«Peinliche» Sparpläne: Juso knöpft sich Zürcher SP-Stadtrat vor

Aktualisiert

«Peinliche» SparpläneJuso knöpft sich Zürcher SP-Stadtrat vor

Gestern wurde bekannt, dass Raphael Golta, Stadtrat der SP, 1,4 Millionen Franken bei Krippenplätzen sparen möchte. Die Juso schiesst nun gegen Golta und sein Vorhaben.

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kv
Die Juso der Stadt Zürich (im Bild ein Parteitag der Juso Schweiz) kritisiert die Sparpläne des SP-Stadtrats Raphael Golta.

Die Juso der Stadt Zürich (im Bild ein Parteitag der Juso Schweiz) kritisiert die Sparpläne des SP-Stadtrats Raphael Golta.

Die Juso der Stadt Zürich ist der Meinung, dass Sparwahn auf Kosten des Service public grundsätzlich falsch sei, wie sie in einer Mitteilung am Freitag schreibt. Sie vertritt die Ansicht, dass wenn Subventionen wegfielen, Normalverdienende sich keinen Krippenplatz mehr leisten könnten.

Kinderkrippen seien für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft von grösster Bedeutung, heisst es weiter in der Mitteilung. Sie würden Kinder schnell in ein soziales Umfeld von Gleichaltrigen einbetten und den interkulturellen Austausch fördern. Zudem würden sie verstaubte und altmodische Rollenbilder sprengen, weil sie es beiden Elternteilen ermögliche, berufstätig zu sein.

Es sei ihnen peinlich, dass sich die Juso nun für den Erhalt und Ausbau der subventionierten Krippenplätze einsetzen müsse - in einer Stadt, die massgeblich von Sozialdemokraten regiert würde.

Schon immer skeptisch gegenüber Golta

«Wir waren gegenüber Raphael Golta schon immer skeptisch», sagt Oliver Heimgartner, Vorstandsmitglied der Juso Stadt Zürich. «Er macht mit seinen bürgerlichen Sparplänen nicht nur sich selber, sondern auch die SP unglaubwürdig.» Dass in der Stadt Zürich bei Krippenplätzen gespart würde, während zum Beispiel die UBS trotz Milliardengewinnen seit Jahren keine Steuern bezahlt, sei asozial und verstosse gegen jedes Prinzip von sozialdemokratischer Politik.

Anjushka Früh, Gemeinderätin der SP und Mitglied des Vorstandes der Juso Stadt Zürich, findet: «Raphael Goltas Hauptthema für den Wahlkampf war die Chancengleichheit. Mit seinen Sparplänen aber bewirkt er genau das Gegenteil und wirft so jedes sozialdemokratische Prinzip über den Haufen.» Dieser Sparwahn treffe vor allem Familien in schwierigen finanziellen Verhältnissen.

Goltas umstrittener Sparvorschlag

Der neue Zürcher Sozialvorsteher Golta plant, den geplanten Ausbau von subventionierten Krippenplätzen zu stoppen. Sein Budget würde dadurch um 1,4 Millionen Fanken entlastet. «Zürich hat im Bereich der Krippen schon viel gemacht», zitiert ihn der «Tages-Anzeiger» am Freitagmorgen. Die Stadt habe in den letzten Jahren die Anzahl stetig gesteigert. Nun fehle das Geld, um noch mehr subventionierte Plätze anzubieten.

Obwohl die Anzahl subventionierter Krippenplätze fast auf das Doppelte angestiegen ist, zeigt sich der Verband Kinderbetreuung Schweiz alles andere als erfreut über einen Ausbaustopp. «Es braucht mehr subventionierte Krippenplätze», sagt Geschäftsleiterin Talin Stoffen zum TA. Das Stimmvolk habe sich mehrfach dafür ausgesprochen. Sie wirft Golta vor, am falschen Ort zu sparen.

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