Aktualisiert 15.01.2015 17:16

St.Gallen

Justiz beschlagnahmt Ecstasy von Roboter

Im Rahmen einer Kunstausstellung hat ein Roboter im Internet allerlei Illegales beschafft. Jetzt hat ihn die Staatsanwaltschaft St.Gallen beschlagnahmt.

von
Jeroen Heijers
Der Darknet-Shopper (am rechten Bildrand) sowie die Waren, die er an die Kunsthalle St.Gallen liefern liess, wurden beschlagnahmt.

Der Darknet-Shopper (am rechten Bildrand) sowie die Waren, die er an die Kunsthalle St.Gallen liefern liess, wurden beschlagnahmt.

Ein Roboter, der für eine Ausstellung in der Kunsthalle St.Gallen online allerlei illegale Waren zusammenkaufte, wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Es handelt sich dabei um den Darknet-Shopper der Mediengruppe Bitnik.

Der Roboter, eigentlich ein Computerprogramm, kaufte zwischen dem 18. Oktober 2014 und dem 11. Januar 2015 wöchentlich Waren aus den dunkelsten Ecken des Internets, dem sogenannten Darknet. Die bestellten Waren wurden dann an die Kunsthalle St.Gallen geliefert und im Rahmen der Arbeit Random Darknet Shopper ausgestellt. Am 4. November 2014 erhielt die Kunsthalle eine spezielle Lieferung: eine DVD-Hülle mit zehn darin verpackten Ecstasy-Pillen.

Ein 37-jähriger Leser-Reporter aus Wallisellen ZH konnte es damals kaum glauben, als er Bilder dieser Briefsendung im Internet entdeckte: «Es kann doch nicht sein, dass eine Institution wie die Kunsthalle so etwas über das Internet bestellt», sagte der Mann. Giovanni Carmine, Direktor der Kunsthalle, winkt ab: «Erstens haben nicht wir die Drogen bestellt, sondern ein Computerprogramm», sagt er. «Zweitens sind sie Teil einer Ausstellung und damit legal bei uns ausgestellt.»

Künstler können belangt werden

Doch wie sich nun zeigt, ist die Angelegenheit rechtlich umstritten. Als am 11. Januar 2015 die Ausstellung zu Ende ging, stand am nächsten Tag plötzlich die St.Galler Polizei vor der Türeder MN und beschlagnahmte und versiegelte die Arbeit von Bitnik im Auftrag der Staatsanwaltschaft St.Gallen. «Diese Pillen stellen eine Verletzung des Betäubungsmittelgesetzes dar und mussten deshalb mit den anderen Teilen der Ausstellung beschlagnahmt werden», sagt Andreas Baumann, Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft.

Das Ecstasy werde nun vernichtet, da es sich um eine Bedrohung für Drittpersonen handle. Baumann gibt an, dass man von den Drogen am 12. Januar durch Zufall erfahren habe. Um welchen Zufall es sich handelte, wollte er nicht sagen. «Das weitere Vorgehen wird nun mit den Künstlern abgeklärt. Es kann durchaus sein, dass sie rechtlich belangt werden», so der Justiz-Sprecher.

Künstler nehmen es mit Humos

Die Mediengruppe Bitnik zeigt sich von der Aktion der Staatsanwaltschaft zwar wenig begeistert. «Wir sind der Meinung, dass die Beschlagnahme der Kunstobjekte ein ungerechtfertigter Eingriff in die Kunstfreiheit darstellt», so die Gruppe in ihrer Stellungnahme. Dennoch nehmen die Künstler die Sache mit Humor: Die Staatsanwaltschaft sei nun ein Teil des Projekts Random Darknet Shopper. «Dass die Fragen, die die Arbeit aufwirft, nun auch im juristischen Feld behandelt werden, zeugt auch von der Relevanz der Arbeit», sagt Carmen Weisskopf von Bitnik.

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