Globus-Provisorium : Juso klettern auf Coop und fordern Jugendclub
Aktualisiert

Globus-Provisorium Juso klettern auf Coop und fordern Jugendclub

Die Stadtzürcher Juso haben am Mittwoch auf dem Vordach des Coops am Hauptbahnhof Transparente angebracht. Ihre Forderung für das Ex-Globus-Provisorium hielt nicht lange.

von
som

Die Juso brachten auf dem Coop-Vordach ein Transparent an. Dort blieb es nicht lange.

Auf dem Vordach des Coops auf der Brücke beim Hauptbahnhof Zürich standen am Mittwochmorgen Jungsozialisten. Gegen 8 Uhr breiteten sie an der Fassade ein vier Meter langes Transparent aus. «Dieser Ort kann mehr! Jugendzentrum her!» stand darauf. Andere Aktivistinnen und Aktivisten der Stadtzürcher Juso verteilten vor dem Eingang des Ladens Flyer an die Passanten. «Die Leute haben positiv reagiert», sagt Co-Präsident Nicola Siegrist.

Das Plakat auf dem Coop-Dach hat die Polizei am Mittwoch kurz nach 9 Uhr entfernt. Ob die nicht bewilligte Aktion für die Jungpartei Konsequenzen haben wird, ist noch unklar. Bei Coop äussert man sich zu Aktionen von Dritten grundsätzlich nicht, wie es auf Anfrage heisst.

Forderung nach Jugendzentrum ist schon 50 Jahre alt

Grund für die Aktion ist die derzeitige Diskussion im Parlament und im Stadtrat über die zukünftige Nutzung des sogenannten Papierwerdareals. Der Vertrag mit Coop läuft ja Ende 2019 aus. Stadtrat Filippo Leutenegger hat im Frühjahr seinen Plan präsentiert, das Gebäude abzureissen und einen offenen Platz zu schaffen.

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Dort, wo jetzt eine Coop-Filiale steht, ist ein Platz mit einem Pavillon geplant.

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Das Ufer der Limmat im Bereich des Bahnhofs würde mit diesem Projekt aufgewertet.

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Der Stadtrat beantragt einen Projektierungskredit von 4,1 Millionen Franken.

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Von dieser Idee halten die Juso nicht viel. Siegrist: «Auf diesem Areal sollte ein Ort für die Jugend gebaut werden, so wie das die Jungen bereits vor 50 Jahren forderten.» Tatsächlich wollten bereits 1968 die Zürcher Jungen dort einen selbstverwalteten Raum, nachdem Globus das Provisorium verlassen hatt. Auch in den 80er-Jahren kam das Thema wieder auf.

Ein Rückzugsort für die Jugend

«Nun wollen wir an diese historische Bedeutung anknüpfen», sagt Siegrist, «auch nach 50 Jahren hat es in Zürich noch immer zu wenig Freiräume.» Junge Menschen seien immer noch von vielen Entscheidungen ausgeschlossen. «Ein Raum, über welchen wir selbst bestimmen können, ist längst überfällig.» Dieser soll gemäss Flyer auch ein Rückzugsort sein, an dem die Jungen ohne ständigen Konsumdruck existieren dürfen. Also ein Ort nicht nur für Partys, so Siegrist: «Möglich ist auch, dass man dort in Ruhe lernen oder etwas essen kann.»

Die Juso wollen mit ihrer Forderung auf das Parlament zugehen: «Wir hoffen, dass wir mit der SP einen entsprechenden Vorstoss einreichen können», so Siegrist.

SP will Idee prüfen

Bei der SP wird man die Idee prüfen, wie Präsident Marco Denoth sagt: «Wir haben uns noch nicht entschieden, was auf dem Areal passieren soll.»

Ein Jugendzentrum sei eine Möglichkeit: «Es sollte etwas gebaut werden, was für die Öffentlichkeit zugänglich ist.» Für einen freien Platz, so wie das die Stadt vorschlägt, sei man jedoch nicht.

FDP ist gegen Jugendzentrum

Ein offener Platz stösst auch bei der FDP nicht auf grosse Begeisterung, wie Fraktionschef Michael Schmid sagt: «Derzeit diskutieren wir in der Fraktion diverse Möglichkeiten.»

Eine Variante wäre der Status Quo: «Der Coop dort ist sehr gut frequentiert. Das zeigt, dass Einkauen ein Bedürfnis ist.» Sicher sei man aber gegen ein Jugendzentrum: «Davon gibt es in der Stadt genug – so etwa das Dynamo oder die rote Fabrik.»

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