Gerichtsprozess: Jurist fuhr angetrunken und unter THC-Einfluss Auto und beschimpfte Polizistin
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GerichtsprozessJurist fuhr angetrunken und unter THC-Einfluss Auto und beschimpfte Polizistin

Nach dem Besuch in der Kronenhalle fuhr ein Zürcher Anwalt (58) in angetrunkenem Zustand und unter THC-Einfluss nach Hause. Nachdem er dort ausgeraubt wurde, rief er die Polizei, die ihn festnahm. Heute wurde er verurteilt.

von
Stefan Hohler
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Der Anwalt fuhr nach dem Nachtessen in der Zürcher Kronenhalle in fahrunfähigem Zustand nach Hause. 

Der Anwalt fuhr nach dem Nachtessen in der Zürcher Kronenhalle in fahrunfähigem Zustand nach Hause. 

20min/Michael Scherrer
Vor der Haustür wurden er und seine Frau Opfer eines Raubüberfalls: Zwei Räuber hielten dem Mann eine Pistole an den Kopf und nahmen ihm eine Luxusarmbanduhr ab.

Vor der Haustür wurden er und seine Frau Opfer eines Raubüberfalls: Zwei Räuber hielten dem Mann eine Pistole an den Kopf und nahmen ihm eine Luxusarmbanduhr ab.

20min/Michael Scherrer
Die alarmierten Stadtpolizisten nahmen den Fall auf und bemerkten, dass der Mann angetrunken war.  Als die Polizistin die Ehefrau fragte, wer gefahren sei, rastete der Rechtsanwalt laut Anklageschrift aus.

Die alarmierten Stadtpolizisten nahmen den Fall auf und bemerkten, dass der Mann angetrunken war.  Als die Polizistin die Ehefrau fragte, wer gefahren sei, rastete der Rechtsanwalt laut Anklageschrift aus.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Ein Nachtessen mit Folgen: Ein Rechtsanwalt und seine Frau dinierten im Juli 2017 im Restaurant Kronenhalle beim Zürcher Bellevue. Obwohl der 58-Jährige dem Alkohol zusprach, fuhr er nach dem Essen mit seinem Range Rover nach Hause in Wiedikon. Vor der Haustür wurde das Paar Opfer eines Raubüberfalls: Zwei Räuber hielten dem Mann eine Pistole an den Kopf und nahmen ihm eine Luxusarmbanduhr ab.

Die alarmierten Stadtpolizisten nahmen den Fall auf und bemerkten, dass der Mann angetrunken war. Als die Polizistin die Ehefrau fragte, wer gefahren sei, rastete der Rechtsanwalt laut Anklageschrift aus. Er trat sehr nahe an sie heran und drohte ihr, er werde ihr «jetzt dann eine ‹schwarten›». Weiters beschimpfte er die Beamtin als «Beeri» und «B*tch». Zudem bestritt er, gefahren zu sein und behauptete, seine Ehefrau sei am Steuer gesessen. Die angeordnete Blutprobe ergab später, dass der Mann mit 0,8 Promille und unter Einfluss von Marihuana gefahren war. Laut Anklageschrift fand sich im Blut des Mannes «eine massgebliche Konzentration von Tetrahydrocannabinol (THC)». 

Verteidiger forderte einen Freispruch

Am Prozess vor dem Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich am Mittwoch war der Beschuldigte nicht anwesend – wegen Corona war er krankgeschrieben. Sein Verteidiger verlangte aber einen vollumfänglichen Freispruch: «Mein Mandant war Opfer eines brutalen Raubüberfalls und landete am Schluss in einer Polizeizelle.» Die Staatsanwältin habe den Fall total aufgeblasen. Sie hat den Juristen wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, der Beschimpfung, des Fahrens in fahrunfähigem Zustand, der Anstiftung zu falschem Zeugnis und des Haschischkonsums angeklagt und verlangte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 810 Franken – also insgesamt 145’000 Franken – sowie eine zu bezahlende Busse von 10’000 Franken.

Der Verteidiger gibt zu, dass es eine verbale Auseinandersetzung mit den Polizisten gegeben hat, der Beamtin habe aber jegliches Fingerspitzengefühl gefehlt. «Mein Mandant befand sich nach dem Raub in einer emotionalen Ausnahmesituation.» Er habe die Frau auch nicht bedroht, die Polizei sei zu Dritt und in voller Kampfmontur vor Ort gewesen. Man könne sich auch nicht auf die Aussagen der beiden verhafteten italienischen Berufskriminellen abstützen, welche den Mann als Fahrer des Range Rovers nannten. Sie sind in Genf wegen ähnliche Delikte zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

«Ziemlich unnötige Fahrt»

Der Einzelrichter gab der Forderung des Verteidigers nicht nach: Er sprach den Rechtsanwalt des Fahrens in fahrunfähigem Zustand schuldig. Vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamte und der Anstiftung zu falschem Zeugnis gibt es einen Freispruch. Der Richter verurteilt den wohlhabenden Juristen zu einer bedingten Geldstrafe von 77 Tagessätzen zu 1000 Franken – also 77’000 Franken – sowie einer zu bezahlenden Busse von 3000 Franken. Zudem muss er für die Gerichts- und Verfahrenskosten in der Höhe von über zehntausend Franken aufkommen.

«Alle Zeugen haben gesagt, dass der Mann gefahren ist», sagt der Richter. Es sei ungewöhnlich, dass als Zeugen ausgerechnet zwei Räuber und drei Polizisten die gleiche Aussage gemacht hätten. Der Beschuldigte habe sich nämlich zu Beginn so geäussert, dass er am Steuer gesessen sei. «Erst als er merkte, dass er auch tatverdächtig war, kehrte er seine Aussagen.» Zudem sei es eine ziemlich unnötige Fahrt mit dem Range Rover in die Innenstadt gewesen, fügt der Richter an.

Die Ehefrau ist übrigens schon früher vom Obergericht rechtskräftig wegen versuchter Begünstigung verurteilt worden, wie am Prozess zu erfahren war.

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