Von Hund gebissen: Justiz gibt vierjährigem Opfer die Schuld
Aktualisiert

Von Hund gebissenJustiz gibt vierjährigem Opfer die Schuld

Der vierjährige Jonathan ist in Oberentfelden AG von einem Hund gebissen worden. Jetzt geht der Halter straflos aus - weil Jonathan das Tier gereizt haben soll. Seine Mutter ist empört.

von
Marco Lüssi
Maureen Effiong mit ihrem vierjährigen Sohn, Jonathan.

Maureen Effiong mit ihrem vierjährigen Sohn, Jonathan.

Passiert ist es im Sommer auf dem Spielplatz eines Kindergartens in Oberentfelden AG: Der knapp vierjährige Jonathan war dort allein mit anderen Kindern am Spielen, als er von einem Hund, den ein 12-Jähriger dort ausführte, ins Bein gebissen und leicht verletzt wurde.

Jonathans Mutter Maureen Effiong alarmierte daraufhin die Polizei, die Jugendanwaltschaft eröffnete ein Verfahren gegen den 12-Jährigen. Doch jetzt wurde das Strafverfahren eingestellt.

Die Begründung: Jonathan und die anderen Kinder hätten den Hund vor dem Vorfall gereizt, deshalb habe das Tier sich von der Leine losgerissen und zugebissen. Zudem sei Jonathan kaum verletzt worden.

Mutter ist empört

Maureen Effiong ist empört: «Es kann doch nicht sein, dass die Justiz einem Kleinkind die Schuld zuschiebt, wenn es gebissen wird.» Zudem stimme es nicht, dass ihr Sohn den Vierbeiner provoziert habe.

Auch die Aargauer Grossrätin Lilian Studer (EVP) hat Mühe mit der Argumentation der Jugendanwaltschaft: «So junge Kinder wissen nicht, wie man mit Hunden umgeht – man kann sie nicht verantwortlich machen, wenn etwas passiert.»

Peter Rub, Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, hat ein gewisses Verständnis für die Empörung der Mutter. «Doch es gibt Situationen, in denen Hunde so malträtiert werden, dass sie gar nicht anders können, als sich mit einem Biss zu wehren.» So etwas könne passieren, wenn Kinder nicht unter der Beobachtung von Erwachsenen stünden.

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