Junta lässt ausländische Helfer zu
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Junta lässt ausländische Helfer zu

Hoffnung für Hunderttausende Opfer des Zyklons «Nargis» in Burma: Juntachef Than Shwe hat seinen Widerstand gegen ausländische Helfer am Freitag überraschend aufgegeben. Die Hilfsorganisationen sind skeptisch.

«Er hat zugestimmt, alle Helfer zuzulassen, ungeachtet ihrer Nationalität», sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon nach einem Treffen mit dem öffentlichkeitsscheuen General im abgelegenen Regierungssitz Naypyidaw.

Than Shwe sei auch bereit, den Flughafen von Rangun als Logistikzentrum für die Hilfsgüter zu nutzen. Auf die Frage, ob diese Übereinkunft ein Durchbruch sei, antwortete Ban: «Ich denke ja.»

Hilfsorganisationen zeigten sich noch nicht überzeugt vom plötzlichen Meinungsumschwung in Burma: «Die entscheidende Frage ist, ob wir Rangun verlassen können oder nicht», sagte der Sprecher des WFP, Paul Risley, in Thailand weiter. «Wir sind vorsichtig optimistisch, aber wir müssen sehen, wie es praktisch funktioniert.»

Hunderttausende obdachlos

Der Zyklon hatte vor drei Wochen nach UNO-Schätzungen 2,4 Millionen Menschen in Not und Elend gestürzt. Hunderttausende sind obdachlos, Hunderttausende verletzt, und ebensoviele brauchen dringend Essensrationen. Bei dem Zyklon kamen nach offiziellen Angaben 78 000 Menschen ums Leben, 56 000 werden vermisst.

Einsatzbereite Katastrophenhelfer, die Trinkwasser aufbereiten, Krankheiten behandeln und Notlager bauen können, warten seit mehr als zwei Wochen in aller Welt frustriert auf Einreisevisa. Die Junta hat bisher nur einige Dutzend in die Metropole Rangun gelassen. In das Katastrophengebiet durften bislang nur Einheimische.

Verhaltene Freude

Zahlreiche Hilfsorganisationen reagierten daher mit Zurückhaltung auf die Ankündigung der burmesischen Militärjunta. «Die entscheidende Frage ist, ob wir Rangun verlassen können oder nicht», sagte der Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP), Paul Risley, in Thailand. «Wir sind vorsichtig optimistisch, aber wir müssen sehen, wie es praktisch funktioniert.»

«Es wäre ein Segen für all die Menschen, die seit fast zwei Wochen auf Hilfe von aussen warten», sagte Angela Schwarz, die für die Welthungerhilfe in Rangun ist. Die Organisation bleibe aber skeptisch, was die konkrete Umsetzung der angekündigten Öffnung bedeute.

Baldige Geberkonferenz

An einer Geberkonferenz vom kommenden Sonntag will die burmesische Regierung dem Vernehmen nach um elf Milliarden Dollar Aufbauhilfe bitten. Die Konferenz in Rangun wird von der UNO und der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) organisiert.

Auch die Schweiz nehme an der Konferenz teil, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Freitag mit. Die Schweizer Delegation werde vom Botschafter in Thailand, Rodolphe Imhoof, geleitet.

Hilfe wartet

Vor der Küste Burmas liegen Kriegsschiffe aus den USA, Frankreich und Grossbritannien mit Ärzten, Nothelfern, Booten und Helikoptern sowie Tausenden Tonnen Hilfsgütern an Bord. Sie warten seit Tagen darauf, helfen zu dürfen.

Noch am Mittwoch schloss das Staatsorgan «Neues Licht von Burma» ihren Einsatz kategorisch aus. Die Länder hätten andere Absichten als nur zu helfen.

Trotz allem Abstimmung

An diesem Samstag lässt die Junta in 47 vom Zyklon besonders schwer verwüsteten Bezirken über die umstrittene neue Verfassung abstimmen. Die Menschen im Rest des Landes mussten bereits eine Woche nach der Naturkatastrophe ihr Votum abgeben.

Weil nach Juntaangaben 92,4 Prozent zustimmten, steht das Ergebnis bereits fest. Mit der Verfassung zementiert das Regime die Macht des Militärs. (sda)

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