Ich sah, wie sich Männer über eine Folie beugten», sagt ein Burgdorfer, der anonym bleiben will. Ein Pendler will beobachtet haben, dass sich Randständige vermehrt bei den Veloständern auf der anderen Bahnhofseite aufhalten. «Sie gehen zielstrebig auf die Gebüsche am Rand zu - ich glaube, sie verstecken dort Drogen.»

Und bei der bahnhofnahen Drogenabgabestelle Biwak heisst es: «Auf den Bahnhof-Perrons wird ab und zu gedealt. Wir rufen die Polizei, wenn wir das mitbekommen», sagt Abgabeleiterin Verena Keller. Der Platz vor dem Biwak selber werde kontrolliert. Zudem gebe man keine Spritzen weg. «Die Abhängigen, die bei uns in Therapie sind, müssen die Spritze nach dem Gebrauch abgeben.»

Das rund um den Bahnhof gedealt wird, bestätigen Leute die in der Szene verkehren. «Auf offener Strasse wird Marihuana verkauft, dies ist hier in Burgdorf aber gang und gäbe», sagt ein Insider. Für härtere Drogen müsse man nach Bern oder Langenthal reisen.

Kommen und Gehen unter Abhängigen

Dass sie auf Ablehnung stossen, wenn sie sich in Gruppen rund um den Bahnhof aufhalten, verstehen die Randständigen. «Als Anwohner würde es mich auch ärgern, wenn ständig Leute vor meinem Haus sitzen und Alkohol trinken», heisst es bei einer nachmittäglichen Bierrunde. Und weiter: «Wir selbst wären dankbar, wenn uns etwas ausserhalb des Bahnhofes ein Platz zum Sein angeboten würde.» Auch der kommende Winter sei wieder ein grosses Problem, «in Bern gibts wenigstens ein Alki-Stübli, das bietet uns Burgdorf leider nicht.» Trotzdem zieht es immer wieder Junkies, Ex-Junkies und Alkoholiker in die kleine Stadt am Tor des Emmentals: «Es ist ein Kommen und Gehen unter uns.»

Das Kommen und Gehen beobachten auch die Geschäftsleute der Bahnhofregion: «Es gibt Phasen, da sitzen täglich Junkies auf den Sitzbänken herum, dann ist es wieder für eine Zeit lang ruhiger.» Diesen Eindruck bestätigt auch die Burgdorfer Sozialdirektion - vereinzelt würden Reklamationen an die Direktion herangetragen. Man stelle derzeit aber keine «besonders auffällige Entwicklung» fest. «Die Verhältnisse ändern sich jedoch ständig. Es bleibt eine Herausforderung, darauf immer wieder angemessen zu reagieren», so Andreas Diggelmann, Leiter der Sozialdirektion. Man stehe täglich in Kontakt mit den Randständigen und informiere bei Bedarf die Polizei. Diese setzt derzeit nicht auf mehr Patrouillen: «Im Rahmen der normalen Patrouillentätigkeit halten wir selbstverständlich ein Auge auf die Situation», so Kapo-Sprecherin Alice Born.

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