BURMA: Junta vertreibt Obdachlose aus Flüchtlingslagern
Aktualisiert

BURMAJunta vertreibt Obdachlose aus Flüchtlingslagern

Rund vier Wochen nach dem Wirbelsturm «Nargis» in Burma hat die Militärregierung nach UN-Angaben mit der Vertreibung Überlebender aus Flüchtlingslagern begonnen.

Die Menschen würden meist ohne jegliche Unterstützung in der Nähe ihrer verwüsteten Dörfer abgesetzt, erklärte das Kinderhilfswerk UNICEF am Freitag. Acht Lager im von «Nargis» am schwersten betroffenen Irrawaddy-Delta seien bereits vollständig verwaist. Hilfsorganisationen zufolge behindert die Junta ausserdem noch immer internationale Hilfseinsätze für die Sturmopfer.

Die Überlebenden würden ohne Ankündigung aus den Lagern vertrieben, sagte UNICEF-Vertreter Teh Tai Ring. Die Unterbringung der Opfer dort hat ihre Versorgung durch Hilfsorganisationen wesentlich erleichtert, weil viele Ortschaften im Irrawaddy-Delta nur mit Booten oder über schlechte Strassen erreicht werden können. In einigen Dörfern sind nach Angaben von Mitarbeitern die Häuser zerstört, Nutztiere sind verschwunden und es gibt so gut wie keine Lebensmittelvorräte, geschweige denn Medikamente.

Einige Menschen hätten Lebensmittelrationen erhalten und seien dann gezwungen worden, die Flüchtlingslager zu verlassen, sagte der UNICEF-Vertreter. Anderen sei jegliche Unterstützung verweigert worden, weil sie ihren Ausweis verloren hätten. UN-Vertreter Terje Skavdal nannte das Verhalten der Junta «völlig inakzeptabel».

Bürokratische Hürden

Hilfsorganisationen berichteten, einige ausländische Mitarbeiter warteten noch immer auf die Erlaubnis zur Einreise ins Irrawaddy-Delta. Die Behörden prüften die Anträge jeweils 48 Stunden lang. Die Organisation Human Rights Watch erklärte, die birmanische Regierung nutze noch immer bürokratische Hürden, um Hilfseinsätze zu behindern. Das Internationale Rote Kreuz warte auf die Genehmigung zur Entsendung von 30 ausländischen Mitarbeitern ins Delta. Die Generäle zeigten damit, dass sogar inmitten der Katastrophe Unterdrückung herrsche, erklärte Human Rights Watch.

Junta kritisiert gespendete «Schokoriegel»

Die Junta ihrerseits kritisierte die ausländische Unterstützung als nicht ausreichend. Es seien lediglich bis zu 150 Millionen Dollar (96 Millionen Euro) eingegangen, deutlich weniger als die von der Regierung veranschlagten elf Milliarden Dollar , hiess es am Freitag in staatlichen Medien. Die Sturmopfer könnten alleine klarkommen und bräuchten «die von der internationalen Gemeinschaft gespendeten Schokoriegel» nicht, schrieb die Zeitung «Myama Ahlin».

Infolge des Zyklons sind rund 2,4 Millionen Menschen dringend auf Nahrungsmittel, Unterkünfte und medizinische Versorgung angewiesen. Nach offiziellen birmanischen Angaben kostete «Nargis» 78 000 Menschen das Leben, 56 000 werden noch vermisst.

Mit Unterricht zurück zur Normalität

UNICEF richtet unterdessen Notschulen für die Kinder in Burma ein. Die Aktion «Zurück zur Schule» soll in einigen Gebieten bereits am Montag wieder provisorischen Unterricht ermöglichen. Seit zwei Wochen verteilt UNICEF bereits Schul- und Lernmaterial und Material zur Reparatur der Schulgebäude. Insgesamt werden 1000 Schulzelte, 100 000 Schulpakete, Schulbücher für 150 000 Kinder und 200 000 Plastikplanen für die notdürftige Reparatur von Dächern bereitgestellt, ausserdem Spiel- und Sportgeräte. Nach der Sturmkatastrophe sei die Wiedereröffnung der Schulen ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zurück zur Normalität, sagte der Leiter von UNICEF in Burma, Ramesh Shrestra. (dapd)

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