Umstrittenes Prinzip: Jupp, wie lange willst du noch rotieren?
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Umstrittenes PrinzipJupp, wie lange willst du noch rotieren?

Mit dem Rotationsprinzip will Bayern-Trainer Jupp Heynckes seine Stars bei Laune halten. Auf lange Sicht wird ihm das aber kaum gelingen. Nur Newcomer wie Xherdan Shaqiri findens toll.

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Jupp Heynckes hat das Wort Stammelf längst aus seinem Wortschatz verbannt. Seine Stars müssen sich immer wieder beweisen. So kamen die Bayernfans dank des Heynckes'schen Rotationsprinzips erstmals gegen Wolfsburg von Anfang an in den Genuss von Franck Ribérys, Arjen Robbens und Xherdan Shaqiris Können.

Leidtragender des Wechsel war diesmal Toni Kroos, der noch bis vor dem Wolfsburg-Spiel als einer der wenigen einen Stammplatz auf sicher hatte. Am Wochenende auf Schalke von Heynckes gelobt, fand er sich auf der Ersatzbank wieder. «Eine Fussballmannschaft besteht nicht nur aus elf Spielern, und wir haben bis Dezember fast nur noch englische Wochen. Wir haben ein Top-Kader. Jeder muss sein Ego zurückstellen und auch mal auf die Bank. Das geht nicht mehr anders», erklärt der 67-Jährige in der «Welt».

Diese Rechnung kann nicht aufgehen: 5 Plätze, 9 Top-Spieler

Ärger liegt in der Luft – auch wenn Heynckes immer wieder betont, dass er sein Prinzip so moderieren werde, dass es über die ganze Saison hinweg funktioniert. Das zeigt alleine die Situation im Mittelfeld: Fünf Plätze hat Heynckes dort zu vergeben. Mit Thomas Müller, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Franck Ribéry, Arjen Robben, Xherdan Shaqiri, Luiz Gustavo, Anatoli Timoschtschuk und 40-Millionen-Euro-Mann Javi Martínez stehen dem Chef aber gleich neun Hochkaräter zur Verfügung.

Während Shaqiri nach seinem Startelf-Debüt in der Allianz Arena in die Kamera strahlte und das Rotationsprinzip des Trainers lobte («Die Mannschaft akzeptiert das – egal, wer aufgestellt wird»), äussern sich gestandene Bayern-Spieler nicht so erfreut. Kroos wollte seine Nicht-Nomination gegen Wolfsburg nach Spielende nicht kommentieren. Müller, bester Offensivmann der Münchner, bezeichnete seine Rolle als Bankdrücker im CL-Heimspiel gegen Valencia als «weniger belastend». Gegen Wolfsburg musste Müller aufgrund einer Grippe passen.

Robben gibt sich (noch) zufrieden

Selbst Robben, der vergangene Saison immer wieder in die Kritik geriet und gerne als Egoist bezeichnet wurde, unterstützt seinen Chef. «Wenn Franck Ribéry eine kleine Verletzung hat, muss uns das keine Sorgen machen. Auch nicht, wenn Toni Kroos, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger oder ich mal fehlen.» Die gute Laune des Holländers dürfte sich spätestens dann verziehen, wenn auch er mal Platz machen muss. Denn Robben war, wenn er fit war und im Aufgebot stand, immer Teil der Startelf.

Der FC Bayern München hat aber nicht nur im Mittelfeld ein Luxusproblem. Wirklich prekär wird die Situation für Heynckes erst, wenn auch noch David Alaba und Mario Gomez nach ihren Verletzungspausen zurückkehren. Alaba, von Louis van Gaal einst vom Mittelfeld in die Abwehr beordert, hat letzte Saison national wie auch international überzeugt. Ende Juli zog sich der 19-jährige Österreicher im Trainingslager einen Ermüdungsbruch im linken Fuss zu. Noch haben Heynckes und auch Holger Badstuber, der zuletzt auf der Position des linken Aussenverteidigers ran durfte, Zeit – Alaba hat erst vor wenigen Tagen das Lauftraining wieder aufgenommen.

Jetzt haben die Bayern zwei Super Marios

Auch Mario Gomez, Bayerns Torjäger vom Dienst, schnürt die Laufschuhe seit kurzem wieder. Nach seiner Sprunggelenksoperation arbeitet der deutsche Nationalspieler an seinem Comeback. Doch wirklich vermisst wird der 27-Jährige nicht. In München haben sie einen neuen «Super Mario» gefunden. 8 Spiele, 8 Tore: Mario Mandzukic (Vertrag bis 2016) ist nach seinem Wechsel vom VfL Wolfsburg aus dem FCB nicht mehr wegzudenken. Dank seiner Traumquote stellt der Kroate, der als Edelreservist für Gomez geholt wurde, Heynckes vor ein weiteres Luxusproblem: Heynckes braucht in seinem bevorzugten System (4-2-3-1) nur einen Strafraumstürmer.

Aber selbst Mandzukic fiel Heynckes Rotationsprinzip schon zum Opfer. Im ersten CL-Gruppenspiel gegen Valencia berief der Bayern-Trainer völlig überraschend Claudio Pizarro in die Startelf. Der Peruaner hat aber – trotz seiner 337 Bundesligaspiele – keine Chance, seiner Reservistenrolle zu entkommen. Erst recht, wenn Gomez zurückkehrt.

Auch gegen Werder die Qual der Wahl

Auch im nächsten Bundesligaspiel bei Werder Bremen wird Heynckes wohl stur weiterrotieren. Und wenn es nicht aus taktischen Gründen sein wird, dann aus gesundheitlichen: Alle drei Wechsel gegen Wolfsburg hat er verletzungsbedingt vorgenommen. Robben, Martínez und Mandzukic mussten angeschlagen vom Platz. Einer wird sich in diesen Tagen im Training besonders ins Zeug legen: Luiz Gustavo. Der 25-jährige Mittelfeldspieler war vergangene Saison ein sicherer Wert in Heynckes' Truppe, nach dem Wechsel von Martínez muss er sich der Brasilianer nun mit dem Spanier um den Platz neben «Schweini» im defensiven Mittelfeld duellieren.

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