Juso fordert von Gastrosuisse Engagement gegen sexualisierte Gewalt

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Sexuelle Belästigung«Gastro Suisse macht es sich zu einfach»

Für den Dachverband hat die Gastronomie kein Problem mit sexualisierter Gewalt. Die Jungsozialisten stört diese Aussage gewaltig – sie fordern ein Statement und Veränderungen.

von
Daniel Graf
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Sexuelle Belästigung in der Gastronomie ist ein Problem. Das zeigen Zahlen und Expertenaussagen. 

Sexuelle Belästigung in der Gastronomie ist ein Problem. Das zeigen Zahlen und Expertenaussagen. 

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Auch bei 20 Minuten haben sich diverse Betroffene gemeldet. 

Auch bei 20 Minuten haben sich diverse Betroffene gemeldet. 

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Anders sieht das der Branchenverband Gastro Suisse, der keine Zahlen erhebt. Der Verband sieht keinen Handlungsbedarf. 

Anders sieht das der Branchenverband Gastro Suisse, der keine Zahlen erhebt. Der Verband sieht keinen Handlungsbedarf. 

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Darum gehts

  • Aussagen des Gastronomie-Branchenverbands Gastro Suisse zum Thema sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz sorgten jüngst für Schlagzeilen. 

  • Die Juso stört sich daran und ist der Meinung, Gastro Suisse nehme das Problem zu wenig ernst. Die Partei fordert mehr Massnahmen zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt.  

  • Der Verband wehrt sich: Verschiedene Massnahmen seien schon umgesetzt worden, Gastro Suisse habe das Problem immer ernst genommen. 

Die Gastrobranche hat ein Problem mit sexualisierter Gewalt von Gästen, aber auch von Mitarbeitenden. Das zeigen Zahlen wie auch Erfahrungsberichte von Betroffenen. Beim Dachverband Gastro Suisse sieht man das allerdings anders: «Uns sind keine Fälle bekannt, weder zwischen Gästen und Mitarbeitenden noch intern», sagt ein Mediensprecher kürzlich gegenüber 20 Minuten.

Die Berichterstattung hat die Juso Schweiz veranlasst, Gastro Suisse einen Brief zu schreiben. «Diese Aussagen sind für uns schwer zu glauben», heisst es in dem Brief. Die Juso habe als Reaktion auf die Aussagen einen Aufruf gestartet. «Was wir erhalten haben, hat uns die Sprache verschlagen.» Viele Menschen aus der Gastronomie hätten der Juso ihre Geschichte erzählt.

«Frauen werden jeden Tag auf ihr Äusseres reduziert»

Durchgehend zeigten die Erzählungen, wie erniedrigend das Klima in vielen Betrieben sei. «Frauen werden jeden Tag auf ihr Äusseres reduziert, müssen sich in der Küche und von der Kundschaft anzügliche Sprüche anhören und sich jeden Tag überlegen, was sie anziehen dürfen und wie sie sich verhalten sollen, um den Erniedrigungen möglichst aus dem Weg zu gehen.» Neben anzüglichen Sprüchen sei auch von körperlichen Übergriffen, regelmässigen, ungefragten Berührungen bis hin zu strafbaren Handlungen berichtet worden.

Erschreckend sei auch der Umgang mit dem Thema, wenn sich Betroffene bei Vorgesetzten gemeldet hätten. «Mehr als einmal erlebten die Betroffenen, dass sie nicht ernst genommen und die Vorfälle heruntergespielt wurden. In einem Fall musste die Person sogar gehen, damit der Täter bleiben konnte», schreibt die Juso.

«Gastro Suisse macht es sich zu einfach»

Für die Jungsozialisten macht es sich Gastro Suisse deutlich zu einfach: «Es scheint uns, als
würden Sie das Thema grundsätzlich nicht ernst nehmen. Wir erwarten von Ihnen eine Korrektur der getätigten Aussagen und fordern Sie dazu auf, den Sachverhalt ernst zu nehmen, statt weiterhin wegzuschauen.» Konkret brauche es Massnahmen zur Sensibilisierung der Betriebe, Unterstützungsleistungen für Betroffene und konstante Arbeit zur Verbesserung des Arbeitsklimas.

Auf den Brief der Juso angesprochen, sagt Gastro-Suisse-Kommunikationschef Patrick Hasler-Olbrych: «Der Branchenverband nimmt das Thema ernst und hat es auch immer ernst genommen. Es ist Bestandteil in der Berufs- und Weiterbildung, gerade an unseren Hotelfachschulen in Zürich und Genf legen wir Wert darauf, Menschen, die im Gastgewerbe arbeiten, von Beginn weg zu diesem Thema zu sensibilisieren.»

Verband wehrt sich

Die Bar und Club Kommission, eine Fachgruppe von Gastro Suisse, habe ausserdem bereits vor mehr als vier Jahren das Projekt «Ist Luisa hier?» ins Leben gerufen, das in der Clubszene bekannt sei. «Dabei können sich sexuell bedrängte Frauen ans Bar- oder Clubpersonal wenden mit dieser einfachen Frage. Damit signalisiert man, dass man Hilfe braucht», sagt Hasler-Olbrych. Das geschulte Personal kümmere sich dann um die hilfesuchende Person.

Das von der Juso erwähnte Merkblatt gebe es schon seit zehn Jahren und es werde laufend angepasst, zuletzt 2022. «Es enthält konkrete Anleitungen, wie bei einem Vorfall vorzugehen ist und ist für alle Mitglieder verfügbar.»

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